Magdeburg l Ja, er habe den Verdacht, dass es im Elbbahnhof Magdeburg einen „Spielgerätetourismus“ gibt. Mit dieser unverblümten Aussage überraschte Magdeburgs Baubeigeordneter Dieter Scheidemann auf der jüngsten Stadtratssitzung.

Seine Mitarbeiter im Bauordnungsamt glauben demnach, dass einige Investoren im Elbbahnhof die laut Landesgesetz erforderlichen Spielgeräte für die Bauabnahme ihrer Mehrfamilienhäuser zwar aufgestellt haben. Waren die Kontrolleure weg, sollen sie abgeschraubt und für die nächste Abnahme an anderer Stelle wieder aufgebaut worden sein.

Spielflächen für Kleinkinder fehlen

Die Volksstimme hakte bei der Stadtverwaltung Magdeburg nach, was es mit diesem Vorwurf auf sich hat. Demnach hat es laut Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra eine Begehung im Bereich des Elbbahnhofs gegeben. Dabei sei festgestellt worden, „dass in der ganz großen Mehrzahl der überprüften Grundstücke die mit der Baugenehmigung beauflagten Spielflächen für Kleinkinder nicht vorhanden waren.“

Dabei seien bei der Nutzungsaufnahme noch Spielgeräte vorhanden gewesen, die aber später abgebaut worden sein sollen. Der Verdacht dränge sich daher auf, dass diese auf einem anderen Baugrundstück aufgestellt worden sein könnten, um den bauordnungsrechtlichen Anforderungen zu entsprechen. „Insofern besteht der Verdacht, dass in Einzelfällen ein sogenannter Spielgerätetourismus vorliegt“, erklärt sie.

Magdeburg kündigt Kontrollen an

Die Betroffenen werden nun kurzfristig aufgefordert, die Spielplätze zu bauen. Tun sie das nicht, wird das Bauordnungsamt „im Wege der Verwaltungsvollstreckung weitergehende Maßnahmen ergreifen“, so Kerstin Kinszorra. Außerdem werde es auch in anderen Stadtteilen Kontrollen geben.

Auslöser war eine Anfrage von Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl, der im dicht besiedelten Baugebiet an der Elbe Spielflächen vermisste. Zu seiner Frage nach einem öffentlichen Spielplatz erklärte Dieter Scheidemann, dass die Möglichkeit einer Fläche für Kleinkinder am Hammersteinweg untersucht werde.

Bauherren kennen Problem nicht

Zwei Bauherren aus dem Elbbahnhof erreichte die Volksstimme am Telefon, beide konnten mit den Vorwürfen nichts anfangen.