Magdeburg l Für die Veranstaltungsbranche muss zur Abfederung der Corona-Krise ein eigenes Notprogramm aufgelegt werden. Das fordert Steffen Schüller, Geschäftsführer der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg (MVGM), angesichts zahlreicher Absagen von Events auf unbestimmte Zeit durch die Gesundheitsbehörden in Deutschland.

"Der durch die Bundesregierung angekündigte Schutzschirm für vom Corona-Virus betroffene Unternehmen sowie die Ankündigungen für Kredithilfen seitens des Landes Sachsen-Anhalt verfehlen in unserer Branche ihr Ziel", so Schüller in einer am 12. März 2020 verbreiteten Erklärung. Stattdessen benötigten die Unternehmen, ähnlich wie bei den Hochwasserhilfen, „kurzfristige und unkompliziert ausgezahlte Liquiditätshilfen", fordert er. Ein Konjunkturprogramm helfe hier „überhaupt nicht".

"Erhebliche Planungsunsicherheit"

Betroffen seien neben den Betreibern von Veranstaltungsstätten insbesondere Konzert- und Veranstaltungsagenturen, Gastronomen, Hotelerie, Veranstaltungstechnikfirmen, Security- und Reinigungsunternehmen. „Es handelt sich überwiegend um kleinere bis mittlere Unternehmen, die aufgrund der Untersagung von Veranstaltungen vor massiven Umsatzeinbußen stehen. Es sind keine Banken oder Automobilkonzerne mit erheblichen Gewinnmargen und großen finanziellen Polstern", so Schüller. In Magdeburg hatten bereits erste Caterer-Unternehmen erklärt, in Kurzarbeit zu gehen. Auch Hotels meldeten Rückgänge in den Buchungen um bis zu 30 Prozent.

„Aktuell ist für Events in Hallen und Veranstaltungshäusern eigentlich Hochsaison. Die in dieser Zeit erwirtschafteten Erlöse dienen auch dazu, die Gesamtkosten eines Jahres zu decken, da in den Sommermonaten weniger Veranstaltungen stattfinden." Die zeitlich noch unbekannten Einschränkungen durch das Virus führten zu erheblicher Planungsunsicherheit. „Dies wird noch lange nachwirken", ist sich der Magdeburger MVGM-Chef sicher. Magdeburgs Amtsarzt Eike Hennig  hatte am Mittwoch, 11. März 2020, empfohlen, zunächst bis Karfreitag, 10. April 2020, davon auszugehen, dass großveranstaltungen untersagt bleiben. Wie es danach weitergehe, hingevom Verlauf der Corona-Virus-Verbreitung bzw. den Erkrankungszahlen von "Covid-19" ab, so Hennig.

Auch wenn die Personalkosten durch die Kurzarbeiterregelung teilweise kompensiert werden könnten, so fehlten den Unternehmen die Erlöse, um dauerhafte Verträge und Investitionsfinanzierungen weiterhin bedienen zu können, meint Schüller. Die in Aussicht gestellten Notfallkredite seien aus seiner Sicht keine adäquate Unterstützung. An Unternehmen aus veranstaltungsnahen Geschäftsfeldern wie Gastronomie, Hotelerie oder Veranstaltungsagenturen würden Banken ohnehin kaum Kredite vergeben, „schon gar nicht für die laufende Liquiditätsabsicherung", so  Schüller. Denn: „Aus welchen Erlösen sollen die Kredite perspektivisch auch zurückbezahlt werden?"