Magdeburg l Wieder ein Schreckmoment im Zoo Magdeburg: Nachdem 2019 plötzlich drei Giraffen gestorben waren, gab es nun ein Unglück im Elefantenhaus.

Mwana, einzige Elefantenkuh im Zoo Magdeburg, hat sich ihre Rüsselspitze eingeklemmt und abgerissen. Etwa zehn Zentimeter ihres hochempfindsamen Tastorgans sind ab. Es wird nicht mehr nachwachsen.

Sonst immer Abstand gehalten

Das schmerzliche Malheur passierte am Montagvormittag. Ein Tierpfleger öffnete elektrisch eines der großen Hydrauliktore, um die Elefantendame aus ihrer Box in den Schaubereich zu lassen. Mwana kennt das Prozedere, bleibt sonst immer mit ausreichendem Abstand zurück. Doch an diesem Vormittag steckte sie auf einmal ihren Rüssel in einen Schlitz des Tores – und brüllte plötzlich kräftig los. Der Pfleger stoppte sofort das Öffnen der Tür, ging zu Mwana und konnte doch nichts mehr tun.

Der Elefantenkuh gehe es den Umständen entsprechend gut, erklärte Zoochef Kai Perret am 12. November 2019 auf Volksstimme-Nachfrage. Sie sei sofort vom Tierarzt behandelt worden und werde mit Antibiotika versorgt, damit sich die Wunde nicht entzündet. Täglich gibt es eine Art Rüsselbad mit einer antibakteriellen Lösung, um die natürliche Heilung zu fördern. Einen Verband, wie ihn Menschen bekommen würden, hat sie nicht. „Den würde sie nicht dranlassen“, so Perret.

Elefant wird per Hand gefüttert

In den nächsten Tagen und Wochen muss die 37-jährige Mwana von den Tierpflegern gefüttert werden. Ohne ihre Rüsselspitze und mit der Wunde kann sie Nahrung – im wahrsten Sinn – nicht so gut selbst aufnehmen. „Wir wollen nicht, dass sie abbaut. Deshalb bekommt sie mehrmals am Tag ihr Heu direkt ins Maul gelegt“, so der Zoodirektor. Wasser werde ihr mit einem Gartenschlauch eingeflößt.

Doch Perret macht auch Hoffnung. Mwana werde lernen, mit dieser Art Behinderung umzugehen. „Sie wird Techniken entwickeln, mit denen sie künftig ihr Futter wieder allein greifen und auch trinken kann“, sagte er. Das würden ähnliche Unglücksfälle in der Natur zeigen, bei denen ebenfalls Elefanten einen Teil ihres Rüssels verloren hatten.

Der Tierpfleger selbst mache sich große Vorwürfe, obwohl „er alles richtig gemacht hat und absolut nichts dafür kann“, nimmt Perret ihn in Schutz. „Es hat nichts mit Unachtsamkeit zu tun“, versicherte er. Dass Mwana plötzlich ihren Rüssel in die Öffnung steckte, sei für ihn nicht zu sehen und nicht zu erwarten gewesen.

Die Elefantendame wird in den nächsten Tagen wohl nicht im Schaubereich zu sehen sein. Dort liegt Sand, der zu Infektionen an ihrer freiliegenden Wunde führen könnte.