Magdeburg l Die Folgen der wochenlangen Trockenheit sind kaum mehr zu übersehen: Gelbe Rasenflächen und Teppiche aus vertrockneten Blättern säumen viele Wege im Stadtgebiet. Ja, ist denn schon Herbst? Das fragt sich so mancher bei den Bildern. Nein, Herbst ist nicht – dafür ein Hochsommer voller Rekorde in Magdeburg. Rein statistisch gesehen. Uwe Peruth vom Deutschen Wetterdienst in Magdeburg hat in der Station an der Aßmannstraße schon mehrere Spitzenwerte verzeichnet:

Rekord auf Rekord

1. der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Magdeburg im Jahr 1880: Im Durchschnitt lag die Temperatur im April 2018 bei 13,4 Grad. Die Monatsmitteltemperatur liegt bei 8 Grad - also war der April im Durchschnitt 5,4 Grad zu warm.

2. der sonnenreichste Mai seit Aufzeichnungsbeginn: Mit 323 Sonnenstunden knackte dieser Mai sämtliche Rekorde seit 1880. Auch in Sachen Wärme legte der Wonnemonat vor. „Es war in Magdeburg der wärmste Mai seit 129 Jahren“, stellt Uwe Peruth fest. Im Mittel lag die Temperatur bei 17,8 Grad – so wie zuletzt im Jahr 1889. Dieser Wert liegt 4,8 Grad höher als die Temperaturen für gewöhnlich im Mai.

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3. der trockenste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen: Im ganzen Juni fielen 6,7 Liter pro Quadratmeter. Das entspricht gerade einmal 11 Prozent des langjährigen Mittels.

Trockenheit hält an

Auch der Juli startete extrem trocken. Nun, zur Wochenmitte, soll es zumindest etwas Regen geben, sagt Wetterexperte Peruth. Es wird mit prognostizierten 5 bis 10 Litern heute und am morgigen Donnerstag wohl aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Es sieht momentan danach aus, dass unsere Nachbarbundesländer mehr Regen bekommen“, sagte Peruth am Nachmittag.

Gärtner gießen um die Wette

Ernteausfälle, Feldbrände - auch in Magdeburg stöhnen die Landwirte. Und bei den rund 15.000 Kleingärtnern der Stadt ist Dauer-Gießeinsatz angesagt. „Ohne Frage, die Situation ist schon belastend“, räumt Bernhard Ruth, Vizechef des Verbandes der Gartenfreunde Magdeburg, ein. Eigene Brunnen seien jetzt Gold wert, meint Ruth, der selbst einen Garten im Verein Klosterfelde im Kannenstieg hegt und pflegt. „So wie ich hat hier schätzungsweise gut die Hälfte der Parzellen einen Brunnen im Garten. Viele schon aus DDR-Zeiten“, berichtet der Chef der Sparte. Das zahlt sich jetzt aus. „Wir brauchen ungefähr doppelt so viel Wasser zum Gießen wie sonst“, schätzt Bernhard Ruth. Obwohl eigentlich morgens die beste Zeit zum Bewässern ist, stehen viele am Abend noch mit Schlauch und Gießkanne im Garten. „Ich brauche dann mindestens eine Stunde und werfe alle Sprenger an, die ich habe“, erzählt Ruth.

Verbrauch sogar rückläufig

In Regentonnen oder Zisternen herrscht längst meist gähnende Leere. Als Alternative nutzen daher viele Gärtner, die keinen Brunnen haben, einen sogenannten Abzugszähler. Hier beauftragt man einen zugelassenen Installateur mit dem Einbau eines geeichten Wasserzählers. Nach Fertigstellung wird das den Städtischen Werken Magdeburg (SWM) gemeldet, die dann nur die Trinkwassermenge (zurzeit 1,99 Euro der Kubikmeter) berechnet. Den Preis fürs Abwasser (3,27 Euro/Kubikmeter) spart der Kunde.

Keine Wasserknappheit

Problematisch ist die Entnahmen von Trinkwasser für Gärten in Magdeburg nicht. „Wir haben ausreichend Trinkwasser“, erklärt Thomas Pietsch von den SWM. Anders als in einigen Kommunen Sachsen-Anhalts gibt es in der Stadt keine drohende Trinkwasserknappheit. Im Gegenteil: Der Trinkwasserverbrauch sei in diesem Sommer rund 6 Prozent niedriger als 2017. Zwei Großbetriebe würden zurzeit weniger produzieren und damit auch weniger Wasser verbrauchen, berichtet Pietsch, ohne Firmennamen zu nennen. Die Differenz schafften auch die Gärtner nicht, ist er sich sicher. Dennoch: „Wasser marsch!“ ohne Ende wäre auch der falsche Ratgeber. Schon mit Blick auf den eigenen Geldbeutel. Denn die Beete mit Trinkwasser zu gießen, kann am Ende trotzdem ins Geld gehen. „Alles, was man mit der Hand und Gießkanne wässert, bleibt überschaubar. Beim Einsatz von Schläuchen kann sich das schon anders summieren“, findet Pietsch.

Dass gegossen werden muss, steht auch in den nächsten Tagen außer Frage: Ab Freitag (13. Juli 2018) wird es wieder sommerlich warm. Bis in die neue Woche hinein. Regen ist aber weiterhin kaum in Sicht.