Magdeburg l 30 Jahre war Thomas Maeder Schulleiter an der Gemeinschaftsschule „Thomas Mann“. Jetzt verabschiedet sich der 62-Jährige in den Ruhestand. Er liebe das Leben an der Schule. Für den gebürtigen Magdeburger aber sei jetzt einfach der Zeitpunkt gekommen, etwas anderes zu machen, erzählt er.

Thomas Maeder wollte eigentlich Pilot werden, doch in der DDR war das unter anderen für ihn finanziell nicht machbar. Seine zweite Wahl: Lehrer. „Zwei Lehrer sind während meiner Schulzeit nicht völlig spurlos an mir vorübergegangen. Das hat mich dazu bewegt, ebenfalls den Beruf zu ergreifen“, erinnert sich Thomas Maeder. Doch zunächst machte er eine Ausbildung als Elektromonteur bevor er das Abitur ablegte und in Halle auf Lehramt studierte.

Lehrer aus Leidenschaft

„Wenn ich alles so im Nachgang betrachte, es hätte nicht besser kommen können“, sagt Thomas Maeder zufrieden. Der Lehrerberuf sei nicht nur Beruf, sondern auch Berufung für ihn. „Es ist einfach toll, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten, ihnen zu helfen, eine selbstständige Persönlichkeit zu werden, kritisch denken zu lernen und für gute Noten zu kämpfen“, berichtet der 62-Jährige.

Seit 1991 leitete er die Geschicke an der Thomas-Mann-Schule. „Zuerst gab es nach der Wende Haupt- und Realschule getrennt, später wurde die Förderstufe erst eingeführt und dann wieder abgeschafft. Außerdem gab es ständig Gesetzesänderungen“, erinnert er sich. Da sei außer dem Kollegium nicht viel stabil geblieben. „Meine Kolleginnen und Kollegen sind wie der Fels in der Brandung“, betont Thomas Maeder den Zusammenhalt der Lehrerschaft. Er ist ungeachtet seiner Funktion immer Teamspieler geblieben, konnte aber seine Schule nach außen hin mit klarer Stimme sehr energisch verteidigen.

Mehr Platz zum Lernen

Für Thomas Maeder sei es immer wichtig gewesen das Lehrer, Schüler und Eltern einen gemeinsamen Konsens finden, auch wenn man nicht immer der gleichen Meinung war. „Wenn Kinder in die Schule kommen, haben sie nur diese eine Chance, dort für sich den Grundstein für ihr künftiges Leben zu legen. Lehrer müssen deshalb immer versuchen, das Beste fürs Kind rauszuholen“, so der Magdeburger.

Sein Wunsch für die Zukunft der Schule: „Mehr Räumlichkeiten.“ So sehe er die vom Stadtrat beschlossenen Pläne eines neuen Schulgebäudes am Eingang des Stadtparks als positiv. Wichtiger sei, wie eine Schule materiell und personell ausgestattet ist. „Wenn beides stimmt, kann sie für die Schüler sehr förderlich sein“, so Maeder.

Nach wie vor ist die Digitalisierung ein großes Thema an der Gemeinschaftsschule. „Wir hatten sie schon vor Corona im Blickpunkt, sie hat jetzt aber noch mal einen Schub bekommen“, sagt Thomas Maeder. Am 11. September 2001 wurde an der Thomas-Mann-Schule das erste Computerkabinett eingerichtet. An den Tag kann sich der Technik- und Sozialkundelehrer noch genau erinnern, gemeinsam verfolgten Schüler und Lehrer im Internet die Geschehnisse der Terroranschläge in den USA.

Emotionaler Abschied

Trotz Corona-Pandemie wurde Thomas Maeder von seinen Kollegium und Schülern gebührend verabschiedet. Es war ein überaus gedankenvoller und emotional bewegender Tag, bei dem nicht nur bei den Mitarbeitern die ein oder andere Träne kullerte.

Eigentlich wollte der 62-Jährige im Ruhestand seiner Reiselust mal außerhalb der Schulferien nachgehen, doch Corona bremst ihn derzeit aus.

Seit 1. Februar hat Geschichts- und Ethiklehrer Tobias Knecht offiziell die Leitung der Cracauer Schule übernommen. Der 35-Jährige kennt die Schule bereits aus dem Effeff. Seit 2015 unterrichtet er an der Schule. Nach seinem Studium in Dresden und dem Referendariat in Nordrhein-Westfalen zog es dem gebürtigen Magdeburger wieder in seine Heimatstadt.

Herausforderung und Chance

Als Thomas Maeder ihn ansprach, ob er nicht sein Nachfolger werden wolle, zögerte Tobias Knecht im ersten Moment. „Mein Wunsch war es immer zu unterrichten, jungen Menschen Werte zu vermitteln. Schulleitung ist mit viel Organisation und Verwaltung verbunden. Doch die Herausforderung und die Chance die Schule mitzugestalten hat mich schlussendlich gereizt“, so Tobias Knecht.

Die Gemeinschaftsschule „Thomas Mann“ hat sich vor allem durch ihr Schulprogramm zur Berufsvorbereitung stadtweit einen Namen gemacht. Auf Initiative von Tobias Knecht wurde das Schulprofil 2017 erweitert. Soziales Engagement steht seitdem ebenso auf dem Lehrplan wie Deutsch oder Mathe.