Magdeburg l Der Ausbau der Windenergie in Deutschland ist ins Stocken geraten – darin sieht Enercon einen Hauptgrund für den Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland. Betroffen ist mit 132 Mitarbeitern auch Magdeburg. Man müsse auf die Entwicklungen am Heimatmarkt reagieren, wo die Windindustrie massiv unter Kostendruck stehe, die Aufbauzahlen stark rückläufig sind und damit einhergehend die Aufträge für Enercon zurückgingen, erläutert Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig die Gründe für die Entscheidung. Zwar bekenne sich das Unternehmen zum Standort und die erneuerbaren Energien würden immer stärker zu einem verlässlichen Partner in der Energieerzeugung werden.

Bessere Rahmenbedingungen

„Sollte Deutschland jedoch den Fehler machen, die Klimaziele nicht zu erfüllen, so werden weitere Einschnitte an der Windenergieindustrie in Deutschland nicht vorbeigehen“, so die Prognose des Enercon-Geschäftsführers. Damit die Windenergie an Deutschland eine Chance habe, seien faire Rahmenbedingungen sowie ein intelligenter und zügiger Netzausbau erforderlich. Hintergrund dieser Forderung: Es wird immer schwerer, Windkraftanlagen zu installieren. Unter anderem führen Kritiker Fragen des Schutzes von Vögeln und Fledermäusen sowie die von den Anlagen ausgehenden Geräusche ins Feld.

In anderen Ländern hingegen ist die Gewinnung von Strom aus der Kraft des Windes im Aufwind. Experten gehen davon aus, dass hier die Investitionen in den kommenden 20 Jahren verdoppelt werden.

Subventionen

Die IG Metall Magdeburg-Schönebeck warnt den Windanlagenhersteller Enercon indes vor einem Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten. Das Unternehmen habe jahrelang von aus Steuergeldern finanzierten Subventionen profitiert.

Enercon dürfe jetzt nicht versuchen, bei nun auftretender Verschlechterung am Markt als einzige Reaktion sofort Arbeitsplätze abzubauen. „Jetzt ist ein besonnenes und vor allem koordiniertes Vorgehen für alle betroffenen Unternehmen der Gruppe unter Einbeziehung der Betriebsräte, der IG Metall und der Landesregierung nötig“, sagte Axel Weber, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Magdeburg-Schönebeck.

Verhandlungen mit dem Betriebsrat

Norbert Hölscher, Geschäftsführer der vom Stellenabbau betroffenen Magdeburger Firma, geht davon aus, dass sich die Nachfrage nach Betonteilen in den kommenden Jahren nicht erholen werde. Die Geschäftsführung wolle zügig mit dem Betriebsrat in konstruktive Verhandlungen über die Zukunft der betroffenen Mitarbeiter eintreten. Gemeinsam sollen sozialverträgliche Lösungen erarbeitet werden, verspricht Norbert Hölscher. Wo immer dies möglich sei, solle auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingegangen werden.

Zum Enercon-Firmengeflecht gehören in der Region Magdeburg etwa ein Dutzend Firmen mit insgesamt etwa 5000 Mitarbeitern.

Der Abbau bei WEC Turmbau GmbH ist nicht der erste Rückschlag beim Bau von Windenergieanlagen in Magdeburg.

Zum Jahreswechsel hatte so die Enercon-Tochter Rotorblattfertigung Magdeburg ihren Betrieb eingestellt und ebenfalls 140 Mitarbeiter entlassen. Im Jahr 2013 hatte der Konkurrent Vestas seine Magdeburger Gießerei an eine Beteiligungsgesellschaft verkauft, die das Werk mit rund 100 Mitarbeitern dann im Oktober 2014 schloss.