Oebisfelde l Das öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen. Die aktuellen Regeln, die durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder angeordnet wurden, zeigen auch in Oebisfelde Wirkung: Personen unterhalten sich in gebührendem Abstand, Schlangen an den Kassen der Lebensmittelgeschäfte bleiben aus, auch das Hamstern hat sich deutlich beruhigt.

Doch die Kehrseite dieser restriktiven Maßnahmen trifft weitere kleinere und mittlere Betriebe. Sie mussten schließen. Deren Inhaber bleibt nun nur die Hoffnung auf die Zusagen von schnellen Hilfen durch Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Ein Beispiel: Waren vor wenigen Tagen noch Frisör-Geschäfte als systemrelevant wichtig eingeordnet, damit weiterhin geöffnet, so mussten auch die am Montag früh schließen. Marianne Jonas und Nancy Abagat führen vier Frisör-Geschäfte in Oebisfelde, Klötze und Apenburg als Betrieb „Jonas – Die Frisöre“. Montag früh atmete Nancy Abagat auf, sie beschreibt die Situation als Zwangsstopp bis mindestens zum 5. April. Froh ist die Frisör-Meisterin deshalb, weil es beim Frisieren ohne unmittelbaren Kontakt zwischen Kunden und Angestellten zu keiner Frisur kommen kann. „Alles was wir als Schutz für unsere Mitarbeiterinnen leisten konnten, war Handdesinfektion im Sparmodus. Ein Unding, wofür es aber keine Alternative gab“, befand Abagat gegenüber der Volksstimme.

Verluste nicht hereinzuholen

Aktuell befinden sich alle 17 Mitarbeiterinnen auf dem Antragsweg in die Kurzarbeit. Selbst hoffen Jonas und Abagat auf die vom Bundesfinanzminister zugesagten Soforthilfen. „Ohne solche unbürokratischen Stützen, im wahrsten Sinne des Wortes, ist unser Handwerksbetrieb wirtschaftlich nicht zu retten“, lautet die unmissverständliche Einschätzung beider Frisör-Meisterinnen. „Anders als bei derzeit unterbrochenen Produktionen, geht jeder ausbleibende Haarschnitt unwiderruflich und ersatzlos finanziell verloren. Diese Verluste sind nicht wieder hereinzuholen“, erklärt Abagat. Sie verdeutlicht: „In der Bundesrepublik gibt es zirka 80 000 Frisör-Betriebe. Wird davon ausgegangen, dass je Firma etwa zehn Mitarbeiter beschäftigt sind, wird deutlich, welches Ausmaß und welche staatlichen Anstrengungen notwendig sind, um Firmenpleiten abzuwenden.“

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Geschäfte geöffnet, Laufkundschaft fehlt

Gleich gegenüber des Frisörgeschäfts in der Langen Straße von Oebisfelde betreibt Cornelia Stangl ihr Fachgeschäft „Sehenswert Optik“. Ihr Geschäft gehört weiterhin zu den sogenannten systemrelevanten Betrieben, darf also geöffnet haben. Allerdings bleibt aufgrund der Ausgangsbeschränkungen die Laufkundschaft aus. Schlussendlich hat sich die Firmeninhaberin dazu entschlossen, das Geschäft nur noch montags und freitags nachmittags ab 15 Uhr und am Mittwochvormittag zu öffnen. An Kurzarbeit für ihre beiden Mitarbeiterinnen denkt Stangl derzeit noch nicht.

Problematisch ist aktuell jedoch das Feststellen von Sehstärken aufgrund eingeschränkter Möglichkeiten in der Hygiene. Es fehlt vor allem am Mundschutz, beklagt die Kauffrau. Aber das Feststellen der Sehstärke ohne Kommunikation ist nun einmal ein Ding der Unmöglichkeit.

Wie Stangl schickt auch Buchhändlerin Marlis Hoffmann ihre Mitarbeiterin nicht in die Kurzarbeit. „Auch wenn es einen geschäftlich schmerzhaften Einbruch durch die Entwicklung der Corona-Pandemie und die amtlichen Gegenmaßnahmen gegeben hat, hoffe ich auf ein baldiges Ende der Krise. Und dann ist meine Mitarbeiterin hier Gold wert“, heißt es von der Buchhändlerin am Oebisfelder Rathaus. Derzeit kommen Kunden ins Geschäft, holen sich ihre Tageszeitung, kaufen Groschenromane und Rätselhefte. Was ebenso „geht“, sind freie Lernmaterialien für Kinder im Vorschulalter.

Einweghandschuhe nutzen

„Die Menschen nehmen die Infektionsgefahr mittlerweile ernst“, schätzt sie ein. „Es wird auf Abstand geachtet, nicht nur, weil ich es auf der Eingangstür in großen Lettern vermerkt habe. Und selbst achte ich penibel auf Risikofaktoren“, sagt die Kauffrau, die derzeit sehr viel Wert auf Einweghandschuhe legt.