Magdeburg l Eulenexperte Herbert Bilang weht ein kalter Wind um die Nase, als er in wieder mit seinem Feldstecher loszieht, um an speziellen Plätzen in Magdeburg nach den imposanten Jägern der Nacht Ausschau zu halten.

Der Viktoriapark auf dem Werder, zwischen Mittel- und Oststraße, ist solch ein Platz. Bestens getarnt thront ein Waldkauz hoch oben in der Krone einer stattlichen Platane, direkt auf der Bruchstelle eines abgeknickten Astes. Beinahe regungslos sitzt er da, mit seinem rindenfarbenen Gefieder ist er perfekt getarnt - fast so, als wäre er schon ein Teil des alten Baumes geworden. „Man muss wirklich ganz genau hinschauen, um den Kauz zu erkennen“, sagt Herbert Bilang und zeigt auf die Stelle hoch oben in der Platane, wo der Vogel seine Aussicht auf den kleinen Park und die Alte Elbe genießt.

Platanen sollen nicht gefällt werden

Ein paar Bäume weiter ist der Eingang einer größeren Höhle im Stamm zu erkennen. Bilang vermutet, dass sich hier der zweite Kauz versteckt. „Es ist ein Pärchen“, sagt der Eulenexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Sachsen-Anhalt.

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Im Herbst 2018 war es, als eine Anwohnerin vom Park die Sichtung des Waldkauzes beim Nabu meldete. Sie hatte ihn aufmerksam beobachtet und sorgt sich, dass die Platanen wegen geplanter Neubauten in der Nachbarschaft womöglich mit gefällt werden könnten. Damit würde auch das Revier der geschützten Vögel zerstört. Bilang wurde sofort aktiv. „Ich habe mich bei der Stadtverwaltung erkundigt. Die Platanen werden nicht angerührt“, erklärt er.

Alte Bäume wichtig für Waldkauz

Solch alte Bäume wie auf dem Werder mit ihren natürlichen Höhlen sind wichtige Lebensgrundlage für den Waldkauz. 20 Revierpaare wurden in Magdeburg etwa ausgemacht. Neben dem Kauzpaar an der Oststraße gibt es z. B. eines im Bereich vom Landesfunkhaus und eines im Stadtpark. Der Waldkauz braucht zum Brüten eine Nesthöhle. Findet er sie nicht, brütet er auch nicht, erzählt Herbert Bilang, der in Colbitz auch ein Eulenmuseum betreibt.

Gemeinsam mit Umweltamt und Stadtgartenbetrieb konnte man im letzten Jahr nachhelfen. Zwölf große Nistkästen aus Holzbeton wurden mit Hilfe eines Hubsteigers in luftiger Höhe angebaut: unter anderem zwei im Stadtpark (am Rondell Stadthalle sowie im Bereich Wasserfallbrücke), im Klosterbergegarten, im Nordpark, auf dem Westfriedhof, am Amo und in Ottersleben. Im Mai 2019 wollen Bilang und seine Helfer hoch in die Kronen, um nachzuschauen, ob die Nisthilfen angenommen wurden. „Wir sind wirklich gespannt. Wir sind aber auch guter Dinge, dass die Kästen angenommen werden“, sagt Herbert Bilang. Es gehe darum, langfristig den Bestand der Vögel zu sichern.

Im Winter wird durchgezählt

Bis dahin aber werden die Magdeburger Eulen erst mal gezählt, um über das Vorkommen Bescheid zu wissen. Denn Winterzeit ist Zählzeit. Die Bäume sind kahl, die Eulen besser zu sehen und bei den Waldohreulen bilden sich sogar Schlafgemeinschaften über die kalte Jahreszeit, was das Erfassen ebenfalls vereinfacht.

Prominenter Schlafplatz ist z.B. die Eibe am Herrenkrug-Parkhotel, die den Waldohreulen im Winter nachweislich seit 25 Jahren als gemeinsamer Rastplatz dient. „Voriges Jahr haben wir dort ein Dutzend Eulen gezählt, letzte Woche waren es nur vier“, wundert sich Herbert Bilang. Wo sind die Eulen hin? Im Moment weiß er es nicht, aber er wird auch im kommenden Monat wöchentlich nach ihnen schauen. „Wir wollen ein möglichst genaues Bild von der Population“, sagt er.

Wer hilft mit beim Eulenzählen?

Deshalb sucht der Nabu noch „Eulendetektive“, die beim Zählen und der Erfassung der Eulen helfen möchten. Wer weiß, wo die Jäger der Nacht sich zurzeit aufhalten, kann sich an Herbert Bilang vom Nabu unter Telefon 039207/95227 oder 0151/23328837 wenden.

Spannend wäre für Herbert Bilang auch zu wissen, ob die noch seltenere Schleiereule inzwischen im Stadtgebiet von Magdeburg nachzuweisen ist. Im Umland von Magdeburg sei das nämlich der Fall, allein im Raum Wolmirstedt habe man zehn Brutpaare nachweisen können.

Schleiereulen könnten schon da sein

So ist es durchaus wahrscheinlich, dass sich Schleiereulen auch in Magdeburg ansiedeln bzw. angesiedelt haben. Wenn, dann vermutlich in Stadtrandgebieten wie Pechau, Prester, Randau-Calenberge, Beyendorf-Sohlen oder auch Olvenstedt.

„Schleiereulen brüten ausschließlich in alten Gebäuden wie Ställen, Trafotürmchen oder Kirchen“, erzählt der Eulenkenner.

Die Bitte: Bei Sichtung - Anruf!

Bilang würde sich freuen, wenn er im Fall einer Sichtung einen Hinweis per Anruf bekäme. Ganz egal, ob Naturfreunde nun einen Waldkauz, eine Waldohreule oder sogar eine Schleiereule im Stadtgebiet entdecken.