Oebisfelde l Der Neubau dieser kurz als POS II bezeichneten Schule wurde notwendig, da die Schülerzahlen zu jener Zeit konstant anstiegen, berichtet Winfried Brinckmann. Für seinen Rückblick auf über vier Jahrzehnte währende Schulzeit in Oebisfelde hatte er drei Ordner als stumme Zeitzeugen mit dabei. Die Schülerzahlen addierten sich durch Jungen und Mädchen, die aus Oebisfelde und umliegenden Dörfern die Schulbank drücken mussten. Brinckmann fand in den Aufzeichnungen die Notiz, dass im Jahr 1979 exakt 512 Schüler von 32 Lehrkräften unterrichtet worden waren. Zudem bestand eine Hort-Einrichtung mit acht Erzieherinnen um Leiterin Edith Bicknäse, die um die 150 Schüler der Unterstufenklassen versorgten.

Die POS II trug den Namen des als Kämpfer der Internationalen Brigaden im spanischen Befreiungskrieg bekannten Kommunisten Wilhelm Barniek. „Es war so auch nicht verwunderlich und von der Partei nachdrücklich begrüßt, dass unsere Schule eine unmittelbare Nähe zum Grenzregiment 23 in Kalbe/Milde unterhielt“, schlägt Brinckmann einen Bogen in den Schulalltag abseits von Mathe, Deutsch, Russisch und Staatsbürgerkunde.

Allerdings, so seine Anmerkung, gab es regelmäßig Hinweise von den SED-Parteiführungsgremien, dass der Nachweis über militärische Arbeit und der generelle Leistungsdurchschnitt der Schule zu verbessern wären. Die Lehrerschaft verfehlte somit auch das Ziel, als „Sozialistisches Kollektiv“ ausgezeichnet zu werden.

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„Wir standen da ja auch in unmittelbarer Konkurrenz zur Schule der deutsch-so­wjetischen Freundschaft, der zweiten Schule in Oebisfelde“, erinnert Brinckmann.

Schulzeltlager an der Wassensdorfer Badekuhle

Die Zeltlager an der Wassensdorfer Badekuhle zählten zu den kulturellen Höhepunkten im Schulleben beim Lehrerkollegium und erst recht bei den Schülern der POS II, schwenkt der heute 80-jährige Brinckmann den Blick hin zu kollektivem Schulvergnügen. Das Neptunfest ist ein Überbleibsel, das auch heute noch für die Kinder ein Riesenspaß ist und Eltern in Erinnerungen schwelgen lässt, ist sich der heute noch sportlich lebende Schuldirektor von einst sicher.

Bei allen politischen Zwängen kann Winfried Brinckmann mit Blick auf seine Zeit als Diplom-Pädagoge an der POS II dem Schulalltag damals eine ganze Menge positiver Seiten abgewinnen. Er gibt frank und frei zu, dass vieles auch überzogen und kommentarlos umgesetzt wurde, was „von oben“ verlangt und kontrolliert wurde. Lehrpläne waren nicht zum Diskutieren da, sondern sollten die Schüler zu verlässlichen, produktiven und stolzen DDR-Bürgern erziehen.

Die weitaus überwiegende Anzahl der Schüler besaß sowieso den Status eines Pioniers oder war Mitglied der Jugendorganisation „,Freie Deutsche Jugend‘“, verdeutlicht Brinckmann die gesellschaftliche Struktur der Schüler.

„Die Schulen in der damaligen DDR waren auf eine Erziehung im kommunistischen Sinne ausgelegt, was ein hohes Wissen und Können, ausgeprägte Lern- und Arbeitshaltung und auch kollektives Handeln im Sinne der Arbeiterklasse abverlangte“, veranschaulicht Brinckmann mit Blick in die Vergangenheit.

Zum Unterrichtspensum gehörte damals wie auch heute noch, ein berufliches Praktikum, seinerzeit als Unterrichtstag in der Produktion bezeichnet. Eine wichtige Weichenstellung für die Schüler der damaligen siebten Klassen, konnten sie doch Neigungen austesten und werten, sieht Brinckmann auch in den derzeitigen schulischen Berufspraktika wichtige Potenziale.

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