Hochwasserschutz

Ein Bollwerk gegen Aller-Fluten soll in Oebisfelde entstehen

Es ist unwahrscheinlich, dass die Aller auf einen Pegel ansteigt, der eine Überflutung von Oebisfelde verursacht. Doch für den Fall der Fälle soll vorgesorgt werden.

Von Harald Schulz
An mehreren Fixpunkten des Sperrwerks der Mühlaller wurden Probebohrungen ins Erdreich getrieben, um so Proben zum Test der Beschaffenheit des Sperrwerks zu erhalten.
An mehreren Fixpunkten des Sperrwerks der Mühlaller wurden Probebohrungen ins Erdreich getrieben, um so Proben zum Test der Beschaffenheit des Sperrwerks zu erhalten. Foto: Harald Schulz

Oebisfelde - Der künftige Hochwasserschutz für die Stadt Oebisfelde ist nach aktuellem Stand am zweckmäßigsten herzustellen, wenn zum einen die bestehende Verwallung am landseitigen Ufer des Landgrabens und zum anderen das bestehende Absperrbauwerk an der Mühlaller im Parkbereich Dämmchen ertüchtigt werden. So heißt es auf Anfrage vom Bauamtsleiter der Stadtverwaltung, Uwe Dietz. Bereits zu DDR-Zeiten bestand solch eine Schutzvorrichtung, aber eben nur als Damm. Doch mit den Jahren blieben Instandsetzungen aus.

Auslöser der Maßnahme ist das Juni-Hochwasser 2013 an Elbe und Saale. Ein Extremereignis außerordentlicher Größe, das einmal mehr die Bedeutung des Hochwasserschutzes verdeutlichte. Ein Hochwasser der Aller und des Landgrabens südlich der Ortslage Oebisfelde könne aufgrund der Lage innerhalb des Niederungsgebietes Drömling ebenfalls zu ausgedehnten Überschwemmungen führen, damit auch die Gebäude der Kernstadt erreichen.

Weiterhin wird durch das bisher vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt festgelegte Überschwemmungsgebiet nördlich des Landgrabens die Siedlungsentwicklung der Ortslage Oebisfelde stark eingeschränkt. Das wiederum kann das Ausweisen von neuen Bebauungsgebieten negativ beeinflussen.

Im Rahmen einer Förderung zur Verbesserung des kommunalen Hochwasserschutzes im Land Sachsen-Anhalt wird ein Szenario dargestellt, anhand dessen der Hochwasserschutz weiter Teile von Oebisfelde zukünftig sichergestellt werden kann, informiert eine Referentenaussage. Die potenziell hochwassergefährdeten Flächen befinden sich dabei nördlich des Landgrabens, östlich der Mühlaller sowie im Bereich zwischen der Wieland- und der Schillerstraße und südlich der Niendorfer Straße.

Baumrodungen haben bereits begonnen

An der sogenannten Verwallung werden nach den Planungen in Masse Bäume gefällt und ebenfalls der Bewuchs so weit entfernt, dass das landseitig gelegene Baufeld frei liegt. Wie Dietz hinzufügt, sind diese Arbeiten bereits zum Großteil schon erfolgt. Weiterhin wird der Erdwall geöffnet, um dort hinein eine Winkelstützwand aus Beton zu bauen. In diesem Zuge erfolgt die Errichtung eines befestigten, landseitigen Deichverteidigungsweges und in der Folge wird ebenfalls ein fünf Meter breiter Deichschutzstreifen landseitig angelegt. Auch wird ein etwa fünf Meter breiter, sogenannter Baumfreihaltestreifen auf der Landseite entstehen, der allerdings acht Querungen für Wildwechsel enthalten wird.

Das Absperrbauwerk ist notwendig, um ein mögliches Hochwasser der Aller um die Stadt Oebisfelde herumzuleiten. Nach Aussage des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt ist „das Absperrbauwerk nicht zuletzt durch seine besondere Gestaltung nach fachlicher Einschätzung als Grenze des geschützten Bereiches anzusehen“, ergänzt Dietz seine Erläuterungen um diesen wichtigen Passus.

Das bestehende Absperrbauwerk ist derzeit nicht funktionstüchtig, entspricht zudem insgesamt nicht den aktuellen Regeln der Technik und muss entsprechend den Angaben des Fördermittelantrages vollumfänglich ertüchtigt werden. Für die erforderliche Hochwasserschutzkonzeption erfolgten erst vor wenigen Tagen Untersuchungen und Kernbohrungen zur Erkundung der Bauwerksgeometrie und zur Ermittlung von Materialeigenschaften. Das Ergebnis der Untersuchungen steht jedoch noch aus.

Die Gesamtmaßnahme mit kalkulierten Kosten in Höhe von 1,1 Millionen Euro soll bis Juni 2022 umgesetzt werden.

Vier von mehreren Bohrkernen, deren Analyse Aufschlüsse über die Standfestigkeit des Sperrwerks  der Mühlaller geben soll.
Vier von mehreren Bohrkernen, deren Analyse Aufschlüsse über die Standfestigkeit des Sperrwerks der Mühlaller geben soll.
Foto: Harald Schulz