Ehemaliger Bäcker

Fast alle Weddendorfer gratulieren ihrem Karl Feniuk zum 90. Geburtstag

Seinen 90. Geburtstag feierte Karl Feniuk am Freitag. Zu seinem Ehrentag kamen viele Weddendorfer Einwohner, um ihrem „Karlchen“ zu gratulieren. Als einstiger Bäcker im Ort fand er in Weddendorf seine zweite Heimat.

Von Jens Pickert 19.07.2021, 21:00 • Aktualisiert: 20.07.2021, 10:10
Herzlich  und gerührt dankte Karl Feniuk an seinem 90. Geburtstag der Oebisfelder Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch für die persönlich überbrachten Glückwünsche zu seinem Ehrentag.
Herzlich und gerührt dankte Karl Feniuk an seinem 90. Geburtstag der Oebisfelder Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch für die persönlich überbrachten Glückwünsche zu seinem Ehrentag. Foto: Jens Pickert

Weddendorf - Hin und wieder kommt es vor, dass Familien, die sich in einer kleinen Gemeinde eine neue Existenz aufbauen möchten, von den Alteingesessenen zunächst mit Misstrauen empfangen werden und, das kommt eben auch vor, letztendlich nicht Fuß fassen können. Auch Karl und Liesel Feniuk stand das Ungewisse bevor, als sie am 1. April 1956 in Weddendorf als Zugereiste die dortige Bäckerei übernahmen.

Doch die damals noch kleine Familie Feniuk hatte offenbar keinerlei solcher Probleme, sich in Weddendorf zu integrieren. Deutlich wurde dies erneut auch am vergangenen Sonntag, knapp 65 Jahre nach der Übernahme der Bäckerei: Praktisch alle Dorfbewohner waren auf den Beinen, um ihrem „Karlchen“, wie Karl Feniuk in Weddendorf von den meisten Einwohnern genannt wird, zu seinem 90. Geburtstag zu gratulieren.

Auch Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch zählte zu den Gratulanten, worüber sich das Geburtstagskind herzlich und gerührt freute.

Odyssee von Rumänien bis in den Drömling

Karl Feniuk hatte keine einfache Kinder- und Jugendzeit. Geboren wurde er am 18. Juli 1931 in Alt-Fratautz. Die Gemeinde lag in der zu Rumänien gehörenden Bukowina, war jedoch überwiegend von deutschstämmigen Familien aus dem Schwabenland besiedelt. Im Herbst 1939, nach der Kapitulation Polens, endete die Zeit der Familie Feniuk in Alt-Fratautz. Laut Hitler-Stalin-Pakt wurde die Bukowina der Sowjetunion zugeschlagen und die dortigen Deutschen wurden mit der sogenannten Aktion „Heim ins Reich“ ausgesiedelt.

Für Familie Feniuk begann eine Odyssee. Die führte zuerst nach Landau an der Isar, dann in das schlesische Schweidnitz, weiter in Orte des okkupierten Polens, wieder zurück nach Deutschland und dann erneut zurück nach Polen. Diese Odyssee endete erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

Erste Station nach der Flucht aus Polen nach Deutschland war Ludwigsfelde. In Böckwitz beziehungsweise Jahrstedt wurde Familie Feniuk schließlich heimisch. Karl Feniuk begann im Oktober 1945 eine Bäckerlehre in Steimke und schaffte, nach diversen anderen Tätigkeiten, im Jahr 1955 in Weimar seinen Meister.

Dann begann die Weddendorfer Zeit. Karl Feniuk, der am 17. April 1956 in Jahrstedt seine Liesel heiratete, war exakt 20 Jahre der Bäckermeister in Weddendorf. Während dieser Zeit wurden auch seine vier Söhne Karl-Heinz, Hanns-Georg, Ralf und Hagen geboren.

Das öffentliche Leben aktiv bereichert

Am 1. April 1976 musste er seinen Betrieb aufgrund einer Erkrankung dann schließen. Karl Feniuk wechselte bis zu seinem Ruhestand als Kraftfahrer in die LPG.

Auch gesellschaftlich war der Weddendorfer aktiv. So war er unter anderem Vorsitzender des Sportvereins im Dorf und engagierte sich später bei den Weddendorfer Seniorentreffen. Denn dort zeichnete er für schmackhaften Kuchen und Torten für das Kaffeetrinken verantwortlich.

Auch den Sport hatte er nie aus den Augen verloren. Regelmäßig besuchte er die Punktspiele der Oebisfelder Handballmänner.