Magdeburg l 409 Seiten stark ist der Band und voll mit historischen Fakten zur Geschichte der Magdeburger Volkshochschule.

Am 24. April 1919 beschloss der Magdeburger Stadtrat, eine Volkshochschule zu gründen, vier Tage später, am 28. April, wurde sie mit einem Festakt in der Aula der damaligen Luisenschule offiziell eröffnet. Damit gehört Magdeburg mit zu den Städten, die als erste diesen neuen Weg der Erwachsenenbildung eingeschlagen haben. Es sei eine Zeit des Um-, aber auch des Aufbruchs gewesen, so Kulturbeigeordneter Matthias Puhle, der zur Präsentation des neuen Magdeburger-Schriften-Bandes in die Volkshochschule in der Leibnizstraße gekommen war.

Volkshochschule bietet Orientierung

Die Menschen brauchten nach dem verheerenden Krieg Neuorientierungen, besonders in der Arbeiterschaft und der Mittelschicht gab es einen großen Bedarf an Bildung. Erwachsenenbildung gab es schon vorher, jetzt aber wurden gezielt kommunale Schulen dafür gegründet, für Puhle auch ein starkes Element der Demokratisierung in der noch jungen Weimarer Republik.

Das Buch will mehr sein als nur eine Auflistung von historischen Daten, sagte Volkshochschul-Bereichsleiterin Heike Heinrich. Man habe sich bemüht, vor allem auch die Zusammenhänge zwischen der Magdeburger Volkshochschule, dem Leben in der Stadt und den jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen darzustellen. Dabei haben sich die Autorinnen und Autoren beispielsweise kritisch mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt, als alle Volkshochschulen im Sinne der Nationalsozialisten „gleichgeschaltet“ wurden.

Schulabschluss nachholen

Auch die DDR hatte ihre speziellen Anforderungen an das Bildungsangebot der Volkshochschulen, einer der Schwerpunkte war damals die Möglichkeit, Schulabschlüsse nachzuholen, berichtete Schulleiter Ralf Liebe. Und die Wende 1989 bedeutete ebenfalls eine Zäsur für die Volkshochschule. „Allerdings gibt es Kursangebote, die von Anfang an mit im Programm waren“, so Ralf Liebe. Dazu gehören etwa Kurse für Astronomie und Buchführung, die schon auf der ersten Programmübersicht im April 1919 zu finden waren.

Die Frage, ob auch gegenwärtig Politik Einfluss auf den Lehrplan der Volkshochschule nehme, verneinte Schulleiter Liebe. Es gebe einen Beirat, in dem auch Stadträte sitzen würden. Dort werde der Lehrplan diskutiert. Auch unterliegen die Volkshochschulen dem Erwachsenenbildungsgesetz von Sachsen-Anhalt. Darin gebe es einige Vorgaben, was im Lehrplan umgesetzt werden müsse, so Liebe. Als Korsett oder politische Einflussnahme werde das aber nicht gewertet.

Internet ist keine Konkurrenz

Vor der Zukunft brauchten sich die Volkshochschulen nach Ansicht von Heike Heinrich nicht zu fürchten. Zwar seien im Internet sehr viele Bildungsangebote abrufbar, allerdings oft sehr lückenhaft.

„Die Leute schauen sich auf Youtube an, wie beispielsweise etwas Einfaches genäht werden kann. Wenn sie dann aber mehr und besser lernen wollen, kommen sie zu uns.“

Bildung und Begegnung seit 100 Jahren

Für Cornelia Poenicke, Leiterin der Stadtbibliothek, haben die Volkshochschulen gerade in einer Zeit, in der per Internet Unmengen von Informationen zur Verfügung stehen, die wichtige Aufgabe, den Menschen Orientierungsmöglichkeiten anzubieten. Lebensbildung und Wissensvermittlung, soziale Interaktion und Begegnung gehörten seit 100 Jahren zu den Stärken der Volkshochschule, das werde auch in Zukunft so bleiben und von den Menschen abgefragt werden, ist sich Ralf Liebe sicher.

Kulturbeigeordneter Puhle fügte noch hinzu, dass gerade in den vergangenen drei Jahren die Volkshochschule durch ihre Sprach- und Bildungsangebote für Flüchtlinge einen wichtigen Beitrag zu deren Integration geleistet habe.

Mehrere Veranstaltungen geplant

Das Jubiläum der Volkshochschule soll 2019 noch mit einer Reihe von Veranstaltungen begangen werden. So sei für den Sonntag ein Festakt im Alten Rathaus geplant, der um 11  Uhr beginnen soll. Am 9. Mai soll der neue Magdeburger-Schriften-Band ab 19  Uhr in der Stadtbibliothek mit einer Podiumsdiskussion der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Am 31. August präsentiert sich die Volkshochschule mit einem „Tag der offenen Tür“, ebenfalls im August sollen zwei Stadtrundgänge angeboten werden, auf denen Stätten besucht werden, die einmal für die Volkshochschule von Bedeutung waren – eine Art Spurensuche zur Geschichte der Erwachsenenbildung in Magdeburg.