Oebisfelde l Der Vorstand des Heimatvereins Oebisfelde war noch vor Monaten überhaupt glücklich darüber, diesen stummen Zeitzeugen im Burg- und Heimatmuseum unterbringen zu können. Doch was nützt solch eine Lautsprecheranlage, worüber zu DDR-Zeiten offizielle Bekanntmachungen aus dem Rathaus über in der Stadt verteilte Lautsprecher verbreitet wurden, wenn das technisch sicherlich bemerkenswerte Utensil stumm in einer Ecke des Museums steht?, fragte sich nicht nur Vereinsvorsitzender Ulrich Pettke.

Lutz Bieri macht die Anlage flott

Um technisch anspruchsvolle Apparaturen wieder mit entsprechenden Funktionen in Schwung zu bringen, dafür stehen im Verein versierte Kräfte bereit, die Zeit, Lust und vor allem das notwendige Wissen mitbringen. Einer aus dieser Riege ist Lutz Bieri. Er zerlegte die Stadtlautsprecheranlage und tüftelte so lange im Innenleben, bis die Anlage wieder wie zu Beschaffungszeiten funktionierte.

Vor einiger Zeit kam der Oebisfelder Michael Schmidt auf die Idee, die intakte Anlage auch publikumswirksam einzusetzen. Gemeinsam mit dem Vereinsvorstand und weiteren Ideengebern suchte Schmidt nach einer solchen Möglichkeit und fand die in der politischen Historie der DDR. Schmidt stöberte in frei zugänglichen Medien, um Aussprachen von einstigen SED-Politbüro-Größen auf CD-Träger zu bannen. So können Besucher des Burg- und Heimatmuseums nun auf Knopfdruck den Ausspruch „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ anhören, der von dem damaligen Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht in einer Pressekonferenz am 15. Juni 1961 geäußert worden war. Ebenso ist die Losung aus der Gründerzeit der DDR „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ zu hören, die als Aufzeichnung der Ansprache zum 40. Jahrestag der Republik am 7. Oktober 1989 vom Staatsoberhaupt Erich Honecker öffentlich bekräftigt wurde.

Auch die folgenreiche Rede vom Mitglied des damaligen Zentralkomitees der SED und Politbüro-Mitglieds Günter Schabowski zur Reisefreiheit aller DDR-Bürger am Montag, 9. November 1989, ist im Originalwortlaut anzuhören.

Da die Wiedergabe von Tönen und Sprache über einen Druckverstärker geregelt wird, Bässe nicht vorhanden sind, musste Michael Schmidt die Lautsprechersteuerung bei Bruder Peter Schmidt im Nordsound-Studio technisch korrigieren. Die Flüstertüte, wie Vater Wolf-Dieter Schmidt die Anlage nennt, hat er als Lehrling im Elektrohandwerk 1964 von der Nationalen Volksarmee abgekauft, die Anlage wäre sonst verschrottet worden. Mit dem Fachbetrieb Meinel wurden Lautsprecher, Aufstellmasten und Verbindungskabel beschafft und für die Stadt wieder in Diensten gestellt. Eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe, denn es gab schon zu dieser Zeit keine Ersatzteile mehr für die Stadtlautsprecheranlage, wie Schmidt weiß.