Magdeburg l Zwischen Freude und Empörung bewegen sich aktuell die Reaktionen von Magdeburgern auf das Treiben rund um die Lichterwelt-Installation auf dem Domplatz. Gastronomen bieten im Außer-Haus-Verkauf Ersatz für entgangenen Budenzauber und finden reichlich Kundschaft.

Ein widersprüchlich erscheinendes Bild bietet sich dieser Tage – vor allem am Wochenende – rund um den Magdeburger Domplatz. Während der Weihnachtsmarkt in der Landeshauptstadt coronabedingt ausfällt, floriert ersatzweise das Außer-Haus-Geschäft der ortsansässigen Gastronomen. Glühwein und Punsch, Grünkohl und Waffeln – ihr weihnachtsmarkttypisches Angebot findet reichlich Absatz. Am vergangenen Totensonntag bildeten sich lange Schlangen sowohl am Fensterbetrieb des Cafés im Kloster Unser Lieben Frauen, als auch an Ausschankstellen im Hundertwasserhaus und an anderen umliegenden Gaststätten. Markttreiben in Zeiten des Marktverbots – wie passt das zusammen, fragen Volksstimme-Leser wahlweise schockiert oder irritiert vom Trubel. Tausende andere Magdeburger nehmen derweil das Angebot vorweihnachtlicher Atmosphäre rund um die Lichterwelt dankbar an.

Alle Märkte abgesagt

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper konstatierte am 25. November 2020 die Absage der abgespeckten Weihnachtsmarktversion, unter dem Titel Weihnachtswelt ab Dezember geplant: „Das alles findet nicht statt.“ Unter den Bedingungen eines bis knapp vor Weihnachten verlängerten Lockdowns sei das einfach nicht machbar. Als eine Art Minimalvariante habe man die Aufstellung von fünf Buden am Domplatz zur Versorgung der Lichterwelt genehmigt. „Da wird es Gegrilltes und Süßwaren geben, also zum Beispiel Schmalzkuchen und ja, auch Glühwein“, so Trümper.

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Der Ausschank der umliegenden Gastronomen sei rechtlich nicht zu unterbinden, so weit sich an geltende Regeln wie Abstand, Masken und Verzehr außerhalb eines 50-Meter-Radius vom Geschäft gehalten wird. „Und die Nachfrage ist da“, so Trümper. Einen Glühwein am Dom zu genießen, sei kein Verbrechen, 10 oder 15 aber ein Problem. „Wir werden streng kontrollieren und wo es ausufert, einschreiten“, kündigt das Stadtoberhaupt an.

Kein Alkoholverbot

„Es gibt kein Alkoholverbot und es ist auch keines geplant“, antwortet der Ordnungsbeigeordnete Holger Platz auf Nachfrage zum Glühweinausschank rund um den Platz. Bei dem vor Wochen und in der inzwischen aufgegebenen Hoffnung zur Rettung eines Weihnachtsmarktes 2020 auferlegten Glühweinverzicht, habe es sich um eine Selbstverpflichtung der Händler gehalten. Sie ist wie der Markt selbst Geschichte und ein von der Stadt verhängtes Alkoholverbot für bestimmte Innenstadtbereiche zum Anlass weder geplant noch rechtlich so einfach durchsetzbar, so Platz.

IG-Innenstadt-Sprecher Arno Frommhagen, selbst von Schließungen gebeutelter Gastronom, bekundet Verständnis für die vom Außer-Haus-Geschäft profitierenden Kollegen am Domplatz. „Wir sind froh über jeden Gastronomen, der in diesen Zeiten noch ein paar Euro verdienen kann, schon um die Mitarbeiter halten zu können.“ Die Lichterwelt und ihr Strahlen trotz Krise bezeichnet Frommhagen als Glücksfall in aktuell eher unglücklicher Lage. Sie sorge auch für eine Belebung des Einzelhandels.

Ganz ähnlich reagiert Paul-Gerhard Stieger, Chef der Magdeburger Weihnachtsmarkt GmbH. Die Lage sei allgemein fatal „und das dicke Ende wird vermutlich erst 2021 sichtbar“. Nicht nur Händler-Existenzen seien gefährdet, auch die vieler Marktbeschicker von der Fleischerei bis zum Getränkeproduzenten. „Da fließen Tränen am Telefon“, so Stieger. Dass Gastronomen am Dom versuchen, von der Lage wenigstens ein Stück weit zu profitieren, könne er nachvollziehen. Mit den nun erlaubten zusätzlichen Buden am Platz solle auch versucht werden, die Versorgungslage vor Ort zu entspannen und große Menschenansammlungen zu vermeiden. Schilder weisen aufs Abstandsgebot hin.

Mit Flatterbändern und ebenfalls mit Hinweisschildern versucht das Café im Kloster seinen täglich geöffneten Außer-Haus-Betrieb coronavorsorgend zu sortieren. „Wir weisen Besucher auch regelmäßig auf Abstand hin“, sagt Betreiber Matthias Kunze, fügt aber an: „Wir sind nicht die Polizei.“ Auf die Mitwirkung der Kundschaft und deren Akzeptanz der geltenden Gebote sei man schon angewiesen, unterschreibt Kunze sinngemäß den Appell des Oberbürgermeisters.

Einschätzung der Polizei

Die Polizei teilt die Einschätzung der Stadtverwaltung und anrainender Gastronomen von einem bisher überwiegend gesitteten Verhalten der Lichterwelt-Besucher, darunter viele Familien. Polizeisprecherin Tracy Bertram berichtet von regelmäßigen Streifen zu verschiedenen Zeiten. „Dabei konnte die Polizei feststellen, dass sich grundsätzlich an die Hygiene- und Schutzbestimmungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gehalten wurde.“ Vereinzelt seien „normverdeutlichende Gespräche“ geführt worden, keine Verwarnungen oder Strafgelder.

Wie die Polizei wollen auch die städtischen Ordnungsbehörden die Lage vor Ort streng im Blick behalten und engmaschig kontrollieren. „Sollte sich da doch etwas in Richtung Massenbesäufnis entwickeln, müssen wir natürlich eingreifen und neu überlegen“, so der Ordnungsbeigeordnete Holger Platz. Das sei aktuell ohnehin von Tag zur Tag aufs Neue nötig.