Magdeburg l Die Natur vermag so einige Kuriositäten hervorzubringen. Aber am Baum baumelnde Boots und Botten? Klar, für Mitte Februar mag es viel zu warm sein und so manche Blumen, Bäume und Sträucher zeigen schon ihre Knospen. Sie „schlagen aus“. Doch bei dem hölzernen Exemplar, das sich am Eingang zum „Aldi-Park“ an der Basedow-/Klosterbergestraße in Magdeburg befindet, möchte man meinen, der Baum hat vor, auszutreten.

Zig Schuhpaare hängen an seinen Ästen - vom pinken Turnschuh bis zum ausgelatschten Sneaker. Und 2020 scheinen es gar noch ein paar mehr zu sein als im Jahr zuvor. Denn neu ist der „Schuhbaum“ nicht. Der Buckauer Fotograf Matthias Pavel, besser bekannt als Wenzel Oschington, der nur wenige Meter weiter sein Atelier hat, meint sich zu erinnern, dass die Botten etwa seit dem Jahr 2017 dort baumeln.

Fotomotiv im Winter

Jedes Jahr im Winter werden sie zu einem seiner Fotomotive. Denn nur, wenn der Baum keine Blätter trägt, sind sie auch zu sehen. Im Sommer verschwinden sie hinter dichtem Grün und in ihnen so mancher Vogel.

Bilder

Doch, was hat es mit den hängenden Schuhen auf sich? So genau weiß das leider keiner. Etliche Theorien kursieren dazu im Internet, denn das Phänomen ist keine Seltenheit. Weltweit werden derartige „Schuhbäume“ gesichtet. In manchen Metropolen baumeln sie gar - vermutlich mangels Ahorn, Esche und Co. - an Ampeln, Laternen oder Leitungen.

Eine Theorie, die immer wieder zu finden ist, hat ihren Ursprung – wie soll es auch anders sein - in den USA. Der Legende nach stritt sich ein Ehepaar in der Hochzeitsnacht so heftig, dass die Frau davonlaufen wollte. Der Mann reagierte prompt und schmiss ihre Schuhe auf den nächsten Baum. Seine Frau blieb und wurde in derselben Nacht schwanger. Ergo: Botten im Baum bedingt Baby-Boom? Naja, wenn es bei den Buckauern mit den Babys trotzdem nicht klappt, dann zumindest mit der Brut, dank trendy Nistplätzen für die Vögel.

Ritual nach Verlust der Unschuld

Eine andere Erklärung führt die Autorin Silke Katenkamp auf n-tv.de auf. Am weitesten zurück gehe ihrer Recherche nach eine Legende, die aus Schottland stammt: „Ein aufgehängtes Paar Schuhe in der Nähe eines Hauses symbolisiert dort demnach seit Jahrhunderten, dass ein Mann vor kurzem seine Unschuld verloren hat.“ Der Gedanke, dass diese Theorie stimmen könnte, verleitet angesichts etlicher Damenschuhe doch ein wenig zum Schmunzeln. Aber: Jeder nach seiner Façon!

Den baummelnden Tretern tolerant gegenüber zeigt sich übrigens die Stadt Magdeburg. Denn obwohl der Baum auf städtischem Grund steht, heißt es: „Schäden durch die Schuhe sind unserem Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg bislang nicht bekannt. Auch eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht nicht, wenn einzelne Schuhe an einem Baum hängen. Deshalb toleriert die Stadtverwaltung diesen ,Trend‘, auch wenn die Meinungen darüber durchaus unterschiedlich sind“, so Stadtsprecher Michael Reif.