Weferlingen/Weddendorf l In öffentlicher Runde wollen die Mitglieder des Stadtrates zu diesem Thema in der Sitzung am Dienstag um 19 Uhr im Haus der Generationen und Vereine in Weferlingen beraten. Einig sind sich Landkreis, Stadtverwaltung und die Stadtratsfraktionen, dass der bislang als Krippe bezeichnete Neubau am Lehmweg so schnell wie möglich realisiert werden soll.

Unterschiedliche Auffassungen bestehen jedoch darüber, wer diese Kinderbetreuungseinrichtung betreiben soll. Die UWG-Fraktion plädiert nach Aussage von Bogumila Jacksch, zugleich Oebisfelder Ortsbürgermeisterin, dafür, dass dieses Betreuungsangebot in städtischer Hand bleiben muss. Diese Auffassung vertritt auch die WfO-Fraktion mit Matthias Polep an der Spitze. In beiden Begründungen wird die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern in den Vordergrund gerückt. Befürchtet wird zudem, dass durch die Betreuungskapazität in der neuen Einrichtung möglicherweise bereits existente städtische Kitas vor dem Aus stehen könnten.

Für die CDU-Fraktion gibt hingegen eine schnelle und nachhaltige Verbesserung der Betreuungssituation für den Krippenbereich den Ausschlag, erklärte Fraktionssprecher Marc Blanck auf Anfrage. Eine ähnliche Auffassung vertritt die Fraktion Die Linke. Deren Vorsitzende Sabine Bastigkeit stellt dabei den Zeitplan für ein ausreichendes Versorgungsangebot in den Vordergrund.

Dass dort gebaut wird, ist seit vergangenem Jahr Stadtratsbeschluss. Allerdings war bislang die Rede von einem Krippen-Neubau mit einer Kapazität von mindestens 50 Kindern. Nun war zu erfahren, dass dort bis zu 60 Kita- und 40 Krippenplätze entstehen sollen. Die Standortwahl erfolgte durch ein Interessenbekundungsverfahren durch den Landkreis Börde. Den einzigen Hinweis auf einen freien Träger hatte im Juni 2020 der Schul- und Sozialausschuss des Stadtrates abgegeben.

Nach mehrfachen Abstimmungen mit dem Landkreis Börde stellte sich heraus, dass ein Interessenbekundungsverfahren nicht zwingend erforderlich ist. Nach Informationen des Jugendamtes unterliegen Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe nicht dem Vergaberecht. Somit steht es der Stadt Oebisfelde-Weferlingen frei, wie die Auswahl eines freien Trägers erfolgen soll. Die Stadt kann aber auch einen freien Träger bestimmen, mit dem sie sich über die Bestandteile und Eckpunkte der zu bauenden und betreibenden Kindertageseinrichtung einig wird.

Zeitlicher Druck lastet nun zusätzlich auf dem Vorhaben, weil Fristen für Fördergelder bis Ende Januar einzuhalten sind. Den Bedarf stellt der Landkreis nach Zuarbeit durch die Stadt Oebisfelde-Weferlingen fest. Der Landkreis hat darauf hingewiesen, dass für die pädagogische Arbeit eine 90-prozentige Auslastung optimal ist.

Bislang als einziger Bewerber, so die Auskunft von Bürgermeister Hans-Werner Kraul (CDU), hat die evangelische Stiftung Neinstedt (Neinstedter Stiftungen) gegenüber dem Landkreis wie auch der Stadt Oebisfelde-Weferlingen ihr Interesse bekundet, die Trägerschaft zu übernehmen. Die Neinstedter Stiftungen haben Erfahrungen mit der Betreibung von Betreuungseinrichtungen. Sie sind Träger mehrerer Kindergärten in der Stadt Thale.

In Gesprächen mit der Stadt haben die Neinstedter Stiftungen deutlich gemacht, dass aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten der Bau einer Kindertageseinrichtung mit insgesamt 100 Plätzen sinnvoll ist. Der Landkreis hat signalisiert, dass der Bedarf gegeben ist.

Wie Bürgermeister Kraul informierte, wird seitens der Stadtverwaltung davon ausgegangenen, dass Betreuungsengpässe für die zu überbrückende Zeit bis zur Kita-Fertigstellung geregelt werden können, die ehemalige Kita in Wassensdorf folglich nicht zu reaktivieren ist.