Magdeburg l Zünftig mit Lederhose und Maßkrug bayrische Gemütlichkeit im Magdeburger Festzelt ausgelassen feiern – daraus wird es 2020 in Magdeburg nichts. Die Veranstalter der „Mückenwiesn" und der „Lümmelgaudi" lassen in diesem Jahr die Lederhose im Schrank.

Auf der Internetseite der „Mückenwiesn 2020" läuft der Countdown noch runter. 88 Tage dauere es noch, steht da geschrieben, bis die importierte bayrische Geselligkeit auch hier an der Elbe wieder für ein paar Abende auflebe. Aber: Uli Bittner und Tino Bredau, Mückenwirte und „Mückenwiesn"-Veranstalter in Personalunion, haben die Reißleine gezogen. „Wir hatten bis zuletzt gehofft, dass wir das 16. Oktoberfest feiern können. Schweren Herzens mussten wir aber angesichts der unsicheren Corona-Lage die bittere Entscheidung für eine Absage treffen. Alles andere wäre zu risikoreich für uns Veranstalter und die Gäste."

 

Hunderte Vorbestellungen

Viele Oktoberfestfans hatten sich auf die „Wiesn" am Kleinen Stadtmarsch schon gefreut. Es habe Hunderte Vorbestellungen gegeben. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber noch möglich gewesen, mit Vertragspartnern Lösungen zu finden, erklärte Bittner weiter. Nicht zuletzt stünde jetzt der Kartenverkauf an.

Mit den meisten Künstlern habe man Vereinbarungen treffen können für die Saison 2021. Allein in diesem Herbst sollten Partysänger wie Mickie Krause, Oli. P., Voxxclub oder Markus auftreten. Zudem seien an den acht Abenden jeweils rund 200 Mitarbeiter vom Kellner bis zum Sicherheitsdienst im Einsatz, um die insgesamt 20 000 „Mückenwiesn"-Gäste zu versorgen. Ein sechsstelliger Betrag sei dafür aufzubringen. Auf welchen Kosten man sitzenbleibe, sei noch nicht ganz klar. Auf den „Mückenwirt" habe die Absage keine Auswirkungen. Die „Wiesn" sei eine eigenständige Firma, so Bittner. 

Lümmelgaudi fällt aus

Ähnlich sieht es bei der Lemsdorfer „Lümmelgaudi" als zweitgrößtem Oktoberfest aus. Auch hier wird das ganze Jahr über geplant, verpflichtet und an Überraschungen gefeilt. Mit einer so bösen Überraschung wie Corona habe man aber nicht gerechnet. „Dieses Jahr hätten wir mit der zehnten ‚Lümmelgaudi‘ ja sogar ein Jubiläum gefeiert", ärgert sich Veranstalter Jens Hitzeroth. Mit dem Heimatverein Lemsdorf organisiert er die Zeltparty auf einem Firmenparkplatz an der Brenneckestraße und war für dieses Jahr schon ausverkauft. „Gott sei Dank handelte es sich nur um Vorbestellungen, so dass kein Geld zurückzuzahlen ist."

Kleinere Angebote

Hitzeroth versucht, den Verlust aus der Absage von zwei Abenden mit je 2000 Besuchern und einem Kinder-Oktoberfest am dritten Tag zu begrenzen. Wie bei der „Mückenwiesn" sei es gelungen, vieles auf 2021 zu verschieben. Rund 100.000 Euro kosten allein die drei Veranstaltungstage, die sich aus den Tickets, dem Catering und Sponsorengeldern refinanzieren. Auch bei ihm habe die unsichere Corona-Lage den letzten Ausschlag für die Absage gegeben. Gäste, Veranstalter und Partner hätten aber jetzt Klarheit.

Als Agentur setze er nun verstärkt auf kleinere Angebote wie die Lemsdorfer Hoftage im August. Mit Zahlungen aus dem Corona-Fonds habe er Verluste teilweise ausgleichen können, so Hitzeroth.

Auf bayrische Gemütlichkeit in großen Festzelten muss in Magdeburg also erstmals seit 15 Jahren verzichtet werden. Corona zog Veranstaltern und Gästen buchstäblich die Lederhosen aus.