Magdeburg l „Wer macht denn so was und verschmutzt bewusst die Umwelt?“, fragt Christel Schlee. Sie gehört zu einer Gruppe von Magdeburgern aus der Ortschaft Beyendorf-Sohlen, die regelmäßig einen Streifzug entlang des Flüsschen Sülze unternimmt, um sich beispielsweise über den Zustand des Ufers zu informieren. Ebenso regelmäßig stolpern die Bewohner dabei über Berge von Müll, die von Unbekannten klammheimlich abgeladen werden. „Das ist an sich schon eine Frechheit. Die Spitze aber ist, dass wir uns hier in einem Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet, Anmerkung der Redaktion) befinden, wovor die Umweltsünder aber nicht zurückschrecken, ihren Müll zu entsorgen“, so Schlee weiter.

In FFH-Gebieten sind besonders schützenswerte Pflanzen und Tiere heimisch. Die Gruppe von Bewohnern befindet sich im Austausch mit dem Umweltamt der Stadt Magdeburg und der umliegenden Kreise. Auch im benachbarten Dodendorf beispielsweise türmen sich etwa an der sogenannten Feldscheune nahe der Leipziger Straße illegal entsorgte Baustoffreste.

Illegaler Müll ist Ausnahme in Magdeburg

„Magdeburg ist insgesamt eine saubere Stadt, weshalb illegale Müllentsorgungen eher die Ausnahme sind“, schätzt Stadtsprecher Michael Reif ein. Von diesen Ausnahmen wurden der Stadt im Jahr 2018 genau 853 Fälle gemeldet, die Kosten in Höhe von über 28.000 Euro nach sich zogen. Tendenz fallend.

Zum Vergleich: 2015 waren es noch über 1100 Meldungen und über 39.000 Euro, die von der Stadt Magdeburg für die Entsorgung aufgebracht werden musste. 2018 wurden von der Stadt 23 Aufträgen zur Entsorgung gefährlicher Ablagerungen erteilt, für die externe Entsorger eingebunden werden mussten.

Beyendorf-Sohlen kein Schwerpunkt

Schwerpunkte von illegalen Entsorgungen in Magdeburg sind laut Reif nicht auszumachen: „Im Bereich Moritzplatz in Neue Neustadt und an der Sandbreite in Buckau ist jedoch eine konstant hohe Menge illegaler Ablagerungen festzustellen.“ Und: Beyendorf-Sohlen sei aus Sicht des Abfallwirtschaftbetriebes explizit kein Schwerpunkt.

Ablagerungen werden meistens „außerhalb von Wohngebieten, am Stadtrand oder im Umfeld von Industriebrachen“ festgestellt. Werden diese entdeckt, erhalte die Stadtverwaltung meist zeitnah davon Kenntnis. Reif: „Entweder entdecken die aufmerksamen Mitarbeiter unseres Stadtordnungsdienstes oder des Städtischen Abfallwirtschaftsbetriebes bei ihren Touren durch das Stadtgebiet Ablagerungen oder die Magdeburger nutzen eine der vielen Möglichkeiten, um mit der Verwaltung Kontakt aufzunehmen.“

Müll der Stadt Magdeburg melden

Dazu zählen zum Beispiel der sogenannte Magdeburg-Melder (MD-Melder) oder auch Briefe mit entsprechenden Fotos, die an die Stadtverwaltung gesandt werden.

Für die Beseitigung des Mülls ist dessen Verursacher verantwortlich. Ist dieser nicht bekannt, übernimmt zunächst die Landeshauptstadt die Entsorgung und versucht, den Verursacher zu ermitteln, um die entstandenen Kosten in Rechnung zu stellen“, klärt der Sprecher auf. So müssen Umweltsünder bei Kleinabfällen – je nach Einzelfall – mit einem Verwarngeld bis zu 55 Euro rechnen.

Straftat, wenn Gefahr für Umwelt besteht

Bei Bauschuttablagerungen oder ähnlichem in der Landschaft „werden in der Regel Bußgelder über 60 Euro erhoben. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz lässt Bußgelder bis zu 100.000 Euro zu“. Und: Geht von der illegalen Abfallablagerung eine Gefahr für die Umwelt aus, „ist das eine Straftat, weshalb die Landeshauptstadt zusätzlich eine Strafanzeige stellt“.

Den Verursacher festzustellen sei jedoch nicht einfach, denn meist fehle es an Zeugenhinweisen. „Auch der Abfall bietet oftmals keine verwertbaren Hinwiese auf den ursprünglichen Eigentümer. Selbst wenn es Hinweise gibt, muss man einen schlüssigen Nachweis führen, dass derjenige auch der illegale Entsorger ist“, klärt der Stadtsprecher auf.