Sanierung

Wieder ein Dach überm Kopf in Magdeburgs Hyparschale

Ohnehin ist die Hyparschale im Magdeburger Rotehornpark ein einzigartiges Bauwerk. Nun hat sie auch noch ein einzigartiges Dach. Es wurde mit Carbonbeton saniert – ein weltweit einmaliges Projekt, das vor seiner Vollendung steht.

Von Karolin Aertel 14.07.2021, 09:01 • Aktualisiert: 14.07.2021, 10:53
Die weltweit erste Sanierung eines Daches mit Carbonbeton ist bei der Magdeburger Hyparschale so gut wie beendet.
Die weltweit erste Sanierung eines Daches mit Carbonbeton ist bei der Magdeburger Hyparschale so gut wie beendet. Foto: mäTV Videoproduktion Jan Mäuser

Magdeburg - Millimeter für Millimeter ist der alte Beton des Hyparschalendaches abgetragen worden. Viel Arbeit, um das doppelt gekrümmte Schalendach in einzigartiger Weise wieder aufzubauen. Nun, 15 Monate nach Beginn der Instandsetzungsmaßnahmen, präsentiert es sich als Weltneuheit.

Es ist das erste Dach, an dem eine Sanierung mit Carbonbeton vorgenommen wurde. Carbon, bekannt als ein besonders leichter Werkstoff, gilt auch als enorm tragfähig und korrosionsbeständig. Carbon besitze bei fünffach höherer Zugfestigkeit gegenüber Stahl nur einen Bruchteil des Gewichts, erklärte die Stadtverwaltung in einer Zwischenstandsmeldung Ende Juni.

Das Verfahren, das Carbonfasern und Feinbeton zu einem Verbundwerkstoff macht, sei eigens für die Hyparschale zugelassen worden. Peter Karrié von der Mainzer Karrié-Gruppe, die für das Bauprojekt verantwortlich ist, erklärt: „Im Vorfeld wurde die alte Dachhaut samt Dämmung entfernt und der Altbeton mittels Höchstdruckwasserstrahlen vorbereitet. Außerdem wurden die Stützen und Strebepfeiler mit konventionellem Spritzmörtel stabilisiert.“

Ein leichter Baustoff mit enormer Festigkeit

Nach dem Abtragen des Altbetons wurden zwei jeweils nur zehn Millimeter dicke Schichten des Carbonfaser-Feinbeton-Verbunds an der Innen- und Außenfläche des Daches aufgetragen.

Das Arbeiten mit Carbonbeton macht das Projekt so besonders: „Carbon ist ein noch nicht genormter Baustoff, der in Deutschland immer häufiger verwendet wird und äußerst zukunftsträchtig ist. Der Baustoff ist sehr leicht: Eine Matte mit zwölf Quadratmetern Fläche wiegt nur zwei bis drei Kilogramm. Dennoch ist die Festigkeit enorm und macht das Material so besonders“, betont Michael Beetz, Bauleiter der Karrié Bauwerkserhaltung GmbH in Magdeburg.

Neben Carbonbeton sei bei der Hyparschale mit Tudalit TF10, einem speziellen Fertigmörtel, gearbeitet worden. Dieser habe eine sehr hohe Druck- und Biegezugfähigkeit

und wurde extra für die Arbeit mit dem Carbongelege entwickelt. So könne mit einer Schichtstärke von nur einem Zentimeter eine große Tragfähigkeitserhöhung erreicht werden.

Die Leichtigkeit und Transparenz der Hyparschale im Sinne des DDR-Bauingenieurs Ulrich Müther beim „Wiederaufbau“ zu erhalten, stellt für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar. „Bei der Generalsanierung der Hyparschale handelt es sich um ein bautechnisch anspruchsvolles Projekt unseres Unternehmensbereiches Bauwerkserhaltung. Die Hyparschale war aufgrund ihres hohen Alters von mehr als 50 Jahren und des langjährigen Leerstandes akut einsturzgefährdet“, erklärt Diplom-Ingenieur Rolf Spreemann, Geschäftsführer der Karrié Bauwerkserhaltung GmbH.

Alte Glasfassade weicht neuer Glas-Stahl-Front

1997 wurde die einstige Magdeburger Messehalle wegen schwerwiegender Schäden gesperrt. Nach Verhinderung eines Abrisses wurde sie 1998 unter Denkmalschutz gestellt und danach gut 20 Jahre über ihren Fortbestand gestritten – eine lange Zeit, in der sie dem Verfall preisgegeben war.

2017, nach diversen Umnutzungsszenarien durch private Interessenten, entschied der Stadtrat, dass die Stadt selbst sich der Hyparschale annimmt, und beschloss die Sanierung für rund 17 Millionen Euro. Seither wird daran gearbeitet, dass die Hyparschale, die einstige Messehalle des Schalenbaumeisters Müther, 2022 wieder in neuem Glanz erscheint. Mit der Fertigstellung einiger Restarbeiten am Dachrand und den Schrägstützen sei das einzigartige Carbondach in Kürze fertiggestellt, wie das Kommunale Gebäudemanagement der Landeshauptstadt mitteilt.

Neben der Fertigstellung des Carbondaches ist die alte Fassade um ihr Glas gebracht worden. Eine neue Stahl-Glasfront soll in etwa einem Jahr fertiggestellt werden. Mit dem Rückbau der Gerüste bis Ende Juli soll dann auch das neue Technikgebäude so weit vorangeschritten sein, dass der Einbau eines Trafos die eigene Stromversorgung der Baustelle gewährleisten kann, erklärte die Stadtverwaltung jüngst.