Oebisfelde l Besucherscharen besuchten an allen drei Tagen die Großveranstaltung. Volksstimme-Reporter Harald Schulz interviewte als Bilanz zum Fest und als Ausblick den Leiter der neuen Biosphärenreservatsverwaltung (BrV), Fred Braumann.

Volksstimme: Was hat sie persönlich an diesem ersten Drömlingsfest über die Maßen beeindruckt?

Fred Braumann: Die supertolle Leistung des „Drömlings-Teams“, will heißen, dass Engagement aller, wie die zertifizierten Natur- und Landschaftsführer, die große Anzahl der freiwilligen Helfer, die Unterstützung durch Vereine, die Feuerwehr, die DRK-Bereitschaft und in einem besonders hohen Maße, nämlich über das zu erwartende Normale hinaus, der Kultur-Klub Drömling.

Welchen Stellenwert nimmt das Drömlingsfest für das Biosphärenreservat Drömling ein?

Es war eine erfolgreiche und würdige Auftaktveranstaltung für das Biosphärenreservat, ein überregionaler Hingucker. Es wurde eine neue Qualität geboten, die das beabsichtigte Ziel der Identitätsförderung für alle regionalen Akteure, die Bevölkerung und insbesondere nach außen hin erreicht hat.

Ist eine Wiederholung zu erwarten, wenn ja, in welchem Rahmen und welcher Zeit?

Nicht jährlich, sondern ich denke an einen mehrjährigen Turnus von zwei bis drei Jahren. Das nächste Mal vielleicht zur UNESCO-Anerkennung, so hoffe nicht nur ich im ersten Halbjahr 2021.

Eine andere Überlegung ist die Rotation der Ausrichtung in den Gemeinden des Drömlings einschließlich Niedersachsens. Aber vieles spricht und viele sprachen auch von dem einmaligen Ambiente in Kunrau. Eine Entscheidung sollten alle interessierten Drömlingsanrainer treffen. Die grundsätzliche Organisation könnte dabei wieder in den bewährten Händen liegen.

Welche wesentlichen Unterschiede bestehen zwischen der ehemaligen Naturparkverwaltung Drömling und der Biosphärenreservatsverwaltung ?

Das liegt auf der Hand und ist bereits spürbar, nämlich ein größeres landes- und bundesweites Interesse am Drömling. Intern kann eine personell gestärkte Verwaltungsstruktur eine größere Wirksamkeit in der Region erreichen. Ein bereits bestehendes Plus ist Juliane Ruttkowski, die als neue Mitarbeiterin die Regionalentwicklung mit Tourismus und Vermarktung koordiniert und zukünftig weiter optimieren wird.

Strukturell betrachtet ist die Ausdehnung der Arbeit auf das Land Niedersachsen, auch durch die Finanzierung von zwei Stellen auf Grundlage der Verwaltungsvereinbarung, von nachhaltiger Bedeutung.

Neue Arbeitsfelder gemäß den UNESCO-Kriterien können realisiert werden. Das bedeutet, dass mehr als der klassische Naturschutz zur Geltung kommt. Kulturelle, soziale und ökonomische Themenfelder kommen dazu.

Welche Maßnahmen sind als nächste geplant oder in Vorbereitung, um das Biosphärenreservat in der Praxis zu etablieren ?

Wichtigste Vorhaben für das erst noch zu schaffende länder-übergreifende UNESCO-Bios­phärenreservat Drömling ist die Erarbeitung des UNESCO-Antrages, wofür gerade die Ausschreibung läuft. Es ist mit einer einjährigen Dauer zu rechnen. Lokal wichtig ist, dass bereits in diesem Jahr die Regionalmarkenentwicklung und Partnergewinnung im Drömling aufgenommen wird.

Welche Verbindungsglieder greifen ineinander, um das Biosphärenreservat in der Außenwirkung über die Landesgrenzen erkennbar zu machen ?

Angestrebt wird die Ausdehnung der LAG „Rund um den Drömling“, um gemeinsam über Projekte für die Region nachzudenken, zu diskutieren und zu entscheiden. Das ist übrigens bereits jetzt in der neuen LAG-Broschüre erkennbar.

Es haben erste Gespräche mit überregionalen Werbe- und Vermarktungsinstitutionen stattgefunden. Zunächst aber nur „drömlingsintern“, weil es notwendig ist, erst Qualitäten zu entwickeln und zu sichern, um die Ergebnisse dann überregional zu vermarkten.

Was verändert sich in der Verwaltungsstruktur vor Ort ?

