Magdeburg l Der kommunale Großvermieter Wobau in Magdeburg zieht die Mieten an. Betroffen sind vor allem Altmieter mit im Vergleich niedrigen Quadratmeter-Preisen. Weil ringsum die Mieten – spätestens bei Neuvermietung – steigen, müssen auch Altmieter mehr zahlen.

Für etwa 1500 Wohnungen mit zusammen rund 87.800 Quadratmeter Grundfläche hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft allein 2019 den Preis angehoben. Die Mieten pro Wohnung stiegen – je nach Größe, Lage, Zustand und Ausgangspreis – um 3 bis 25 Euro pro Monat. Betroffen sind Mieter im Kannenstieg, am Neustädter See und im Neustädter Feld, in Stadtfeld, Reform, in der Lindenhofsiedlung und der Schilfbreite. Diese Informationen gehen aus einer Stellungnahme der Verwaltung auf eine Anfrage der Gartenpartei hervor. Bei deren Ratsfraktion – wie auch beim Mieterverein – hatten sich betroffene Magdeburger sehr ungehalten über die Post vom Vermieter gezeigt.

Steigende Kosten beim Unternehmen

Auf Volksstimme-Nachfrage verteidigt Wobau-Geschäftsführer Peter Lackner die Mieterhöhungen. „Wir haben steigende Personal- und Handwerkerkosten, große Preiserhöhungen selbst für kleine Instandhaltungsarbeiten.“ Diese Kosten würden durch die Mieterhöhungen aufgefangen. Lackner: „Wir machen dadurch nicht mehr Gewinn.“

Die Mieterhöhung betreffe acht Prozent aller Wobau-Wohnungen und zwar speziell jene mit besonders geringen Quadratmeterpreisen. Kann ein Vermieter nachweisen, dass solche Mieten inzwischen nicht mehr im Vergleich „ortsüblich“ sind, kann er laut Gesetz binnen jeweils drei Jahren die Grundmiete um bis zu 20 Prozent anziehen – im Fall von Modernisierungen um mehr.

Wobau-Chef Lackner argumentiert, dass sich bei Quadratmeter-Mietpreisen von 3,60 oder 3,80 Euro, wie sie Mieter in den genannten Stadtteilen noch zahlten, „die Frage nach der Gerechtigkeit“ stelle – gegenüber Neumietern, die für gleichwertige Wohnungen in der Regel 5 Euro oder mehr zahlten. Im Durchschnitt lägen die Wobau-Mietpreise im Kannenstieg aktuell bei 4,75 Euro pro Quadratmeter. „In Texas sind wir bei über 6 Euro“, so Lackner. In Härtefällen – zum Beispiel bei betagten Altmietern oder wenn die neue Miete nur knapp oberhalb dessen liege, was die städtische Unterkunftsrichtlinie für Hartz-IV-Empfänger hergebe – würde die Wobau Entgegenkommen zeigen.

Auch Genossenschaften drehen Preisschraube

Stichprobenhaft fragte die Volksstimme bei anderen großen Vermietern in Magdeburg nach, wie sie es mit Mieterhöhungen im Bestand halten. Die Wohnungsgenossenschaft MWG (rund 9050 Wohnungen in Magdeburg) passt einen Teil ihrer Mieten alle fünf Jahre ortsüblich nach oben an. Die MWG-Durchschnittsmieten – kalt pro Quadratmeter – liegen zwischen 4,51 Euro (Neu-Olvenstedt) und 5,03 Euro (Neustädter See). Rund 6100 Wohnungen in 18 Stadtgebieten bewirtschaftet die WBG Otto von Guericke – zum durchschnittlichen Kaltmietpreis von 4,99 Euro. Auch die WBG passt Mieten ortsüblich an.

Eva Domass, Geschäftsführerin des Mietervereins Magdeburg, sieht sich regelmäßig mit aufgebrachten Mietern konfrontiert. „Die Menschen verstehen nicht, wenn in ihren Wohnungen seit 15 Jahren kein Wasserhahn ausgetauscht wurde, aber die Miete steigt.“ Rechtlich sei dem Vorgehen kaum beizukommen, „aber man muss als Vermieter mit sozialer Verantwortung auch nicht jede Mieterhöhung mitmachen“, sagt Domass. 25 Euro im Monat seien für manchen schon richtig viel Geld.“

Der Wobau-Jahresabschluss 2018 wurde erst in der vergangenen Woche durch den Stadtrat Magdeburg bewilligt – mit rund fünf Millionen Euro Überschuss. Den Großteil davon (3,5 Millionen Euro) streicht die Stadt als Gesellschafter ein.