Oebisfelde l Die Kirchengemeinde Oebisfelde, Eigentümer des „Neuen Friedhofs“, hat das Areal offiziell am 1. Juli 2016 geschlossen. Viele Gräber wurden seitdem eingeebnet. Ein Großteil des Geländes ist auch schon beräumt. Doch einige sehr wenige Gräber werden immer noch gepflegt. Wie das von Theresia Lalka. Ihr Sohn Stephan, inzwischen 76 Jahre alt, kümmert sich um die letzte Ruhestätte seiner Mutter. Und das regelmäßig. „Am vergangenen Sonnabend habe ich neue Blumen auf das Grab gestellt. Am Mittwoch war ich wieder vor Ort, und musste mit Entsetzen feststellen, dass das Grab meiner Mutter, sehr wahrscheinlich am Wochenende, geschändet worden war“, erzählte der zu tiefst betroffene Oebisfelder.

Bislang Unbekannte haben den Grabstein umgestoßen und auf der Grabstelle ein Feuer entzündet. „Ich habe auch Reste von Kerzen gefunden. Möglicherweise wurde dort irgendeine Art von Ritual abgehalten. Ich kann es jedenfalls nicht verstehen, was diese Menschen, die das zu verantworten haben, angetrieben hat. Irgendetwas in ihren Köpfen läuft offensichtlich verquer“, so Stephan Lalka. Der Oebisfelder hat noch am Mittwoch Anzeige bei der Polizei gestellt. Doch große Hoffnung, dass die Übeltäter gefasst werden, hat er nicht. „Zeugen wird es wohl keine geben. Denn wer verirrt sich schon in der Nacht auf einen verlassenen Friedhof, der zudem noch am Rand der Stadt liegt“, betonte Stephan Lalka.

Diebstahl von Gräbern häufiger

Grabschändungen kommen nach Aussage von Matthias Lütkemüller, Sprecher des Polizeireviers Börde, im Landkreis sehr selten vor. „Geht es um Straftaten auf Friedhöfen, handelt es sich in fast allen Fällen um Diebstähle. So werden Figuren oder Tafeln aus Metall geklaut und diese von den Tätern dann bei Altmetallhändlern in Bares umgesetzt. Auch Blumen oder Gestecke, vor allem am Volkstrauertag oder am Totensonntag, sind das Ziel von Langfingern“, erläuterte der Beamte.

Stephan Lalka gibt indes nicht auf. „Diese Vandalen können mich nicht schrecken. Ich werde das Grab meiner Mutter wieder notdürftig herrichten. Denn das hat sie nicht verdient“, so der Allerstädter. Verdient hat das auch nicht Stephan Lalkas Vater Stefan. Sein Name steht ebenfalls auf dem geschändeten Grabstein. Allerdings ruht er nicht neben seiner Ehefrau Theresia. „Mein Vater, den ich nie kennengelernt habe, liegt irgendwo im Osten. Er gilt seit 1944 als vermisst. Er ist wohl irgendwo in der Ukraine oder in Weißrussland gefallen. Wo genau, haben wir nie erfahren. Sein Name steht zu Erinnerung an ihn mit auf dem Stein“, erzählte der Oebisfelder.

Notwendig geworden war der 1938 eröffnete „Neue Friedhof“, weil es auf dem Kaltendorfer Friedhof, das Areal rund um den zweiten Hauptweg beziehungsweise um die alte Kapelle, eng zu werden schien. Denn die Einwohner der Gemeinden Breitenrode, Buchhorst, Wassensdorf, Weddendorf, Niendorf und Bergfriede, die als sogenannte Ländchendörfer zur Gemeinde der Kaltendorfer Nicolaikirche zählen, verfügen nicht über eigene Friedhöfe. Hinzu kamen nach dem Krieg viele Vertriebene. Doch das Platzproblem ebbte ab, so dass es vor knapp 25 Jahren letztmalig eine Beerdigung auf dem „Neuen Friedhof“ gab.