Magdeburg l Sie plündern Mülltonnen und Obstbäume, laben sich an Vögeln und deren Eiern und fühlen sich auf Dachböden, in Garagen und Schuppen heimisch. Waschbären werden in Magdeburg immer mehr zu einer Plage. So sehr, dass in 2020 zwischen 1. April und 14. August – also innerhalb von nicht einmal fünf Monaten – bereits 71 Tiere allein nach Hinweisen von Gärtnern und Hausbesitzern unter anderem von der AG Wildtiere eingefangen und getötet werden mussten. Das berichtet Kreisjägermeister Gerd Petzold. In dieser Statistik seien die Tiere, die regulär bei einer Jagd erlegt werden, noch gar nicht enthalten.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jagdjahr wurden insgesamt 76 Waschbären erlegt. Dazu kommen drei Tiere, die bei einer Kollision mit einem Fahrzeug getötet wurden. Im Jagdjahr davor wurden insgesamt „nur“ 65 Waschbären zur Strecke gebracht. Ein Jagdjahr beginnt am 1. April und endet am 31. März.

Waschbären nisten sich mit Familie ein

Der Vergleich zeigt: Der Waschbär wird zum Problembär. Hat sich erst einmal eine Familie in einem Unterschlupf eingenistet, ist sie von dort kaum mehr zu vertreiben. „Dann hilft meist nur noch das Fangen mit Lebendfallen und anschließend der Abschuss“, so Petzold. Doch muss das immer sein?

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Nein, sagt Petzold. Die AG Wildtiere werde erst aktiv, wenn die nachtaktiven pelzigen Räuber zu einer echten Gefahr für Anwohner und deren Hab und Gut werden. „Ansonsten muss man mit den Tieren leben.“ Eine Sichtung des Waschbärs muss also nicht sofort gemeldet werden.

Waschbären sind eigentlich in Nordamerika heimisch. Die Kleinbären gelten als invasive Art. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie laut Nabu als Pelzlieferanten nach Europa gebracht und später hier ausgesetzt. So nahm die Ausbreitung dieses Säugetiers ihren Lauf.

Wildschweine und Co erobern urbanen Raum

Doch nicht nur Waschbären fühlen sich in Magdeburg wohl. Auch Marderhunde, Minke und Nutrias sind weiter auf dem Vormarsch – ebenfalls invasive Arten. Vergangenes Jagdjahr wurden laut Statistik 67 Nutrias, 16 Marderhunde und 2 Minke erlegt. Im Jahr davor waren es 27 Nutrias und 18 Marderhunde. „Diese drei Tierarten halten sich bei uns vor allem in Ostelbien auf“, weiß Petzold zu berichten. Inbesondere die Nutrias brauchen Wasser zum Leben.

Und welche Wildtiere treiben sich noch in Magdeburg umher? „Am häufigsten Rehwild“, sagt Petzold. Dazu Wildschweine, die sich vor wenigen Jahren auch schon bis an den Neustädter See heranwagten und dort Wiesen umpflügten. Des Weiteren Hasen, Kaninchen, Fasane, Dachse und – natürlich – Marder. „Letztere gibt es wohl auf fast jedem Dachboden“, so Petzold. Fasane können dagegen eher im ländlichen Bereich beobachtet werden und in Ostelbien vereinzelt auch Damwild.

Fest steht, der urbane Raum wird auch immer mehr zum Lebensraum wilder Tiere.