Magdeburg l Tierarzt Helge Schulze hatte die Tierrettung der Stadt Magdeburg am Donnerstagabend den völlig vernachlässigten und abgemagerten Hund in die Praxis im Stadtteil Neustädter See gebracht. Einen derart schlimmen Fall von Vernachlässigung eines Tieres hatte der seit 29 Jahren praktizierende Mediziner auch noch nicht erlebt.

Über Wochen und Monate muss der Hund in einer Wohnung offenbar in einem Käfig gehalten worden sein, bevor er nun offenbar ausgesetzt wurde. Dabei bekam das Tier kaum Nahrung und Wasser. Darauf lässt zumindest der Zustand des Tieres schließen. Der Hund wog gerade einmal zehn Kilogramm – normal wären mindestens 20 Kilogramm gewesen, wie Tierarzt Schulze sagt.

Hund stark vernachlässigt

Seit dem 15. November 2019 ist das Tier nun im tiermedizinischen Versorgungszentrum. Die beiden Tierärztinnen Dr. Jana Leppelt und Dr. Katja Schneider sowie ihr Team kümmern sich seither um das geschundene Tier. Eingehende Untersuchungen in der Tierklinik hatten keine Erkrankungen ergeben, die sonst für den schlimmen Zustand des Hundes gesprochen hätten. Es handele sich tatsächlich um einen Fall von starker Vernachlässigung. Tierarzt Schulze hat Anzeige erstattet, ob der Tierhalter jedoch gefunden werden kann, ist unklar, da der Hund keinen Chip trägt.

Unter tierärztlicher Aufsicht wird der Hund nun weiter aufgepäppelt. Er bekommt unter anderem Infusionen. Der Zustand des Hundes sei mittlerweile stabil. Er habe auch Lebenswillen, sei wach und aufmerksam. Die Tierärzte gehen davon aus, dass er durchkommt. Bis der etwa einjährige Rüde aber zumindest körperlich wieder auf dem Niveau ist wie seine Altersgenossen, werde dauern. Dies werde Wochen und Monate brauchen, ungefähr so lange, wie das Tier auch vernachlässigt worden sei, hieß es.

Große Anteilnahme an Hunde-Schicksal

Der Bericht über den krassen Fall von Tiervernachlässigung sorgte für große Anteilnahme bei Volksstimme-Lesern, aber auch für eine Welle der Entrüstung in den sozialen Medien, wie ein Mensch so mit seinem Tier umgehen könne.

Auch der Tierschutzverein Magdeburg meldete sich bei der Magdeburger Volksstimme. „Wir Tierschützer sind entsetzt, was in Magdeburg einem Hund angetan wurde. Wir freuen uns, dass die Tierrettung und Magdeburger Tierärzte dem Hund das Leben retten konnten“, schrieb Klaus-Peter Winter vom Magdeburger Tierschutzverein der Redaktion. Er bot Hilfe des Vereins an. Der Verein könne den Hund in eine Pflegestelle aufnehmen und ihn bis zu einer Vermittlung aufpäppeln.

Tierarzt Helge Schulze sieht den Hund im tiermedizinischen Versorgungszentrum zunächst sehr gut aufgehoben. Im Moment gehe es zunächst darum, „dass er in Ruhe wieder gesund wird“.