Magdeburg l Das Hochhaus Lange Luise in Magdeburg ist in den vergangenen Monaten schon ein ganzes Stück gewachsen. Wenngleich: Erst einmal ging es nicht in die Höhe, sondern rund sieben Meter in die Tiefe. Wie die Magdeburger Wohnungsgenossenschaft (MWG) auf Nachfrage der Volksstimme mitteilte, liegen die Arbeiten derzeit im Plan. Der Turm soll 2022 fertig sein.

Zwanzig Etagen über Magdeburg

Und das bedeutet, dass neben dem Platz für das künftige Hochhaus mit seinen zwanzig Etagen der Fokus der Arbeiten erst einmal auf einem benachbarten Bauabschnitt liegt: Die Gründungsarbeiten für den Bereich des künftigen Luisencarrés an der Ecke Erzbergerstraße/Zschokkestraße sind abgeschlossen und jetzt wird mit den Kellergeschossen begonnen.

Bei dem Hochhaus ist die Gründung des Gebäudes angesichts der großen Last eines solchen Bauwerks etwas aufwendiger. Hier muss eine Bodenplatte mit einer Dicke von drei Metern in den Untergrund eingebracht werden. Dazu ist ein Aushub an Boden bis in eine Tiefe von sieben Metern erforderlich. Dieser Tage wird hier aus Stahlstäben die Bewehrung für die Bodenplatte geflochten. Die Betonage soll dann aufgrund der Stärke der Platte in mehreren Abschnitten erfolgen.

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Kranballett in Magdeburger Altstadt

Zurzeit stehen auf dem Gelände drei Kräne. Doch auch hier dürfte sich den Passanten in den kommenden Monaten ein eindrucksvolles Kranballett bieten, wie es bis vor wenigen Wochen am Blauen Bock und im Domviertel zu sehen war. In der Hochzeit des Hochhausbaus werden hier vier Turmkräne ihren Dienst versehen. Der Haken des Krans für die Lange Luise wird bis zu 70 Meter in die Höhe gezogen werden können.

Nachdem zunächst von normalen Wohnungen die Rede war, hat die Genossenschaft inzwischen umgeschwenkt. Aufgrund der hohen Nachfrage nach entsprechenden Angeboten soll hier auch Service-Wohnen etabliert werden, wie es dieses in anderen Teilen der Stadt bereits gibt. In der Nachwendezeit hat die MWG das entsprechende Angebot mit Pflegedienstleistern und medizinischen Dienstleistern als Angebot für Senioren mit den Projekten „Phönix“ an der Salvador-Allende-Straße, dem „Pegasus“ an der Arnold-Zweig-Straße und dem „Ikarus“ am Olvenstedter Platz entwickelt. Entsprechende Wünsche hatten die Genossenschaftsmitglieder vorgebracht, deren Meinung als Eigentümer der Genossenschaft bei den Investitionen eine wichtige Rolle spielt.

Historische Mauersteine gerettet

Eingelagert worden sind die aus den Grabungen der Festungsanlage gesicherten Mauerreste. Sie befinden sich auf der Baustelle und sollen für den Eingangsbereich und in den Außenanlagen neu verbaut werden. Archäologen waren während des Bodenaushubs auf eine Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert gestoßen, in der auch eine kleine Jesusfigur gefunden wurde. Jeder Mieter wird von dieser beim Einzug einen Abguss erhalten.

Mit der Architektur des Gebäudes und dem Namen des Viertels soll zum einen an die große Wertschätzung vieler Magdeburger für die preußische Königin Luise erinnert werden. Zum anderen sollen sie auch an die Stadtbefestigung in diesem Bereich erinnern, die lange Zeit in dem Gebiet das Bild bestimmte.

Fertigstellung ab 2020

Die Lange Luise wird nach dem Hochhaus in der Jakob­straße und dem Türmchen-Hochhaus auf dem Werder mit rund 63 Metern das dritthöchste Wohnhaus in Magdeburg sein. Es wird über 20 Etagen verfügen. Umgeben ist es von weiteren Gebäuden des Luisencarrés. „Wir haben bisher 290 Miet­interessenten für 130 Wohnungen“, sagt MWG-Vorstand Thomas Fischbeck.Verbaut wurden bislang mehr als 700 Kubikmeter Beton und mehr als 350 Tonnen Stahl. Für die Gründung sind 290 Bohrpfähle bis in eine Tiefe von 15 Metern in den Boden eingebracht worden.

Die Fertigstellung des Gebäudekomplexes erfolgt in Schritten. Zunächst werden die Eingänge an der Zschokke­straße fertig. Geplant ist das im Herbst 2020. Der Abschnitt des Viertels an der Erzbergerstraße soll im September 2021 bezugsfertig sein. Dann wird ein Gebäude an der Virchowstraße fertig. Geplant ist dafür der November 2021. Der Turm soll im August 2022 fertig sein.