Magdeburg l Autos drängen sich zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und späten Nachmittag dicht an dicht, um die Kreuzung Salbker Chaussee/Ottersleber Chaussee zu passieren. Die Ampelanlage ist auf die Fahrzeuge abgestimmt – ein Übergang für Fußgänger und Radfahrer ist an dieser Stelle nicht möglich.

Vielmehr werden Fahrradfahrer über eine Verlängerung der Leipziger Chaussee geführt, wo sie dann in einem Bereich mit einer Geschwindigkeits- reduzierung von Tempo 70 auf 50 die Bundesstraße (B) 71 überqueren, um den Fußgänger- und Radweg auf der Westseite der Straße zu erreichen.

Mit der Frage, wie dieser Zustand geändert werden kann, hat sich nun die Verwaltung auseinandergesetzt. Fazit: Die Ampel an der Großkreuzung könnte zwar technisch nachgerüstet werden, um auch Fußgänger und Radfahrer mit der Überquerung der Straße zu berücksichtigen. Doch haben hier schlicht die Fahrzeuge Vorrang. Oder wie der Beigeordnete Dieter Scheidemann es formuliert: „Mit der Nachrüstung einer zusätzlichen Furt wird aber die Leistungsfähigkeit dieses Knotenpunktes weiter herabgesetzt.“

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Die bereits zu Spitzenzeiten überlastete Ampel könne den Verkehr nicht mehr abbauen, was zu weiteren Beeinträchtigungen des motorisierten Verkehrs führen würde. Auf der anderen Seite: Sollte die Ampel nachgerüstet werden und Radfahrern ein Überqueren der Straße an dieser Stelle ermöglichen, müssten sie sich die vielbefahrene Chaussee für einen Abschnitt von etwa 400 Metern mit den Fahrzeugen teilen, ehe der gut ausgebaute Geh- und Radweg beginnt.

Konzept ohne Umsetzung

Die Weiterführung des Radweges bis zur Ampel an der Kreuzung Salbker Chaussee/Ottersleber Chaussee findet sich im Radverkehrskonzept der Landeshauptstadt wieder, das 2004 aufgestellt wurde. Jedoch ist aufgrund der vorhandenen Verkehrsführung entlang des Flugplatzes zur Bundesstraße sowie in Hinblick auf den mit dem Bau verbundenen finanziellen Aufwand „dieser Radweg bisher nicht in die Prioritätenliste ‚Rad- und Gehwege‘ aufgenommen“ worden, so der Beigeordnete. Offen ist, wann und ob dies geschieht.

Die Unfallstatistik der Polizeidirektion Nord für diesen Bereich weist rückblickend bis zum 1. Januar 2014 keinen Unfall aus.

Fahrradstadt-Petition

Man bedauere, dass sich die Stadt gegen eine sichere Lösung für Radfahrende entschieden hat, so der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Magdeburg auf Nachfrage. „Das zeigt wieder einmal, dass man bei Planungen in Magdeburg noch weit von den eigenen Zielsetzungen entfernt ist.

Nachhaltigere Mobilitätsformen und die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer stehen noch immer hinter dem ‚möglichst schnell mit dem Auto fahren‘ zurück“, so Vorsitzender Norman Dreimann. Der ADFC setze sich mit der Petition „Fahrradstadt Magdeburg. Jetzt!“ für eine Stadtplanung ein, „bei der Sicherheit, Lebensqualität und nachhaltige Mobilität eine höhere​ Priorität bekommen und somit auch die aktuellen Ziele in der Verkehrspolitik umgesetzt werden“.