Magdeburg l Die Lage in dem Wohnhaus an der Helmstedter Straße ist unverändert. Die sechs betroffenen Mieter sitzen auch nach über einer Woche weiter ohne Strom, Wasser und Heizung da. Die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) hatten die Anschlüsse gesperrt, weil der Hauseigentümer seit mehreren Monaten Außenstände hat, die sich mittlerweile auf mehrere Tausend Euro angehäuft haben und er diese trotz mehrfacher Aufforderung nicht begleichen kann. Wasser zum Waschen, Abwaschen oder Toilette spülen holen sie weiterhin von einer öffentlichen Handpumpe an der Straße, ansonsten sind sie auf die Hilfe von Freunden angewiesen.

Zu allem Ungemach droht den betroffenen Mietern, die nach eigenen Angaben die Miete samt Nebenkosten und Stromabschlägen stets an den Hauseigentümer überwiesen haben oder dies vom Jobcenter kam, nun auch noch der Rauswurf. Denn nach dem Wohnraumaufsichtsgesetz gehören Anschlüsse für Energie- und Wasserversorgung zu den Mindestanforderungen an Wohnraum. Diese Anforderungen werden hier derzeit nicht erfüllt. Darum wurde jetzt das Bauordnungsamt aktiv.

Vermieter und Mieter werden angehört

Aktuell läuft eine Anhörung von Vermieter und Mietern. Und hier wurde den Mietern bereits eröffnet, dass angesichts der Lage die Wohnungen für unbewohnbar erklärt werden könnten. Sofern dies passieren würde, seien die Mieter verpflichtet, die Wohnungen bis zu einem „festgesetzten angemessenen Zeitraum zu räumen, wenn Ersatzwohnraum zur Verfügung steht“, heißt es in dem Anhörungsschreiben. Denn angesichts der bevorstehenden Witterungslage drohen den Mietern ohne Wasser, Strom und Heizung gegebenenfalls gesundheitliche Schäden.

Laut Anhörungsschreiben hat die untere Bauaufsichtsbehörde den Grundstückseigentümer bereits aufgefordert, eine Lösung für die Mieter zu finden. Allerdings: Der hatte schon erklärt, dass er wirtschaftlich nicht in der Lage sei, die Außenstände zu begleichen. Für die Redaktion war er nicht zu erreichen.

Mieter wollen gemeisam zum Amt gehen

Die Mieter wissen nun nicht, wie es für sie weitergehen soll. „Uns wurde vom Bauordnungsamt auch geschrieben, dass der Vermieter dafür zu sorgen hat, dass wir anderweitig zu zumutbaren Bedingungen untergebracht werden und er auch für die Umzugskosten aufzukommen hat. Doch wenn er schon die Außenstände nicht bezahlen kann, wie soll er das dann machen?“, fragen sie sich. Dass sie selbst die Außenstände des Vermieters bei den Stadtwerken begleichen, steht für sie nicht zur Debatte. Das könnten sie selbst finanziell nicht. Sie wissen nun nicht, wie es weitergehen wird. Gemeinsam wollen sie im Rahmen des Anhörungsverfahrens beim Bauordnungsamt vorsprechen. Wie das Anhörungsverfahren ausgehen wird, ist offen.

„Das Anhörungsverfahren auf Basis des Wohnraumaufsichtsgesetzes ist noch nicht beendet. Bis Mitte kommender Woche haben der Vermieter und die Mieter zunächst die Möglichkeit, sich zu äußern. Wir gehen aber weiterhin fest davon aus, dass der Vermieter als Verursacher der Situation alle Möglichkeiten ausschöpft, um zeitnah die Versorgung der Mieter mit Strom und Wasser wieder zu ermöglichen“, erklärte Stadtsprecher Michael Reif auf Nachfrage. „Die Stadtverwaltung hat kein Interesse daran, dass die Mieter unverschuldet aus ihren Wohnungen müssen. Die Verwaltung wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles dafür tun, einen Zwangsauszug zu vermeiden.“