Magdeburg l Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hat den im März 2020 gefeuerten Zoochef Kai Perret der Lüge bezichtigt. Anlass ist die Debatte um eine Sequenz aus einem Video, das die Bild-Zeitung veröffentlichte. Aufnahmen zeigen dort, wie 2017 ein Tierpfleger mit einem sogenannten Elefantenhaken einen Dickhäuter bearbeitet, damit eine Kette vom Fuß gelöst werden kann. Die Aufnahmen entstanden während des Umzugs der Elefanten aus dem Alten Elefantenhaus in die neue Anlage im Magdeburger Zoo. Es liegt der Vorwurf der Tierquälerei in der Luft.

Trümper sagte, der Umzug sei damals von einer Firma mit einem insgesamt 3,5 Stunden langen Video dokumentiert worden. Bestandteil des Filmmaterials seien auch die Sequenzen, die den Einsatz des Elefantenhakens zeigen. Der gesamte Umzug sei vom damaligen Zoochef Kai Perret, dem damaligen Zootierarzt Dr. Niels Mensing und anderen Führungskräften persönlich verfolgt worden. Zudem habe Perret unmittelbar danach das Videomaterial vorgelegen.

Perret habe aber jederzeit von einem ordnungsgemäßen und komplikationslosen Umzug der Elefanten gesprochen. Wenn Perret jetzt, mit den Vorwürfen konfrontiert, sage, er kenne weder den Vorfall noch sei ihm das Video seit längerem bekannt, so lüge Perret, sagte Trümper. Der Ex-Zoochef sage die Unwahrheit.

Vertrauen aufgebraucht

Magdeburgs Zoochef Kai Perret war Anfang März nach einer Ratsentscheidung gekündigt worden. Sein Vertrag lief ursprünglich noch bis 2021. Gründe für die Kündigung waren unter anderen ein gestörtes Vertrauensverhältnis, Mitarbeiterproteste und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Trümper sagte, dass sein Vertrauensverältnis zu Perret schon spätestens seit Januar 2020 aufgebraucht gewesen sei. Das bestätige sich erst erneut. Das Video selbst wollte Trümper nicht bewerten. Er sagt aber, dass der Elefantenhaken zum Einsatz gekommen sei, weil die Wirkung des Beruhigungsmittels bei dem für den Transport ruhiggestellten Tier nachgelassen habe. Wie dieses Vorgehen nun zu bewerten sei, müsse die Staatsanwaltschaft klären.

Der Einsatz eines Elefantenhakens, ein Fieberglasstab, sei damals gang und gäbe gewesen. Bisher habe das niemand als etwas besonderes angesehen. Mit dem Umzug in die neue Anlage ist die Verwendung eines solchen Hakens auch nicht mehr nötig.  

 

Aufbruchstimmung im Zoo

Trümper sagte zudem, dass im Zoo derzeit eine Aufbruchstimmung herrsche. Vertreter der Mitarbeiter hätten auf einer Aufsichtsratssitzung im Mai 2020 mitgeteilt, dass es im Zoo zwar nach wie vor Probleme gebe, die Mitarbeiter aber nun motiviert seien, um insbesondere das Jubiläumsjahr 2020 (70 Jahre Zoo Magdeburg) angemessen zu begleiten. Trümper forderte deshalb, die Ermittlungen der Staatswaltschaft abzuwarten und den Zoo in Ruhe arbeiten zu lassen.

Ex-Zoochef Kai Perret wehrte sich gegenüber der Volksstimme gegen die Vorwürfe von Trümper. Nach seinen Angaben habe er jeweils nur Links zu den Filmen vom Umzug der Elefanten erhalten, sich das Material aber nicht angeschaut. "Das Rohmaterial war rund acht Stunden lang. Wer sieht sich so etwas an?", fragte er. Auch den Link zu einer kürzeren Version habe er nicht angesehen und deshalb nicht wissen können, dass es dort solche kritischen Szenen gebe. Zum Zeitpunkt der Handlungen des Tierpflegers gegenüber dem Elefanten sei er auch nicht vor Ort gewesen. "Hätte ich davon gewusst, hätte ich auch sofort gehandelt", betonte Perret erneut seine Aussage in der Volksstimme vom 27. Juni 2020.

Perret kündigte außerdem an, sich gegen die Lügenvorwürfe von OB Trümper zu wehren. "Ich werde das juristisch prüfen." Ich lasse mir meinen Ruf jedenfalls nicht von einem halbinformierten Bürgermeister schädigen", so Perret. Er wolle die Prüfungen der Staatsanwaltschaft abwarten. Befragt worden sei er noch nicht.