Die Naturparkverwaltung wurde in die Biosphärenreservatsverwaltung überführt, insofern keine Veränderung nach außen wie innen. Aber neue zusätzliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für Regionalentwicklung, Projektentwicklung, für die UNESCO-Anerkennung und die Managementplanung, für die Landwirtschaftsberatung und neue Ranger-Stellen werden etabliert.

Wie lauten die Stützpfeiler der Öffentlichkeitsarbeit ?

Fast tägliche intensive Arbeit mit und in den Medien. Überarbeitung der Homepage noch 2019. Dazu Verstärkung der Umweltbildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, aber auch allen anderen Zielgruppen. Hinzu kommt bis zum Jahr 2021 der Neubau des Natura-2000-Infozentrums Buchhorst, danach die Modernisierungen des Info-Zen­trums Kämkerhorst und weiteren Info-Stellen und Projekten beim Biosphären-Partner in Niedersachsen.

Sehen Sie die Umsetzung des Tourismus- und Vermarktungskonzeptes weiterhin so positiv und woran machen Sie das fest ?

Bereits im Jahre 2015 wurden mit dem Tourismus- und Vermarktungskonzept (TVK) wesentliche Impulse geliefert. Es folgten die Einweihung der „Drömlings-Informations-Zentrale“ in 2018, nun das erste Drömlingsfest, die erfolgreiche Bewerbung für sogenannte PMO-Mittel für die Drömlingsradwege mit Beschilderung und weitere Baumaßnahmen in 2020/21.

Es soll ein erneutes und verstärktes Interesse an der Mitarbeit durch viele Akteure gerade aktuell mit der Biosphären-Ausweisung erreicht werden. Auch die TVK-Arbeitsgruppen sollen wieder aktiviert werden.

Was halten Sie als dringend erforderlich, um die Gastronomie und zusätzlich das Bürgerinteresse für Zimmervermietungen zu vermehren ?

Es ist eine öffentlich breite Diskussion zu regionalen Besonderheiten, beziehungsweise potenziellen Regionalmarken notwendig. Das soll durch unsere Verwaltung nun im zweiten Halbjahr auf den Weg gebracht werden. Damit soll ein Zusammenbringen potenzieller Produzenten und Vermarkter erreicht werden. Von allein funktioniert das eben nicht. Uns ist dabei die Zusammenarbeit mit Erfahrungsträgern aus der Agrarmarketinggesellschaft, Behörden und Verbänden sowie Interessenten wichtig.

Welchen Part werden die ehrenamtlichen Natur- und Landschaftsführer zukünftig übernehmen können ?

Einen wichtigen. So kommt es zur Entwicklung weiterer Angebote für Führungen, Exkursionen, in der öffentlichen Bildungsarbeit, sowohl in der Breite als auch zu speziellen Themen. Es ist beabsichtigt, einen schrittweisen Aufbau eines Netzwerks zwischen der Biosphären-Verwaltung mit den Rangern, den zertifizierten Natur- und Landschaftsführern und Freiwilligen zu verwirklichen. Man kann sich das als eigenständige Leistung mit dem Ziel einer Wertschöpfung vor Ort und dem Wirken als regionale Vermarkter vorstellen.

Wie schnell werden Multiplikatoren als Personen für den Naturschutz und für die Belange der Landwirtschaft in der Biosphärenreservatsverwaltung etabliert?

Die Stelle der Landwirtschaftsberater oder -beraterin wird ja aus Mitteln des Landes Niedersachsen finanziert, soll möglichst noch in diesem Monat ausgeschrieben werden. Nach der Einstellung soll im Herbst eine Vorstellung im Rahmen einer Zusammenkunft mit der Interessengemeinschaft Drömling und den Landwirtschaftsverbänden erfolgen. Anschließend erfolgt die bilaterale Arbeit und die erforderliche Einarbeitung innerhalb der Biosphären-Verwaltung. Es folgt dann die Ausschreibung für zusätzliche Ranger-Stellen.

Wie kann die Zusammenarbeit mit der Jägerschaft insoweit verbessert werden, als dass das Raubzeug verlässlich zurückgedrängt werden kann ?

Die Qualität einer Verlässlichkeit für den Fall der Fälle gibt es leider fast nirgendwo in Deutschland und Mitteleuropa. Trotzdem soll in den Anstrengungen bei der Zusammenarbeit mit den Jägern nicht nachgelassen werden. Zum Ende des diesjährigen Jagdjahres ist aber eine kritische Auswertung mit den Jagdpächtern und großen Flächeneigentümern geplant. Das soll Impulse geben.