Magdeburg l „Es ist alles so bitter. Wir haben doch nichts falsch gemacht“, sagt Michael Weidner. Seine Stimmung schwankt zwischen Wut, Trauer und Galgenhumor. „Wenn es kommt, dann richtig dick“, meint er, während er sich die Schäden in der „Blocschmiede“ betrachtet.

Am Sonnabendnachmittag entlädt sich ein kräftiges Unwetter über Magdeburg. Vor allem im Norden fallen große Wassermassen vom Himmel und sorgen für zahlreiche Feuerwehreinsätze. In der Kletterhalle, die auf den „Neustädter Höfen“ an der Lübecker Straße zu finden ist, wird zu diesem Zeitpunkt gerade an den Wänden entlang geklettert.

Zehn Wochen wegen Corona geschlossen

Erst vor zwei Wochen konnte die Einrichtung wieder ihre Türen öffnen. Zuvor musste sie als Freizeiteinrichtung geschlossen bleiben. Die Landesverordnung zur Eindämmung des Coronavirus schrieb es vor.

Zehn Wochen blieben die Wände leer, zehn Wochen kamen keine Einnahmen in die Kasse. „Wir haben Kapuzenpullover bedruckt und verkauft und Gutscheine angeboten, damit etwas Geld reinkommt“, erzählt Michael Weidner. Zwei Besucherinnen hatten zudem eine Sammelaktion gestartet, bei der über 6000 Euro für den Erhalt der Kletterhalle zusammengekommen waren.

Mit den jüngsten Lockerungen der Landesregierung konnten dann auch die Kletterfreunde wieder auf ihre Kosten kommen. „Wir haben unter anderem extra eine Schleuse eingerichtet, damit sich die Besucher nicht begegnen“, erzählt der Chef.

Wasser drückt in Kletterhalle

Während die Besucher klettern, kommt plötzlich das Wasser herein. Allerdings nicht von oben, sondern von unten. Weidner vermutet die Ursache in der Abwassersituation. Vor zwei Jahren, kurz nach der Eröffnung der Einrichtung, gab es bereits einmal einen Wasserschaden nach einem Starkregen. Damals drückte das Wasser von unten durch die Toiletten und setzte Teile der Anlage unter Wasser.

Damals habe der Schaden um die 8000 Euro betragen. Im aktuellen Fall geht er von einer Schadenssumme von bis zu 60 000 Euro aus. Ein Gutachten zu bekommen sei derzeit aber schwierig, sagt er. Die sogenannten Kraftverteiler – schwarze PVC-Matten, die bei Stürzen von der Kletterwand vor Verletzungen schützen sollen – sind durch das Wasser unbrauchbar geworden. Holzplatten, die schräge Flächen halten, sind ebenfalls durchfeuchtet. Die 27 Zentimeter dicken Schaumstoffmatten, ebenfalls ein Fallschutz, sind so nass, „dass man sie auswringen kann, bis das Wasser den Arm runterläuft“, verdeutlicht der Kletterfan.

Um sie trocken zu bekommen, werden auf die Schnelle mehrere Heiztrockner organisiert, unter anderem aus einem Sudenburger Weingeschäft, wie Daniel Grünig berichtet. „Das hat uns schon sehr geholfen“, sagt der Team-Mitarbeiter.

Flammen aus dem Boden

Doch am Sonntag schlägt das Schicksal ein weiteres Mal zu. „Plötzlich rief jemand: ‚Da brennt es!‘“, erzählt Michael Weidner. Hinter der benachbarten Halle schießen Flammen aus dem Boden. Die Helfer, die eben noch mit Trocknen beschäftigt waren, versuchen nun, das Feuer zu löschen. Die Feuerwehr kommt und erstickt den mutmaßlichen Kabelbrand.

Das Ergebnis: In der Kletterhalle ist der Strom weg. Ohne den läuft kein Trockner. Und ohne sie bleibt alles feucht. „Wir wollen eigentlich am Mittwoch wieder öffnen“, sagt Michael Weidner. Schließlich bedeute jeder weitere Schließtag wieder fehlende Einnahmen. Ob das klappt, ist ungewiss.