Magdeburg l Zwischen dem Uni-Gebäude der Humanwissenschaften und einem Reserve-Heizwerk der Städtischen Werke Magdeburg befindet sich eine Brache, auf der seit Jahrzehnten nichts weiter passiert ist, als dass hier Müll abgelagert wurde und dass sich Vegetation auf Schutt und Trümmern ausgebreitet hat. Im September 2014 hatte sich die Baulandgesellschaft mit dem Wunsch an die Stadtverwaltung Magdeburg gewendet, das Gelände entwickeln zu können. Die Rede ist von einer Wohn- und Mischnutzung, wo also auch Gewerbe einen Platz finden kann.

Nach Gutachten und der Beteiligung von Bürgern und den Vertretern öffentlicher Belange hatte jetzt der Stadtrat über den Bebauungsplan abzustimmen, der den Weg für eine Investition in das Gebiet frei macht.

Haus soll für Schutz vor Lärm der Bahn sorgen

Auch wenn in den vergangenen Monaten in verschiedenen Ausschüssen über das Gebiet bereits diskutiert wurde – auch im Stadtrat gab es zum Thema noch einmal Wortmeldungen. Der bündnisgrüne Stadtrat Timo Gedlich hatte daran erinnert, dass das Vorhaben im von ihm geleiteten Umweltausschuss zweimal auf den Tisch kam, da erst per Gutachten die unterschiedlichen Ansichten aus den Ämtern geklärt werden konnten.

Der Hintergrund: Das Gelände befindet sich in Nachbarschaft zum Gelände der Deutschen Bahn. Und Bahnverkehr bedeutet bis heute Lärm, der in einem Wohngebiet ansich nichts zu suchen hat. Mit Blick auf das Gutachten, laut dem eine Bebauung durchaus denkbar ist, sagte Timo Gedlich: „Rechtlich ist damit alles klar. Aber es gibt auch die moralische Seite.“

Wegen der Lärmbelastung nämlich sieht der Bündnisgrüne das neue Quartier als einen Kandidaten für eine Segregation. Sprich: Nachdem die Menschen bemerkt haben, wie laut es hier ist, würden die, die sich das leisten können, wegziehen. Zumal mit einer Zunahme des Schienenverkehrs zu rechnen sei. Timo Gedlichs Fraktionskollege Jürgen Canehl wollte deshalb wohl auch wissen, wie gewährleistet wird, dass vor den anderen Häusern wie geplant das sechsgeschossige Gebäude parallel zur Bahnlinie steht, das auch dem Schallschutz für alle anderen dienen soll. Magdeburgs Baudezernent Dieter Scheidemann sieht darin aber keine Gefahr, dass gebaut wird, dass der Gebäuderiegel zum Schallschutz doch nicht entsteht: Im Bauleitplan sei das entsprechend dem Baugesetzbuch genau geregelt.

Alternative wäre Fortbestehen der Brache

Letztendlich sah es die große Mehrheit der Stadtratsmitglieder ebenso wie Marko Ehlebe (SPD). Er hatte darauf aufmerksam gemacht, dass eine Bebauung dort machbar sein sollte und sagte: „Was wäre denn die Alternative? Diejenige, dass die nächsten 20 Jahre eine Brache in zentraler Innenstadtlage bestehe bleibt.“ Bei einer Gegenstimme gab es eine deutliche Mehrheit für den Vorschlag aus der Verwaltung.