Oebisfelde l „Das löst bei jeder Behandlung schon ein beklemmendes Gefühl aus. Manchmal kommt es einem selbst auch wie der sprichwörtliche Ritt auf einer Rasierklinge vor. Ja, es ist auch durchaus Angst mit dabei“, beschreibt die Oebisfelder Zahnärztin Dr. Anke Seeburg ihren derzeitigen Berufsalltag, der jedoch alles andere als der von vor vier Wochen ist.

Seit dem amtlich erklärten Ausbruch der Corona-Pandemie und den sich aneinanderreihenden wie verschärfenden amtlichen Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie und für die Unterbrechung einer möglichen Infektionskette des Covid-19-Virus hat sich das Miteinander von Patient, Zahnärztin und dem medizinischen Fachpersonal auch in den anderen drei Zahnarztpraxen in Oebisfelde grundlegend verändert. Dabei ist der Anlass stets derselbe: Corona.

„Wohl nirgendwo sonst kommen sich Patienten und behandelndes medizinisches Personal so nahe wie in Zahnarztpraxen“, beschreibt Seeburg den Normalfall, der auch in Corona-Zeiten nicht zu verändern ist. „Viele Menschen halten Schmerzen aus, unterdrücken die sogar, doch Zahnschmerzen sind der Sonderfall bei Menschen, der möglichst schnell aufgelöst werden muss“, weiß Seeburg wie ihre Kolleginnen Heike Sender, Yvonne Hempel und Gabriele Häber nur zu gut.

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Sprühnebel in Mundhöhle unvermeidbar

Die behördlichen Schutzmaßnahmen sind ohne Wenn und Aber notwendig, doch kommt es zur Zahnbehandlung, dann basiert die auf Vertrauensbasis, wie Seeburg es bezeichnet. „Kein Patient wird auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen, wenn er vermutet oder gar weiß, dass er infektiös ist“, sagt Seeburg. Sie weiß aber, „dass die Ausnahme zur Regel gehört“. Und das eine Person eben gar nicht wissen muss, ob sie den Virus in sich trägt.

Gewiss und unvermeidlich sind Behandlungen in der Mundhöhle. Kommt auch noch der Bohrer zum Einsatz, dann entsteht unvermeidbar ein Sprühnebel in und auch außerhalb der Mundhöhle, der einem eventuell vorhandenen Covid-19-Virus Tür und Tor zu einem neuen Wirt öffnen kann. Vor solch einer möglichen Tröpfcheninfektion fürchten sich die Zahnmedizinerinnen besonders, denn das käme derzeit einer beruflichen Katastrophe gleich, wie die Zahnärztinnen unisono versicherten.

Um größtmöglichen Schutz zu gewährleisten, müssen Personen einen Behandlungstermin mit den Praxen telefonisch vereinbaren. Für die Praxis Sender gilt zudem, dass Patienten auf einem Fragebogen vor einer Behandlung zu erklären haben, ob sie aktuell erkältet sind, sich kürzlich in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten haben und/oder Kontakt zu einer Person in Quarantäne bestanden hat. In positiv beantworteten Fällen wird die Behandlung nicht erfolgen, die Praxis verweist die Person an den Hausarzt.

Einwegoveralls statt Schutzanzüge

Als weiteren Eigenschutz werden derzeit nur dringende Behandlungen vorgenommen. Zahnreinigungen oder andere präventive Behandlungen für Brücken und Kronen werden derzeit auf „bessere Zeiten“ geschoben.

Die Oebisfelder Zahnärztinnen haben einen gesundheitlichen Sicherstellungsauftrag zu erfüllen. Den aber erfüllen sie derzeit unter einem Hochrisiko, wie zu erfahren war. Denn es fehlt an elementarem Eigenschutz: Für die Behandlung geeigneter Mundschutz neigt sich dramatisch dem Ende, Schutzbekleidung bei Risikopatienten ist in den Dental-Depots nicht mehr zu bekommen, ebenso wie Desinfektionsmittel. Bei den Schutzanzügen behelfen sich die Zahnarztpraxen mit Einweg-Maleranzügen.

Die wirtschaftliche Zukunft steht zudem für alle Praxisbetreiberinnen in den Sternen: Die Assistentinnen in Kurzarbeit schicken, funktioniert nicht, weil es für den Praxisbetrieb ein Ding der Unmöglichkeit ist, so Hempel. Zwar sind die Praxen Kleinbetriebe, fallen aber nicht unter den finanziellen Rettungsschirm der Bundesregierung.