Magdeburg l Mit den lebensbejahenden Klängen von Sängerin Des‘ree und ihrem Lied „Life“ ging die letzte „Fichte“-Partynacht am Sonntagmorgen zu Ende. Noch einmal fanden langjährige Weggefährten aus Magdeburgs Veranstaltungszene zusammen, um gemeinsam mit den Besuchern der „Fichte“ als Partylokalität einen würdigen Abschied zu bereiten. U. a. stand Henrik Saare alias DJ Henne abermals hinter den Reglern, die er schon bei den Space-Revival-Partys bediente. Mit der „Fichte“ teilt er viele Erinnerungen: „Beispielsweise an die Geburtstagsparty zum 20-jährigen Bestehen von FAM, Frauentagspartys und eine 1980er Party mit den Weather Girls“, so Saare. Beim Blick auf die Veranstaltungshäuser zeige sich, dass es Häuser, „die bis zu 1000 Besucher zulassen“ aus verschiedenen Gründen in der heutigen Zeit schwerer haben zu bestehen als noch in den 1990er Jahren. „Um so größer ist es dem ‚Fichte-Betreiber‘ anzurechnen, dass er so lange erfolgreich gearbeitet hat.“

Rückzug mit Ansage

Bereits im vergangenen Jahr hat „Fichte“-Miteigentümer Robert W. Janssen einen Rückzug des Kulturwerks als Veranstaltungsort angekündigt. Mit Fit/One wird sich im Sommer eine Fitness- und Wellnessmarke an der Fichtestraße ansiedeln. Sie ist bereits mit Studios in Städten wie München, Hamburg, Stuttgart und Düsseldorf vertreten. „Magdeburg wird unser erstes Studio sein, welches wir in den neuen Bundesländern eröffnen werden. Wir freuen uns darauf“, so Moritz Mühleck, Geschäftsführer von Fit/One.

Unter der Marke „Fit/One“, die zur Harlekin Spiel- und Unterhaltungsautomaten Betriebsgesellschaft mbH mit Sitz in Waldbrunn, werden aktuell zwölf Studios betrieben. Das 13. wird ab Sommer im Kulturwerk „so schnell wie möglich“ auf einer Fläche von etwa 4500 Quadratmetern eingerichtet. Dafür ist eine Millioneninvestition in die Industriehallen aus der Gründerzeit vorgesehen. Die Eröffnung wird noch in diesem Jahr angepeilt.

Innovatives Studio geplant

Zwischen 20 und 30 Beschäftigte werden an der Fichtestraße tätig sein, so Moritz Mühleck. Die Konkurrenz anderer Anbieter, die bereits in der Landeshauptstadt Fitness- und Wellnessangebote unterbreiten, fürchte man nicht. „Wir möchten die Magdeburger mit Qualität und dem Preis von uns überzeugen“, sagt er. Und: „Fit/One ist keine Kette, bei der überall alles gleich ist. Jedes Fitnesscenter ist auf den jeweiligen Standort abgestimmt. So wird es auch in Magdeburg sein, wo wir spezielle Highlights einbauen und ein zukunftsorientiertes, innovatives Studio anbieten werden.“ Details wollte er noch nicht preisgeben.

Fest steht, dass Fit/One als Mieter in das Kulturwerk „Fichte“ einziehen wird. Robert W. Janssen bleibt Miteigentümer des Objektes. Er hatte es als Industrieruine des ehemaligen Getränkemaschinenbaus im Jahr 2000 erworben und die Halle für circa 4,5 Millionen Euro zu einem angesagten Veranstaltungsort für Partys, Galas, Messen, Schulungen und Kongressen entwickelt. Dabei trat Janssen nicht selbst als Veranstalter auf: Das Konzept sah stets vor, dass die „Fichte“ als Mietobjekt genutzt werden kann.

Im Jahr 2015 erzielte er einen Umsatz von etwa 1,4 Millionen Euro und sah sich auf dem Höhepunkt angekommen. Unter dem Motto „man soll Schluss machen, wenn es am schönsten ist“ zieht sich Janssen als Betreiber zurück. Als Grund nennt der 57-Jährige auch sein Alter. Künftig wolle er als freier Manager seine Kontakte in der Szene nutzen und zwischen Veranstaltern und Lokalitäten in der Stadt vermitteln. Etwa 1000 Veranstaltungen stehen für die „Fichte“ in 15 Jahren zu Buche.

Auch wenn sie am Sonnabend das letzte Mal für eine Partynacht geöffnet hatte, so steht noch eine finale Veranstaltung aus. Die soll am 30. Juni stattfinden. Das Konzept ist noch offen.