Oebisfelde l Selbst krankgeschrieben, ein Kind mit einer Grippe, das andere gesund und quietschfidel. Aber eine Arztpraxis in Oebisfelde hat in größter Not die Behandlung der Tochter abgelehnt. Die leidensvolle Entwicklung der Familie begann vor ungefähr zehn Tagen. Die vierjährige Tochter Lea kränkelte ein wenig, wie es Mutter Jana Wachholz gegenüber der Volksstimme beschrieb. Zu dieser Jahreszeit erst einmal nichts Ungewöhnliches, auch in Zeiten der Corona-Pandemie wohl zuerst einmal eine Angelegenheit, der etwas mehr Augenmerk zugesprochen werden musste. Zwillingsbruder Max blieb hingegen ohne Symptome, die auf eine Erkältung oder gar Fieber hinwiesen.

Jana Wachholz führt mit ihrem Lebenspartner eine sogenannte Wochenendbeziehung. Er ist nämlich Fernfahrer und unter der Woche immer irgendwo unterwegs. Also bleibt die Aufgabe der Erziehung so gut wie allein an der Mutter hängen. Doch auch sie ist berufstätig.

Oma einzige Alternative

Weil nun mittlerweile die Krippenbetreuung in Oebisfelde aufgrund amtlicher Verordnungen eingestellt worden war, spitzte sich die familiäre Situation zu. Guter Rat wurde da sprichwörtlich schnell teuer, berichtete Jana Wachholz. Da sie beruflich in besonderer Pflicht als Hauswirtschaftsassistentin ist, galt es, eine Lösung für den Tagesaufenthalt der beiden vierjährigen Zwillinge zu finden.

Diese Lösung bestand letztendlich darin, dass die Kinder in die Obhut der Oma gegeben wurden. „Keine optimale Lösung, aber eine Lösung, die den Arbeitsplatz sichert und mir die Sicherheit gibt, dass meine Kinder bestens aufgehoben sind. Corona-Infektionsgefahr hin oder her“, räumte Jana Wachholz ein. Ihr ist schon bewusst, dass Menschen mit einem höheren Alter auch einem höheren Infektionsrisiko durch den Corvid-19-Erreger unterliegen.

Auf der anderen Seite weiß sie aus Berichten, dass sich durchaus auch Personen im jüngeren und mittleren Alter infiziert hätten. „Wäre eine optimalere Lösung für die Kinder möglich gewesen, hätte ich die auch genutzt“, ließ die Mutter keinen Zweifel am Nutzen einer solchen Alternative für die Gesundheit ihrer Kinder.

Doch der Leidensweg der Familie setzte sich weiter fort: Die kleine Lea begann ordentlich zu fiebern, hinzu gesellten sich Mattigkeit und Erbrechen. „Als das Fieberthermometer die 41-Grad-Marke erreichte, bekam ich es doch mit der Angst zu tun“, erzählte Mutter Wachholz. Es folgte der Gang zur niedergelassenen Arztpraxis. Doch dort endete der Arztbesuch an der Eingangstür. Es wurde kein Zutritt aufgrund der Erläuterung der Mutter zum Krankheitsverlauf gewährt. „Keine weiteren Hilfsangebote, einfach nichts. Ich fühlte mich komplett alleingelassen“, regte sich Jana Wachholz nach Tagen am Mittwoch noch beim Entenfüttern mit den Zwillingen an der Mühlaller auf.

Nach dem Arztbesuch fuhr die Mutter mit der offensichtlich kranken Tochter ins Altmark-Klinikum nach Gardelegen. Dort in der Abteilung für Kinderheilkunde und Jugendmedizin wurde der Vierjährigen medizinisch geholfen, die Mutter in ihrer Sorge betreut. Was Jana Wachholz dann zur Ruhe brachte, war die Mitteilung der Ärztin, dass es sich bei der Erkrankung von Lea um eine Grippe handelte.

Ausspannen im Grünen

Mittlerweile gehen Mutter und Zwillinge regelmäßig an die frische Luft, beispielsweise zum Entenfüttern an die Mühlaller. Dort kann Jana Wachholz für eine Weile ausspannen. Wenn die amtlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie weiterhin bestehen bleiben müssen, dann wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als dass die Oma wieder die Betreuung übernimmt, hofft die Mutter doch auf bessere Zeiten.

Und das Verhalten des Personals der Arztpraxis? Fakt ist, dass es durchaus übliche Praxis ist, dass in bestimmten Verdachtsfällen eine Behandlung abgelehnt wird und an medizinische Zentren verwiesen wird. Doch das tröstet eine Mutter nicht.