Oebisfelde l Nein, Angst ist es nicht, was Wolfgang und Hannelore Pettke in diesen Corona-Zeiten veranlasst, doch sehr zurückgezogen zu leben. „Es ist eher die gesunde Portion Vorsicht bei uns, um sich nicht anzustecken. Leichtsinn ist der Bruder oder die Schwester des Unglücks“, beschreibt Hannelore Pettke das derzeitige Alltagsleben des unzertrennlichen Ehepaares. So bleibt es bei ihr bei dem Einkaufen in der Stadt einmal pro Woche. Und Ehemann Wolfgang lässt es sich nicht nehmen, dienstags vom Wochenmarkt das Mittagessen am Imbissstand nach Hause zu holen. Ansonsten spielt sich das Leben in den eigenen vier Wänden ab.

So wird es auch am heutigen Heiligen Abend stattfinden. Der Besuch zu Weihnachten des ebenfalls in Oebisfelde lebenden Sohns Ulrich und seiner Ehefrau findet nicht statt – darauf hat man sich verständigt. Der Sohn von Ulrich Pettke, Sven, reist aus Celle zu Weihnachten nach Oebisfelde an. Den Urenkel in die Arme schließen, das muss Weihnachten 2020 für Wolfgang und Hannelore Pettke ausbleiben. Die Bescherung für den fünfjährigen Anton Florian wird es durch ein Fenster geben. „Nicht schön, aber es ist eben nur so möglich“, ist doch ein deutliches Bedauern bei Hannelore Pettke herauszuhören.

Weihnachten als Kind

Das Weihnachtsfest ruft bei dem Ehepaar Pettke jedes Jahr wieder Erinnerungen an die Kindheit wach. Als Kind vor und während der Kriegszeit war Weihnachten eine Zeit voller Aufregung, in Erwartung des Weihnachtsmannes und eine Riesenfreude über Geschenke, die mit heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen sind. Hannelore Pettke kam bis zu ihrem zehnten Lebensjahr Heiligabend nicht in den Schlaf vor Aufregung. Die Geschenke gab es damals nämlich immer erst am ersten Weihnachtstag.

„Es ging Heiligabend früh ins Bett. Zwar hörte ich dann verdächtige Geräusche aus Richtung Stube, die nur vom Weihnachtsmann stammen konnten, doch aufstehen und nachschauen, dafür reichte der Mut nicht“, berichtet die heutige Seniorin über diese für sie erfüllende Weihnachten als Kind. „Als Geschenke gab es jede Weihnachten wieder Kleinigkeiten für meine Puppenstube. Und für meine Puppe Pummelchen gab es Anziehsachen“, erinnert sie sich.

Weihnachten als Fest der Freude endete für Wolfgang Pettke als Kind in Danzig mit einem für die Familie folgenschweren Bombenangriff. An seine letzte Bescherung im Kreise der Familie erinnert er sich nur noch vage, die familiären Verluste und die Flucht wiegen bis heute schwer.

Nachdem die Flucht über die Ostsee mit Lagerhaft in Kopenhagen ein Ende genommen hatte, er 1948 in Weddendorf ankam und mit seiner Hannelore eine Familie gründete, übernahm er gern die Rolle des Weihnachtsmannes in der Familie und bei anderen. Sohn Ulrich mutmaßte bald, dass der Weihnachtsmann, der ihm die Geschenke brachte, gar nicht der echte war. Die Nase ähnelte sehr der von seinem Vater.