Oebisfelde l Jugendliche treffen unmittelbar auf Kommunalpolitiker, die ihre Heimat lebenswert erhalten und darüber hinaus die Lebensqualität verbessern wollen. Ein Aufeinandertreffen, das dank der Initiative der beiden Betreuerinnen der Jugendbegegnungsstätte (JBS) in Oebisfelde am Donnerstag ab 16 Uhr dort im Jugendtreff für einiges Lampenfieber bei Heranwachsenden wie erwachsenen Gästen auslöste. Trotzdem entwickelte sich eine Talkrunde, die knapp über zwei Stunden dem Themakomplex „Eigenverantwortung, Mitbestimmung und Wahlrecht“ treu blieb, ohne dass lokale politische Interessen kurz vor der Kommunalwahl zu vernehmen waren.

Es war überhaupt die erste Veranstaltung in dieser Konstellation, die im JBS an der Klötzer Straße „abging“, wie ein Jugendlicher es ausdrückte. Gefördert wurde dieses Engagement des Betreuerinnenteams Nicole Lange und Maria Bade durch die Bundesprogramme „Demokratie leben“ sowie „Arbeit und Leben“. Ziel dieser Veranstaltung in Oebisfelde sollte sein, so Bade und Lange in der Begrüßung, dass junge Menschen die Bedeutung von politischen Wahlen für die Gestaltung des eigenen Lebens mitnehmen konnten.

Als Gesprächspartner standen unter anderem Börde-Landrat Martin Stichnoth (CDU), der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen, Hans-Werner Kraul (CDU), die Oebisfelder Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch (UWG) und die Stadträte Sabine Bastigkeit (Die Linke), Sven Groneberg (SPD), Jörg Lauenroth-Mago (Bündnis 90/Die Grünen) und Jürgen Böttcher (CDU) den jungen Talk-Partnern Rede und Antwort.

Dass das Aufeinandertreffen zu einer Gesprächsrunde auf Augenhöhe gelang, lag wiederum an dem JBS-Betreuerinnen-Duo, das in einer vorausgegangenen Veranstaltung die Jugendlichen motiviert und auf die grundsätzliche Thematik eingestimmt hatte. Trotzdem blieb der Veranstaltungsverlauf am Donnerstag offen für beide Seiten, aber durchaus ein bereichernder Erfahrungsaustausch.

Landrat Stichnoth meinte im Rückblick: „Das Gespräch mit den Jugendlichen hat mir sehr viel Freude gemacht. Die Fragen haben verdeutlicht, junge Menschen interessieren sich für ihre Orte. Und sie interessieren sich auch für den Landkreis Börde.“ Als wichtig erachtet er, „dass sich für die Themen der Menschen interessiert wird. Das kann beispielsweise durch die Teilnahme an einer Wahl zum Ausdruck kommen“. Stichnoth weiter: „Die Gesellschaft braucht Jugendliche. Sie müssen uns sagen, was sie wollen, und vor allem müssen sie wollen, eines Tages selbst Verantwortung zu übernehmen. Und genau dafür kann man sich nicht früh genug interessieren.“

Bürgermeister Kraul hatte eine etwas andere Betrachtungsweise: „Die Fragen der Jugendlichen waren mir persönlich zu vorbereitet, Spontanität hätte einen Mehrwert an Kommunikation bedeutet. Auch kam mir das ursächliche Thema zu kurz. So kamen doch viele Dinge zur Sprache, die sich weit ab vom Veranstaltungsziel befanden. Hingegen empfand ich die lockere Atmosphäre als positiv.“ (Anmerkung der Redaktion: Der Landkreis Börde und die Stadt Oebisfelde-Weferlingen sind Träger des Jugendtreffs in der Allerstadt.)

„Sicherlich haben die Jugendlichen im Verlauf der Veranstaltung sehr unterschiedliche Fragen gestellt, die zugegeben nicht immer auf das Thema abzielten. Doch etwas von der eigenen Privatsphäre preiszugeben, schafft doch Nähe und fördert das Vertrauen im Miteinander. Jugendliche sind nun einmal nicht erwachsenenkonform“, entgegnet Bade auf diese Kritik von Bürgermeister Kraul.

Es kommt wohl immer auf die Betrachtungsweise an, so die Einschätzung von Nicole Lange. Sicherlich sind Fragen, ob die Gesprächspartner Alkohol trinken, oder ob sie schon jemals Cannabis konsumiert haben, weit entfernt vom Ziel der Veranstaltung, doch auch das interessierte die künftige Wählerschaft. Heraus kam bei der Frage nach Cannabis-Konsum, dass tatsächlich zwei Talkgäste „als Jugendsünde“ dieses „Gras“ geraucht haben.

Die Jugendlichen fragten dann aber auch gezielt nach der Verantwortlichkeit von Politik und Politiker, erhielten erschöpfend Antwort. Ihnen wurden andererseits die Auswirkungen der Konsolidierung für den Haushalt der Stadt Oebisfelde-Weferlingen erläutert und sie wurden ermuntert, durch ihr persönliches Engagement und gerade künftig durch ihre Stimmabgabe die politischen Vertreter ihrer Ziele in die Pflicht zu nehmen.