Oebisfelde l „Ich bin verbittert. Nicht wegen der Covid-19-Pandemie, sondern wegen der Art und Weise, wie damit umgegangen wird. Was ich meine, ist erstens die staatliche Seite und zweitens die regionale und kommunale Ebene“, kritisiert ein derzeit von der Hand in den Mund lebender Peter Schmidt, der mit seinem Nordsound-Unternehmen vor dem vergangenen März mit einem Jahresumsatz von bis zu zwei Millionen Euro gerechnet hatte. Dann kam Corona. „Jetzt wird uns der Stecker gezogen“, beklagt Schmidt die aktuellen Maßnahmen gegen Corona.

Kritikpunkt eins: die Informationspolitik

Die Informationspolitik von Bund und Ländern ist nach Ansicht von Schmidt und Berufskollege Mathias Wieczorek offensichtlich nur auf Panikmache ausgelegt, es fehle an Sachlichkeit. „Wir hören ständig nur von Neuinfektionen. Doch wo bleibt denn die Verhältnismäßigkeit? Wenn wir jetzt meinetwegen zehnmal häufiger testen, ist es auch logisch, dass wir zehnmal mehr positive Ergebnisse bekommen“, lautet die Schmidt-Rechnung. Es fragt sich, wo eigentlich die guten Nachrichten in dieser Corona-Zeit bleiben. So wäre für die beiden Oebisfelder Event-Unternehmer insbesondere wichtig zu wissen, ob Fakten über den Entwicklungsstand eines Impfstoffes oder eines Gegenmittels existieren. „Wenn man eine Gesellschaft so im Dunkeln tappen lässt, ist es kein Wunder, dass plötzlich Kochbuchautoren und Schlagersänger, die allesamt definitiv keine ausgebildeten Virologen sind, genug Munition und Spielraum für die wildesten Spekulationen und Gerüchte bekommen. Und ja, sie finden Gehör, mehr als uns lieb ist“, wird die Informationspolitik beklagt, weil so empfunden.

Kritikpunkt zwei: das Soforthilfeprogramm

„Zurzeit wird die sechsgrößte Branche in Deutschland komplett ausgerottet“, kritisiert Schmidt den zweiten Lockdown. Für ihn sind die zugesagten Hilfen falsch kalkuliert und kommen bei den Unternehmen und den zigtausenden Soloselbstständigen erst gar nicht an. „Offensichtlich ist unserer Regierung nicht klar, wie groß der wirtschaftliche Schaden in der Zukunft sein wird“, mutmaßt Schmidt, weil der Lockdown nicht nur die Kultur betrifft, sondern wie ein Flächenbrand ganze Branchen kaltstellt.

Fakt ist für ihn, „dass es in unserem Teil der Industrie für eine nicht absehbare Zeit keinen Nachwuchs mehr geben wird. Die Kollegen, die schon die Segel gestrichen haben, werden auch nicht wieder zurückkommen. Und in absehbarer Zeit wird es wirklich dunkel und still.“ Eben nicht nur auf Deutschlands Bühnen, sondern auch im Fernsehen, Radio und Internet, wagt Schmidt einen persönlichen Ausblick auf die Zeit nach Corona.

Deutschland sei ein Export-riese, der dadurch ein viel beachtetes Alleinstellungsmerkmal in der EU besitze, schlägt Schmidt eine Brücke zu seiner Branche. Diese Erzeugnisse bei der Auto-, Chemie-, Stahl-, Pharma-, Elektronik- und Umweltindustrie müssten aber auch angepriesen, vor- und ausgestellt werden. „Exakt an dieser Stelle kommt die Veranstaltungsbranche ins Spiel. Wenn es uns plötzlich nicht mehr gibt, fehlt nicht nur ein erheblicher Teil des Bruttoinlandproduktes, sondern der kompletten Industrie fehlt stumpf die Marketing-Exekutive“, beschreibt Schmidt die Bedeutung des Wortes Event-Marketing. „Das mag dann vielleicht ein oder zwei Jahre gutgehen. Aber dann werden in Kernzweigen der deutschen Wirtschaft erhebliche Einbrüche zu verzeichnen sein, weil die entsprechenden Werbe-Trailer nicht mehr in Deutschland produziert werden, weil es uns nicht mehr gibt“, betont Schmidt. Die Soforthilfen müssten unbürokratisch, nachkontrollierbar und auskömmlich bereitgestellt werden. Lange Wege über zig Entscheider förderten unweigerlich das Branchensterben.

„Unsere Branche lebt nicht davon, dass auf einer grünen Wiese zwei Kompaktlautsprecher aufgestellt werden. Wir bauen unter anderem Themenparks für Automobilkonzerne, verlegen kilometerweise mit Technik bestückte Traversen unter Hallendächer der Messehallen und Ausstellungen. Wir planen und organisieren Großveranstaltungen und führen die selbst auch durch. Wir sorgen für die Sicherheit der Aufbauten, sind Experten für Statik, CAD-Software, IT sowie Gesundheits- und Unfallschutz und selbstverständlich für das komplette Entertainment“, wird ein Überblick der Leistungsstärke gegeben. Das alles bricht nun weg, kritisiert Schmidt.