Magdeburg l In Form einer Raute liegen sie nun schon seit vier Wochen fest verankert außerhalb der Fahrrinne in der Elbe auf Höhe des Wissenschaftshafens. Momentan dreht sich kein Schaufelrad der vier Mini-Kraftwerke. Doch der Schein trügt. Das in dieser Form weltweit einzigartige Prototypen-Forschungsprojekt hat begonnen. „Erste Tests vor Ort hat es bereits gegeben“, sagt Dr. Thomas Schallschmidt vom Institut für Elektrische Energiesysteme der Uni Magdeburg.

Im Netzwerk „Fluss-Strom“ untersuchen Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität schon seit Jahren neuartige Kraftwerke, die die Fließkraft von Flüssen in Strom umwandeln. Aus diesem Netzwerk heraus entstand der durch das Bundesforschungsministerium finanzierte Wachstumskern „Fluss-Strom Plus“ – und ebendiese vier Prototypen von Mikro-Wasserkraftwerken.

Drei Einheiten gehen in Dauerbetrieb

In ersten Tests wurde nun unter anderem geprüft, wie das Anlaufverhalten bei einer der Anlagen ist, ob die Lager halten und einiges mehr. „Die ersten Versuche waren vielversprechend“, sagt Thomas Schallschmidt. Ein paar Parameter müssten noch angepasst werden, doch die nächsten Testreihen stehen bereits bevor: Die vorderen drei Mini-Kraftwerke der „Elb-Flottille“ sollen in zwei Wochen in den Dauerbetrieb gehen.

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Sie sollen dann kontinuierlich Strom für die Bordelektronik, Beleuchtung und einiges mehr erzeugen. Und natürlich Daten für die Forscher liefern. Die vierte, hintere Anlage dient den Forschern als Experimentier-Einheit, wenn sie direkt vor Ort arbeiten. An ihr sollen dann beispielsweise Schwingungstests durchgeführt werden – damit nichts klappert im rauschenden Bach.

In dem als Dauertest angelegten Versuch soll untersucht werden, wie effektiv und langlebig die Prototypen und ihre einzelnen Komponenten sind. Bei den Anlagen werden zudem verschiedene neue Ansätze kombiniert. Beispielsweise bei der Generatorkonstruktion, der Lagertechnik sowie den Wasserrädern. Damit soll die Effizienz der Prototypen verglichen werden können.

Historische Schiffsmühlen als Vorbild

Nach dem Vorbild historischer Schiffsmühlen sind die Anlagen entwickelt worden. Als ökologische Stromerzeuger sollen sie zur Marktreife gebracht werden. National wie international sehen die Projektteilnehmer ein gesteigertes Marktpotenzial von Wasserkraftanlagen für Anwendungen im Bereich der Stromerzeugung mittels mobiler Kleinwasserkraftanlagen als dezentrale Energieversorgung. Interessenten könnten beispielsweise Stadtwerke oder Kraftwerkbetreiber sein.

Für die weiteren anstehenden Tests soll als Nächstes eine bereits bestehende Richtfunkstrecke zum Fraunhofer-Institut für das Projekt genutzt werden. Dann können die einzelnen Anlagen direkt Daten liefern und die Forscher verschiedene Einstellungen ausprobieren, ohne selbst immer auf die Elbe herausfahren zu müssen, sagt Thomas Schallschmidt.

Etwa ein Jahr lang werden die Prototypen an ihrem Standort in der Elbe im Testbetrieb sein. In dieser Zeit werden auch verschiedene Anordnungen der Mini-Wasserkraftwerke ausprobiert.

In dem Netzwerk sind acht Forschungseinrichtungen, darunter die Uni Magdeburg, die Fachhochschule Magdeburg-Stendal, das Fraunhofer-Institut Magdeburg sowie 19 Unternehmen aus der Region und Mitteldeutschland tätig.