Oebisfelde l Der Anstoß dazu kam „von außen“, der Gemeindekirchenrat empfand diese Idee in Corona-Zeiten als ideales Alternativangebot. Am Ostersonntag wurde dieser virtuelle Gottesdienst auf einem eigenen Youtube-Kanal insgesamt 222 Mal angeklickt. Die Idee zu dieser Premiere hatte ihre Anfänge bei der Oebisfelder Familie Wolf. Anlass für eine derartigen Aktion waren die Auflagen aufgrund der Corona-Krise. Dieses hohe Kirchenfest war und ist ein wesentlicher Bestandteil im Leben vieler Menschen. Insbesondere ältere Mitmenschen litten unter den derzeit behördlichen Auflagen, müssten in einer besonderen Art der Isolation verharren. Aber gerade Ostern sei einer der vorrangigen Anlässe, um die Familienbande zu stärken.

Mit Smartphones aufgenommen

Allesamt Gründe, weshalb bereits nach wenigen Telefonaten und einer Gemeindekirchenratssitzung dieser besondere Ostergottesdienst mit nur wenigen Tagen Vorbereitung als szenische Andacht ins Netz gestellt werden konnte, berichtete Michaela Wolf im Gespräch mit der Volksstimme. Die behördlichen Auflagen gegen die Ausbreitung des Covid-19-Virus‘ gaben den Ausschlag, dass die Abfolge dieses Festgottesdienstes in Szenen an verschiedenen Orten als Videoclips entstehen mussten. Die jeweiligen Aufnahmen entstanden mithilfe von Mobiltelefonen.

In Quarantäne produziert

So gestaltete die Kirchenmusikerin Anke Walocha-Krack die Musikstücke an der Orgel in der Petruskirche Vorsfelde. Pfarrer Wolfgang Schwarzer begrüßte hingegen die virtuelle Gemeinde aus dem Pfarrgarten in Oebisfelde. Oliver, Michaela, Liona und Jovan Wolf intonierten und sangen Kirchen- und Taizé-Musiken vom Oebisfelder Wohnzimmer aus oder am Lagerfeuer im heimischen Garten. Andreas Müller, Petra Schrader und Antje Rein vom Gemeindekirchenrat lasen jeweils von zu Hause und aus der Oebisfelder Katharinenkirche Auszüge der biblischen Ostergeschichte. Ein Ablauf mit Noten und Texten zum Mitsingen und Lesen konnten Besucher über die Homepage der Kirchengemeinde herunterladen oder lesend verfolgen.

Bilder

Dass diese Osterbotschaft von verschiedenen Orten aus zu einem in sich geschlossen Videoclip präsentiert werden konnte, war den Weddendorfern Andreas Müller und Anja Wittorf zu verdanken. Das Lebenspaar beschäftigt sich beruflich mit solchen Multi-Media-Produkten, befand sich jedoch just in einer freiwillig auferlegten Corona-Quarantäne. Das Paar war nämlich mit einem der letzten Flüge vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie aus Japan zurückgekehrt. Und es verfügte nun in der Quarantäne über die erforderliche Zeit für den Zusammenschnitt, den Ton und die Präsentation der Endfassung.

Zur Osterandacht: „Mit dem Osterfest ist die Passionszeit vorbei, und doch beginnt diesmal eine besonders intensive Fastenzeit“, begrüßte Pfarrer Wolfgang Schwarzer die Online-Christengemeinde in Anspielung auf die Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Corona-Pandemie. Schwarzer rief in Erinnerung, was nach den restriktiven Maßnahmen Realität geworden war. Nämlich, dass das öffentliche Leben aktuell fast zum Erliegen gekommen ist. Selbst das wohl überall und zu fast jeder Gelegenheit zu beobachtende Umarmen und Händereichen als Begrüßung ist zum Tabu geworden. Menschen hätten durch die Corona-Krise vielleicht aber auch ganz neue Seiten des Lebens entdeckt, so der Pfarrer.

Frage nach der Wahrheit

Schwarzer schlug den Bogen zu Ostern, zum Tod am Kreuz von Jesus Christus, von der Auferstehung des Sohnes Gottes, von der Vergebung der Sünden für die Welt. Er beschäftigte sich in seiner Osterandacht mit den Überlieferungen dieser biblischen Geschichte in den vier Evangelien, die unterschiedlich erzählt wurden und erklärt: „Wir kommen an die Antwort auf die Frage, wie es denn nun wirklich war, nicht mehr heran. Die Augenzeugen der Auferstehung sind lange tot. Diejenigen, denen sie davon erzählt haben, ebenfalls. Was uns bleibt, ist das zunächst erzählte und dann geschriebene Wort der Bibel. Es blieben und bleiben Fragen an den Überlieferungen.“ Dazu Schwarzer: „Ich muss es Ihnen heute an diesem Ostermorgen auch offen gestehen. Ich kann es weder erklären noch beweisen, wie das so war mit der Auferstehung. Doch ich vertraue den Erzählungen der Menschen, die in der Bibel aufgezeichnet sind.“ Er stellte aber auch fest, dass „die Ostergeschichte auf alle Fälle Menschen tief berührt“.