Magdeburg l Prächtig und erhaben stand die Rotbuche seit vielen Jahrzehnten auf dem Rondell vor dem Eingang des Zoos. So etliches hat sie in 100 Jahren überstehen können, doch auch ein Baum wird alt und damit schwach. „Seit circa 20 Jahren muss die Rotbuche schon gegen Fäule ankämpfen“, erklärt Daniel Lübke. Er ist Gartenmeister im Zoo Magdeburg. „Vor zehn Jahren haben wir angefangen, den Verlauf des Pilzbefalls regelmäßig zu dokumentieren.“ Der Pilzbefall der Rotbuche ist von außen deutlich zu erkennen. Aus den Wurzeln rund um den Baum wachsen zahlreiche Zungen. Der Pilz nennt sich Riesenporling und nistet sich in den abgestorbenen Wurzeln eines Baums ein. Nach und nach zerfrisst er den Baum von innen. Dadurch wird der Baum faul und hohl.

Gegen den Parasiten lässt sich nicht ankämpfen. „Dieser Pilz ist permanent vorhanden, junge Bäume können gegen ihn ankämpfen, aber die Rotbuche hier ist mittlerweile zu alt und schwach“, so der Gartenmeister. Man sieht anhand der einseitigen Verwachsungen an dem Baum, dass er versucht hat, gegen die Fäule anzukämpfen, um standsicher zu bleiben.

Fledermaushöhle in Baumstamm entdeckt

„Bei der letzten Begutachtung im August haben wir festgestellt, dass der Baum mittlerweile zu morsch ist und jederzeit abbrechen könnte“, verrät der Fachman. Gerade im Herbst treten vermehrt starke Winde auf, die ein Umstürzen des Baums begünstigen können. Ende August 2020 wurde deshalb begonnen, die Baumkrone der Rotbuche zu stutzen, um sie so auf die Fällung vorzubereiten. Allerdings wurde dabei eine Fledermaushöhle entdeckt, die von einer Gruppe Großer Abendsegler besiedelt war.

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Der Große Abendsegler steht wie alle anderen heimischen Fledermausarten unter strengem Schutz. Die Großen Abendsegler leben besonders gerne in Parks und Wäldern mit großen alten Bäumen. Rund um den Zoo sind elf verschiedene Fledermausarten angesiedelt. „In unserem Zoo leben viele Fledermäuse. Glücklicherweise besiedeln sie zu dieser Jahreszeit immer mehrere Höhlen gleichzeitig“, verrät Regina Jembere, Pressesprecherin des Zoos. „Bei einer weiteren Kontrolle im September, circa zwei Wochen später, war die Höhle leer. Wir haben sie dann sicherheitshalber versiegelt, um einen erneuten Einflug der Fledermäuse zu verhindern.“

Für die Fledermäuse wird das Verschwinden des Baumes erst mal eine Umstellung sein, ihnen stünden aber ausreichend Alternativen zur Verfügung. Ihr Lebensraum am Zoo ist also durch den Wegfall des Baums nicht gefährdet, so Jembere.

Rotbuche soll Gehege der Nashörner sichern

Die alte Rotbuche konnte dann am Freitagmorgen gefällt werden und das Ausmaß der Erkrankung wurde deutlich. Ein fauliger Holzgeruch stieg auf. An einigen Stellen war die Baumrinde nur noch zehn Zentimeter dick. Der einst starke Baum glich nur noch einer Hülle. „Obwohl die Rotbuche von innen fast hohl ist, wiegt sie immer noch 9,5 Tonnen. Wir wollen uns nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn sie hier auf dem stark frequentierten Eingangsbereich umgekippt wäre“, so Geschäftsführer Dirk Wilke.

Zu Kleinholz wird die alte Rotbuche aber nicht verarbeitet. Der Zoo will sie behalten, weshalb sie in das Nashorngehege umzieht. Ein Kran hob den abgetrennten Stamm auf einen Lastwagen, der diesen zu seinem neuen Standort fuhr. Am Gehege angekommen, hob ihn dann ein weiterer Kran in Richtung Gehege. Die einst prachtvolle Baumkrone dient jetzt zur Begrenzung des Geheges und Besucher können von der anderen Seite aus den ausgehöhlten Stamm betrachten. „Wir möchten gerne unseren Nashornbullen auf diese Außenanlage lassen, dafür müssen wir das Gehege aber noch stärker sichern. Der große Baumstamm ergänzt sich super mit den bereits vorhandenen Felsen“, erzählt Regina Jembere.

Dort wo einst die prächtige Rotbuche stand, wird übrigens bald ein neuer Baum gepflanzt. Allerdings ist man sich noch nicht einig, um welche Gattung es sich bei dem neuen Baum handeln soll.