Magdeburg l „Das war wohl das längste Planverfahren, mit dem ich je zu tun hatte“, sagt Gerald Breschke von der Projekt Rentenvorsorge GbR aus Hannover. Seit 2010 hat er die Entwicklungspläne der beiden Reichseinheitsspeicher im Wissenschaftshafen auf dem Schreibtisch liegen. Hunderte Wohnungen sollen in den alten Silos entstehen.

Doch das Projekt kam all die Jahre nicht voran, weil auf der anderen Seite des Hafenbeckens die Magdeburger Mühlenwerke stehen. Die Geräusche, die von den Betriebsanlagen auch in der Nacht ausgehen, machten eine Nutzung der Speicher zu Wohnzwecken nach geltendem Baurecht bislang unmöglich. Um wenige Dezibel lagen die Messungen an der Außenwand des Hafen-Silos über dem Richtwert von 45 Dezibel in der Nacht am geöffneten Wohnungsfenster. Jahrelang wurde nach Lösungen gesucht, um den Bestandsschutz des Unternehmens zu wahren und dennoch ein Wohnen zu erlauben.

Stadtrat entscheidet am 6. Dezember

Im Vorjahr gab es dann den Durchbruch, mit dem jetzt die Sanierung gelingen soll. Sogenannte Prallscheiben werden den eigentlichen Wohnungsfenstern in einem Abstand von 50 Zentimetern vorgelagert. Sie werden aber nur auf der Westseite der Speicher benötigt. Ein Testlauf brachte die notwendigen Messwerte schwarz auf weiß.

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Nach einer erneuten Abstimmungsrunde mit den Mühlenwerken ist der Speicherumbau nun formal möglich. Zuvor muss der Stadtrat allerdings am 6. Dezember noch die Satzung des Bebauungsplans bestätigen. Erst wenn das geschehen ist und tatsächlich Baurecht besteht, gehen die Speicher in das Eigentum der Hannoveraner Projektentwickler über, wie Gerald Breschke erklärt.

Baugenehmigung noch 2018?

Die Bauanträge für Hafen- und Elbe-Silo sind aber beide bereits gestellt, erklärt Gerald Breschke. In Abstimmung mit der Stadtverwaltung wolle man zeitnah die Baugenehmigung in der Tasche haben. „Wir gehen davon aus, dass wir noch dieses Jahr beginnen können“, sagt er.

Nach aktuellen Planungen sollen in den beiden Speichern gut 300 Wohnungen entstehen, 100 mehr als bisher immer angegeben worden waren. Für die Bewohner werden mehrere Parkdecks gebaut. Im Erdgeschoss ist zudem Gewerbe geplant. Konkrete Nutzungsideen geschweige denn Mieter gebe es aber noch nicht. „Interessenten können sich gern bei uns melden“, sagt Gerald Breschke. Bis 2020 soll die Sanierung beider Speicher voraussichtlich abgeschlossen sein.

Meilenstein für den Wissenschaftshafen

Für Magdeburgs Baubeigeordneten Dieter Scheidemann ist die Sanierung der beiden 1935/36 erbauten Speicher ein wichtiger Schritt zur Umsetzung des Masterplans für den ehemaligen Handelshafen. 2011 war dieser von der Stadtverwaltung vorgestellt worden und hatte neben der Ansiedlung von Wissenschaft und Forschung auch eine Wohnnutzung vorgesehen.

Neben dem Vorzügen für die Mieter wie den ungehinderten Elbblick berge das auch einen „ganz wichtigen“ Aspekt für den Wissenschaftshafen. „Durch die Anwohner gibt es eine soziale Kontrolle“, sagt Scheidemann. Denn nachts sei der Hafen mehr oder weniger verwaist, was Kriminalität und Vandalismus ermöglichen würde.

Gewaltige Hürde übersprungen

Ob es auch für ihn das längste Planverfahren gewesen sei, kann er nicht sagen. „Vom Gefühl her aber ja“, erklärt er. Es sei ein langer Weg gewesen, der nun gemeinsam zum Ende geführt werden soll. „Es wurde glücklicherweise eine Lösung gefunden, wie man den Immissionsschutz beachten kann“, sagt er.