Magdeburg l Ein paar Erklärungen vom Team des Kunstmuseums im Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg vorweg und dann sitze ich auch schon fest im Sattel und radele vom Kunstmuseum in Richtung Allee-Center. Zwei Boxen sind unter dem Lenkrad und auf dem Gepäckträger montiert. Sie werden mich in den nächsten 40  Minuten bei meiner Radtour durch die Magdeburg mit Musik und Geräuschen beschallen.

Bei den Fahrrädern, die man sich derzeit im Kunstmuseum Magdeburg ausleihen kann, handelt es sich um eine Idee der britischen Künstlerin Kaffe Matthews, die dem Nutzer die Gelegenheit gibt, die Musik, Bewegung und die Stadt miteinander verknüpft zu erleben. Bei den Kompositionen aus Orgelklängen und Geräuschen hat sie sich von der Stadt inspirieren lassen.

Musikbox am Gepäckträger

Auf dem Gepäckträger ist die kleine Box montiert, in der die Technik steckt. Mit einem Kippschalter setze ich sie in Gang, gleich daneben befindet sich der Lautstärkeregler.

Während ich vom Kloster in Richtung Prämonstratenserberg fahre, werde ich von einem langgezogenen, brummenden Orgelton begleitet. Auf der Wiese am Prämonstratenserberg wecke ich mit den Orgelklängen die Aufmerksamkeit der dort sitzenden jungen Männer. „Alles gut?“, ruft mir einer hinterher.

Magdeburger Sound mit Orgelmusik

Ja, mit dem Fahrrad falle ich schon ein bisschen auf. Vorbei am Allee-Center mischt sich in die Musik die Geräuschkulisse eines Cafés – Stimmen sind zu hören, das Klappern von Geschirr, offenbar herrscht geschäftiges Treiben. Ganz so lebhaft wie es klingt, ist es vor dem Café an der Rückseite des Allee-Centers aber nicht.

Auf dem Alten Markt bin ich unsicher, wo ich langfahren muss. GPS-gesteuerte Anweisungen aus dem Lautsprecher wie zuvor erhalte ich nicht und suche mir meinen eigenen Weg – zum Breiten Weg und zur Julius-Bremer-Straße, bis hin zur Jacobstraße.

Geräusch passt nicht zur Kulisse

An der vierspurigen Straße denke ich, nein, das Vogelgezwitscher, das aus den Boxen kommt, will nicht so recht zur Kulisse passen. Also kurzer Zwischenstopp und ein Blick auf die Karte, die mir mitgegeben wurde.

An der Ecke zur Weitlingbibliothek passt die Geräuschkulisse zwitschernder Vögel dann wieder. Jetzt rechts auf die Weitlingstraße und dann befinde ich mich wieder auf der Route. Die langgezogenen Orgeldreiklänge begleiten mich weiter. Mal klingen sie harmonisch, mal scheinen sie disharmonisch. Aber sie haben stets die gleiche Wirkung: Sie versetzen mich wie in eine musikalische Seifenblase, lassen die Geräusche der Stadt in den Hintergrund treten, aber nicht ganz verschwinden und mich so meine Heimatstadt wie durch einen Schleier erleben.

Musik verklingt an roter Ampel

Über die Rückseite des Nordabschnittes des Breiten Weges geht es nun wieder nach Süden. Leider muss ich an der Kreuzung von Breitem Weg und Ernst-Reuter-Allee solange auf die Grünphase warten, dass die Musik bereits fast verklungen ist, als ich wieder aufs Rad steige.

Am Hundertwasserhaus setzt die Musik wieder ein. Hört sich an wie ein Schiffshorn. Unter Glockenklang und den Gesang eines Mädchenchores mischt sich das Geräusch wie von einer Schrankenanlage, die gerade geschlossen wird. Wasserrauschen, Vogelzwitschern, dann wieder Orgelklänge, die ein bisschen an Wind erinnern, der mir auf der Sternbrücke nun kräftig ins Gesicht bläst. Über den Heinrich-Heine-Platz und die Promenade am Schleinufer geht es dann wieder zurück zum Kloster.

Schöne Tour durch Magdeburg

Mein Fazit: Die Tour hat mir Spaß gemacht. Es war eine interessante Erfahrung, von der Musik begleitet durch Magdeburg zu fahren, die mich von allem Äußeren irgendwie abgeschottet hat, wie mit einem unsichtbaren Schleier.

Die Stadt wiederum hat mich schon wahrgenommen. Immer wieder schauten sich Passanten – vor allem Kinder und Jugendliche – neugierig nach dem Fahrrad um. Die Musik und die Geräusche haben bei mir viele Assoziationen geweckt. Und manches habe ich anders wahrgenommen.

Musik klingt lange nach

Die Musik klingt in meinem inneren Ohr noch eine Weile nach, als ich auf dem Weg zurück in die Redaktion bin, so dass die Wolke mich noch eine Weile umgibt, ehe sie sich nach und nach auflöst und ich wieder ganz im Jetzt und Hier bin.

Eine kurze Bilanz im Überblick

  • Erlebnis 
    Mit der Beschallung durch die Stadt zu fahren, ist eine interessante Erfahrung. Man kommt an wichtigen Sehenswürdigkeiten wie dem Dom, dem Hundertwasserhaus, der Elbe, Hubbrücke und Sternbrücke vorbei. Aber auch den normalen Stadtbetrieb mit der Begleitung der Musik zu erleben, ist spannend.
  • Technik
    Das Fahrrad und die Boxen sind leicht zu bedienen. Einfach anknipsen und losfahren. Selbst im Fahren kann man mit ein bisschen Geschick die Lautstärke regeln.
  • Orientierung
    Gut ist, dass man für die Tour eine Karte bekommt. Da die GPS-Navigation nicht immer ganz einwandfrei arbeitet, sollte dort die genaue Strecke eingezeichnet werden.
  • Streckenführung
    An vielen Stellen muss man links abbiegen, ohne dass eine Ampel vorhanden ist. Zu den Hauptverkehrszeiten könnte das zum Problem werden.
  • Kosten
    Die Fahrräder auszuleihen, ist im Eintrittsgeld für den Museumsbesuch enthalten. Es muss jedoch ein Pfand, wie zum Beispiel der Personalausweis hinterlegt werden.
  • Zeit
    Die Tour ist in einem überschaubaren Zeitraum zu schaffen. Mit Ausleihe, Erklärung und Abgabe sollte man etwa eine Stunde einplanen. Die Fahrtzeit beträgt etwa 40  Minuten.
  • Öffnungs- bzw. Nutzungszeiten
    Das Kunstmuseum ist dienstags bis sonnabends von 12  bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18  Uhr geöffnet.