Magdeburg l In den vergangenen Jahren hatte Michael Günther den Yachthafen und Marina Magdeburg im Winterhafen mit einem Team von insgesamt rund zwölf Mitarbeitern zu neuem Leben verholfen. Das Unternehmen firmiert unter dem Namen Marine- und Industriemotoren Magdeburg GmbH. Dass Freizeitkapitäne augenblicklich nur vereinzelt hier anlegen, hat nicht allein mit dem Niedrigwasser in der Elbe von derzeit weniger als 60 Zentimetern zu tun. Vielmehr ist die Zufahrt in den Winterhafen schwer befahrbar. Michael Günther sagt: „Es gibt in der Zollelbe einige unschöne Untiefen.“ Ideal wäre eine Fahrrinne von 1,20 Metern in der Zollelbe, so seine Einschätzung. Und herstellen ließe sich die, indem der Schlamm, der sich hier sammelt, beseitigt wird.

Doch wer dafür zuständig ist – darüber streiten sich die Geister. Volksstimmeleser Maik Krebs hatte dazu beim Wasser- und Schifffahrtsamt nachgefragt und das Antwortschreiben der Magdeburger Volksstimme zur Verfügung gestellt. Die Bundesbehörde verweist dabei darauf, dass sie Steuergelder nur für die Instandhaltung von Bundeswasserstraßen einsetzen dürfe. Zwar gehört demnach die Strom­elbe zu diesem Bundeswasserstraßennetz, die Zollelbe aber nicht. Hier werde nur die Strecke bis zum Steg der Behörde freigehalten – so wie es im Gesetz auch festgelegt sei.

Nicht allein ein Freizeitvergnügen

Auch wenn Michael Günther mit seinem Team mit dem Yachthafen einen so bislang nicht entwickelten touristischen Aspekt in den Winterhafen gebracht hat – als Freizeitvergnügen möchte er die Unternehmung nicht betrachten: „In der Marina werden beispielsweise auch Boote von der Polizei und ein Forschungsschiff gewartet. Da sehe ich durchaus ein öffentliches Interesse.“

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Unbestritten jedenfalls ist, dass Magdeburg vom Wassertourismus noch nicht in dem Maße profitiert, wie dies ähnliche Städte tun. Daher wäre es auch im Interesse der Stadt, dass die Anlagen gepflegt werden. Eine Nachfrage beim auch für den Tourismus zuständigen Wirtschaftsdezernenten Rainer Nitsche ergab: Das Thema ist in der Verwaltung bekannt. Er sagt: „Wir haben recherchiert, dass es durchaus Fördermöglichkeiten gibt. Allerdings geht eine solche Förderung auch immer mit langfristigen Bindungen einher. Sprich: mit Verpflichtungen, die wiederum neue finanzielle Aufwendungen zur Folge haben können.“

Michael Günther jedenfalls sieht neben dem Ausbaggern von Schlamm, der sich hier beim Hochwasser absetzt, weitere Möglichkeiten. Eine wäre, die Rohre im Bereich des bis Ende des 19. Jahrhunderts betriebenen Schleusenkanals wieder nutzbar zu machen. Der Chef der Magdeburger Marina und des Yachthafens sieht allerdings auch die Probleme dahinter: „Da sich das Flussbett der Elbe in den vergangenen beiden Jahrhunderten tiefer in den Boden eingeschnitten hat, liegen die noch vorhandenen Rohre zu hoch.“

Fließendes Wasser könnte die Lage e

Eine weitere und womöglich noch kostspieligere Variante wäre es, die Taube Elbe so zu öffnen, dass ausreichend Elbwasser bei mittleren Wasserständen durch den Elbarm im Stadtpark fließt. Damit könnten die Magdeburger allerdings versuchen, nicht nur das Problem im Zollhafen zu lösen, sondern auch die des Stadtparks: Unter einer alle Jahre wiederkehrenden Verschlammung leidet nämlich auch der Adolf-Mittag-See. Die Zufuhr von frischem Wasser durch die Taube Elbe könnte auch hier eine Entspannung der Situation herbeiführen. Als problematisch könnte sich hier allerdings erweisen, dass der Stadtpark unter Schutz steht. Hier müsste also genau geprüft werden, wie die Taube Elbe wieder zum Fließen gebracht werden kann, ohne zu stark in die Natur und ins Landschaftsbild einzugreifen. Entsprechende Bestrebungen, die Taube Elbe mit frischem Elbwasser zu versorgen, hatte es bereits vor 15 Jahren gegeben.

Auch eine Variante: Das Gewässer einem Privaten überlassen, der sich um die Freihaltung kümmert. Dazu allerdings müssen etliche Fragen vom Umfang der Aufgaben bis hin zur Finanzierung genau geklärt werden. Denn dass die Leute von der Marina beispielsweise wie im Jahr 2017 den Unrat aus der Zollelbe räumen, der von der Zollbrücke in den Fluss geschmissen wurde, ist zwar ein lobenswertes Ehrenamt – kann aber kaum ein Modell auf Dauer sein.

Um Varianten zu erörtern und Antworten auf die offenen Fragen zu finden, dürfe die Verantwortung nicht einfach nur hin und her geschoben werden, so Michael Günther. Er sagt: „Ich für meinen Teil würde mich freuen, wenn ich konzeptionell an gemeinsamen Überlegungen mitwirken könnte.“

Zahl der Plätze im Yachthafen soll wachs

Dass er jedenfalls an das Potenzial des Wassertourismus für Magdeburg glaubt, zeigt eine Entscheidung für die Zukunft. Die Zahl der Liegeplätze im Hafenbecken soll erweitert werden. Zurzeit gibt es hier 60 Plätze.