Zur Sendung

Die gleiche Produktionsfirma, die mit der Sendung „Bares für Rares“ einen Fernseh-erfolg landete, widmet sich im neuen Format „Du ahnst es nicht!“ der Ahnenforschung. Als Moderator fungiert Thomas Anders. „Er ist ein sehr angenehmer Gesprächspartner, der sich sehr gut vorbereitet hat“, schätzt Carsten Tüngler nach seinem Dreh ein. Das Konzept: Vier Experten präsentieren den Nachfahren im Fernsehstudio interessante, teilweise kuriose Geschichten, die gelegentlich von weltpolitischer Brisanz sind, über deren Ahnen und was sie im Archiv über diese herausgefunden haben. Namensforscher Prof. Dr. Jürgen Udolph erläutert zudem, welche Bedeutung Familiennamen haben. Die erste Staffel ist bereits mit fünf Folgen abgedreht worden, in denen sich Carsten Tüngler fünf Familien annimmt – drei der Studiogäste stammen aus der Region Magdeburg. Die Ausstrahlung ist im Oktober jeweils sonntagmittags geplant.

Magdeburg l Wo hat die Familie ihren Ursprung, stammt der Urgroßvater wirklich aus Frankreich, gibt es noch weitere Verwandte? Immer mehr Menschen bewegen die Fragen um die eigene Vergangenheit. Dies belegen zum Beispiel die Aufträge, die an Carsten Tüngler gerichtet werden, der zusammen mit Daniel Riecke eine Agentur für Genealogie betreibt.

Dauergast in Archiven

Die Beweggründe seien verschieden, so der Experte. „Es geht zum Beispiel darum, Familienmythen nachzugehen. Ob die Urgroßtante wirklich einen Adelstitel trug oder Ähnliches, was in fast 90 Prozent nicht der Fall ist. Die gute Frau hatte einst vielleicht einmal auf dem Gut einer Adelsfamilie gelebt und gearbeitet ...“ Dieses Vielleicht wandeln die Experten auch bei Fragen unehelicher Kinder zur Identität des Vaters sowie nach der Rolle der Vorfahren in der Weltgeschichte und möglichen Erbschaften in Fakten um.

Dazu befragen die Experten Familienangehörige nach besonderen Geschichten und Urkunden, ehe sie die Recherche in Standesämter führt, in denen seit 1874 jede Geburt und Hochzeit sowie jeder Sterbefall beurkundet wird, so Riecke. Außerdem werden Kirchenbücher ausgewertet, wobei Kenntnisse im Lesen der Kurrentschrift eine Grundvoraussetzung sind. Neben den Kirchenbüchern existieren auch weltliche Quellen, die u. a. im Landesarchiv an der Brückstraße verwahrt werden. Dort konnte das Expertenteam vor kurzem erst eine Patientenakte einer Ururgroßmutter eines Kunden ausfindig machen, die Angaben zum Tod der Frau im Jahre 1910 in der damaligen Anstalt in Uchtspringe durch Syphilis sowie ein Lichtbild enthielt: „Wir konnten der Verstorbenen ein Gesicht geben: Die Familie hatte bis dahin kein Foto von ihr.“ Nicht selten ergeben sich emotionale, tränenreiche Momente bei der Präsentation der Rechercheergebnisse, gefolgt von Dankesbriefen. Denn die Ergebnisse der Ahnenforscher können bewirken, dass Familienmitglieder wieder zusammengeführt werden oder sogar erstmals voneinander erfahren. „Das ist das Spannende an der Genealogie, sie kann in alle Richtungen führen“, so Tüngler, der sich bereits im Alter von elf Jahren mit der Familienforschung befasste und den „das Virus bis heute nicht losgelassen hat“, wie er selbst sagt.

Nicht blind dem Internet vertrauen

Parallel zum Studium nahm er erste Aufträge an, seit Anfang der 2000er Jahre widmet sich der 37-Jährige der Ahnenforschung beruflich. Wesentlich sei, Quellen zu prüfen und genau zu dokumentieren, woher die gesammelten Informationen stammen. „Wichtig ist, dass man Angaben – woher sie auch kommen – stets überprüft. Somit verhindert man, Gefahr zu laufen, bereits am Anfang der Forschung einer falschen Familie nachzugehen, da alle zukünftigen Recherchen auf diese Daten aufbauen“, sagt Carsten Tüngler. Blind dem Internet zu vertrauen, sei einer der größten Fehler, denn dort werden Angaben und Daten nur übernommen. „Immer in Originalquellen recherchieren“, so ein Tipp. „Erst wenn ich den Originaleintrag gefunden habe, glaube ich dem Eintrag im Internet“, macht Daniel Riecke deutlich. Daher sollte sich für die Ahnenforschung auch die nötige Zeit genommen werden.

Dramas und glückliche Enden

Einige der Fälle machen auch betroffen, so Tüngler, der selbst Familienvater ist. Im Auftrag eines Klienten fand er heraus, dass eine siebenköpfige Familie in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges binnen zwei Tagen an den Folgen der Pest verstorben ist. Zunächst starben die fünf Kinder, anschließend ihre Eltern. Aber auch Zusammenarbeiten, die ein glückliches Ende nahmen, hinterlassen Eindruck: Die Experten fanden heraus, dass der Vater, den eine Klientin seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte, mittlerweile zwar tot ist, sie aber mehrere Halbgeschwister hat, die auf einem anderen Kontinent leben. „Noch heute stehen sie in regelmäßigem Kontakt und besuchen sich.“