Magdeburg l In seinen 13 Monaten, die Egon auf der Welt ist, hat er schon Schlimmes durchmachen müssen. Er wurde vernachlässigt, bekam kaum ordentlich Wasser und Futter, wurde womöglich in einer Wohnung in einem Käfig gehalten und halbtot dann ausgesetzt. Nur durch die schnelle Hilfe vieler Retter und einen starken Überlebenswillen hat sich der Rüde zurück ins Leben gekämpft. Jetzt hat er ein neues Zuhause bei einer Familie aus Magdeburg gefunden. Über das Magdeburger Tierheim hat die Vermittlung dieser Tage stattgefunden, wie Tierheimleiter Andreas Reichardt auf Volksstimme-Anfrage bestätigte.

Im Tierheim selbst hat Egon gar nicht lange warten müssen. Im Gegenteil, es gab sogar mehrere Interessenten, die dem Hund ein neues Heim geben wollten. Letztlich fiel die Entscheidung für die Magdeburger Familie. Die Geschichte des Hundes hatte sie durch die Beiträge in der Volksstimme erfahren, hieß es. Nachdem geprüft worden ist, ob sich Egon mit dem anderen Hund der Familie versteht, ist er vermittelt worden, sagt Andreas Reichardt. Angaben zur Familie machte er aus Datenschutzgründen nicht. „Dem Hund geht es prächtig, er ist wieder voll da. Er hat noch einiges nachzuholen, schließlich hat er bisher ja noch nicht sehr viel erlebt, aber vom Verhalten her ist alles in Ordnung.“

Liebevolle Versorgung rettet den Hund

Dass der Rüde nun ein normales Hundeleben führen kann, ist vor allem der schnellen Hilfe der Magdeburger Tierrettung zu verdanken. Sie war am Abend des 14. November 2019 nach Sudenburg gerufen worden. Ein völlig abgemagerter Hund liege dort, hieß es. Die Tierretter schalteten schnell und brachten das „Häufchen Elend“ zu dem Magdeburger Tierarzt Helge Schulze in dessen Praxis in Neustädter See. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Mandy Lautenbach übernahm der Tierarzt die Erstversorgung des Hundes.

Am nächsten Morgen brachten sie ihn in das Tiermedizinische Versorgungszentrum nach Stadtfeld. Hier wurde das Tier eingehend untersucht und intensivmedizinisch behandelt. Der Hund war derart abgemagert, dass er nur knapp die Hälfte von dem wog, was er eigentlich hätte wiegen müssen. Die Tierärzte waren geschockt von dem Zustand des Hundes. So etwas hatten sie in ihrer langjährigen Praxis noch nie gesehen. Der Hund war so schwach, dass er kaum allein laufen konnte. Ohne die schnelle Hilfe hätte der Hund die Nacht nicht überlebt.

Pflegerinnen gaben ihm einen Namen

Über Wochen päppelten die Tierärztinnen Dr. Jana Leppelt und Dr. Katja Schneider und ihr Praxisteam den Hund liebevoll wieder auf. Der aufgeweckte Hund wuchs ihnen in der Zeit so sehr ans Herz, dass sie ihm sogar einen Namen gaben: Egon.

Derweil ermittelte die Magdeburger Polizei, wer dem Hund das angetan hat. Das war nicht leicht, denn der Hund war weder gechippt, noch trug er andere Hinweise auf seine Besitzer. Doch tatsächlich stieß die Polizei auf eine 24-jährige Magdeburgerin. Die Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz laufen.