Magdeburg l Klatschend, jubelnd und mit den Füßen trampelnd bedankte sich das Premierenpublikum der Kinderoper „Hoffmanns Erzählungen“ bei den Darstellern und forderte lautstark nach einer Zugabe. Die gab es zwar nicht, dennoch sind die Mädchen und Jungen ab dem sechsten Lebensjahr mit vielen schönen Erinnerungen aus der Vorstellung gegangen.

Schon seit mehreren Jahren bieten das Opernensemble und die Magdeburgische Philharmonie des Theaters Magdeburg eine Kinderoper zum Mitmachen an. In der Schule werden die Mädchen und Jungen im Unterricht auf die Mitmachoper vorbereitet, lernen Texte und Lieder, bei denen sie mitsingen können, und erhalten Einblick in die Handlung des Stückes.

Handlung in Familiengeschichte gebettet

Die Bühnenfassung von „Hoffmanns Erzählungen“ des Magdeburger Theaters bettet die Handlung in eine Familiengeschichte ein: Der Junge Niklas hat seine Mutter verloren. Sein Vater hat eine neue Frau kennengelernt. Niklas befürchtet, dass seine Mutter vergessen und er selbst abgeschoben werden könnten.

Nach dieser kurzen Einführung in die Familienverhältnisse wechselt die Inszenierung von der realen in die Traumwelt des Jungen, in der sich die Sorgen widerspiegeln. Sein Vater lernt immer wieder neue Frauen kennen – immer wieder endet die Liebesgeschichte unglücklich. Am Ende erwacht Niklas aus seinen Alpträumen und der Vater verspricht, den Jungen nicht zu vernachlässigen. Ende gut, alles gut.

Kostüme und Bühnenbild eher schlicht

Das Bühnenbild zeigt zunächst das Zimmer von Niklas. Zwei große Türen, eine mit Puzzletapete gestaltete Wand, das Bett des Jungen und eine Art Schrank. In der Traumwelt des Jungen wird das Puzzlemuster zum dominierenden Element und von den Opernsängern auch bespielt. Der futuristische Schrank wird zu einer Maschine, in der ein Mensch gezüchtet wird – aufgeladen an überdimensionalen USB-Kabeln. Die Puzzleteile können als Sinnbild für die verworrene Traumwelt des Jungen verstanden werden.

Obwohl das Bühnenbild mit den Puzzleteilen ein Motiv aus der Kindheit aufgreift, wirkt es nicht, als wäre es extra auf Kinder abgestimmt worden, sondern ist von Bühnenbildnerin Lena Brexendorff eher neutral gehalten worden. Auf für Kinderopern der vergangenen Jahre bereits genutzte Comic-Elemente, die stark an Bilderbücher erinnerten, wurde weitgehend verzichtet.

Mehr Farbe für Kinderoper

Gleiches traf auch auf die Kostüme von Elisabeth Richter zu, die zwar akzentuiert bunte Farben und Glitzer ins Spiel brachte, insgesamt aber auch auf eine eher schlichtere Kostümierung achtete, die sehr an die Kleidung von Geschäftsleuten erinnerte. Gerade für eine Kinderoper hätten sowohl das Bühnenbild als auch die Kostüme etwas verspielter, farbenfroher sein können.

Die Sängerinnen und Sänger des Opernensembles waren nicht nur musikalisch, sondern auch schauspielerisch gefordert. Während sie gesanglich überzeugten, wirkten die gesprochenen Texte teils sehr gestelzt, fast laienhaft. Vor allem bei Paul Sketris (u. a. Antonias Vater) fiel dies auf. Aber auch bei Hyejin Lee (u. a. als Antonia) wäre schauspielerisch noch Potenzial nach oben gewesen. Emilie Renard als Niklas stellte den Jungen glaubwürdig dar, ohne dabei zu sehr ins gespielt Kindliche abzudriften.

Texte für Kinder eingeblendet

Die musikalische Leitung oblag Pawel Poplawski, der nicht nur der Magdeburgischen Philharmonie, sondern auch dem Kinderchor im Publikumsraum den Einsatz gab. Um den Kindern anzuzeigen, wann ihr Einsatz gefragt ist, wurde zusätzlich das Licht im Publikumsraum angestellt. Auch die Texte wurden eingeblendet, was für all jene hilfreich war, die vielleicht nicht ganz so textsicher waren. Gefühlt waren die Kinder sehr gut vorbereitet und hatten auch ihre selbst gebastelten Requisiten wie Sonnenbrillen und Muscheln dabei.

Im Jahr des 200. Geburtstages von Komponist Jacques Offenbach eine insgesamt gelungene Inszenierung von Regisseur Thomas Schmidt-Ehrenberg, die Kindern Freude bereitet und auch für Erwachsene Stoff zum Nachdenken bietet, wie in der eigenen Familie mit Trennung, neuem Partner und den Kindern umgegangen wird.

Neben den Schulvorstellungen gibt es auch eine Familienvorstellung am 12. Juni 2019 um 15 Uhr.