Signal auf Grün

Michael Frank macht betagte Rangierloks in Oebisfelde wieder flott

Das Leben als Eisenbahner pulsiert in seinen Adern: Der bald 60-jährige Oebisfelder Michael Frank bringt alte Rangierloks wieder auf Vordermann.

Von Jens Pickert
Michael Frank im Führerstand seiner  V22. Der Lok-Fachmann scheut keine Mühen und den Aufwand, um seine Rangierloks wieder für die Schiene flott zu bekommen.
Michael Frank im Führerstand seiner V22. Der Lok-Fachmann scheut keine Mühen und den Aufwand, um seine Rangierloks wieder für die Schiene flott zu bekommen. Fotos: Jens Pickert

Oebisfelde - Einige Oebisfelder, die einst bei der Deutschen Reichsbahn in Lohn und Brot standen, halten die Tradition Oebisfeldes als inzwischen ehemalige Stadt der Eisenbahner weiterhin hoch. So auch der fast 60-jährige Michael Frank, den Freunde und Bekannte nur „Stone“ nennen, gehört durchaus dazu.

Michael Frank ist gelernter Lok-Schlosser und fast täglich dort anzutreffen, wo er viele Jahre seines Berufslebens verbracht hat: Auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes (BW) der Reichsbahn am Ende der Geschwister-Scholl-Straße in Oebisfelde. Dort geht er immer dem nach, was er von der Pike auf gelernt hat: Er bringt Lokomotiven unter seinem Logo „Stone-Rail“ wieder auf Vordermann. Doch nicht irgendwelche Loks, sondern speziell die orangefarbenen Rangierlokomotiven der Baureihen V22 und V23. Produziert wurden sie einst im VEB Lokomotivbau Karl Marx in Babelsberg. Dort wurde auch das inzwischen dritte V-Projekt des Oebisfelders hergestellt.

„Meine inzwischen dritte Lok ist fertig zur Auslieferung“, erklärte Michael Frank nicht ohne Stolz und merkte an: „Diese V22-Lok aus dem Jahr 1964 war in einem Betrieb in Nordhausen im Rangiereinsatz und sollte ursprünglich verschrottet werden. Ich habe sie jedoch davor gerettet und neu aufgebaut.“ Der Lok-Fachmann nahm die Veteranin gründlich unter die Lupe und stellte dabei unter anderem fest, dass die 220-PS-Maschine des 24-Tonnen-Kolosses nicht mehr die gewünschte Leistung brachte.

Demnächst ist die vierte V22 an der Reihe

Folge: Michael Frank musste den Motor wechseln. „Das war ganz schön aufwendig. Doch es hat geklappt. Zum Abschluss hat die Lok dann wieder ihre originale orangene Lackierung sowie die originale Beschilderung bekommen“, so Frank. Trotz des relativ hohen Alters der Lok von 57 Jahren, wird sie bald wieder ihren Rangierdienst für einen Betrieb in Brandenburg versehen. „Auch meine anderen beiden Lokomotiven sind weiterhin in Thüringen und in Stendal im Rangierbetrieb. Ich denke, dort werden sie auch noch einige Jahre durchziehen. Denn im Prinzip sind die V22 und V23 unverwüstlich“, betonte Michael Frank.

Verwunderlich ist es daher nicht, dass auch das vierte Projekt des Oebisfelders eine V-Lok, Baureihe 22, ist. „Diese Lok wird einer Hauptuntersuchung unterzogen und erhält eine neue Lackierung. Diesmal wird sie allerdings nicht Orange, sondern Grün. Denn die Lok rangiert für ein Agrarunternehmen in Thüringen“, kündigte Michael Frank an.

Wie schon bei den anderen Instandsetzungen und Restaurierungen kann er dabei auf die Unterstützung von Jürgen Blanck zählen. Der Oebisfelder ist seit vielen Jahren Chef einer Metallbau-Firma auf dem ehemaligen BW-Areal und verfügt in seiner Werkstatt über einige Maschinen zur Metallbearbeitung. Die kann Michael Frank für seine Vorhaben bestens nutzen.

Michael Frank mit seiner dritten Lok, einer V22 aus dem Jahr 1964. Produziert wurde sie im VEB Lokomotivbau Karl Marx in Babelsberg.
Michael Frank mit seiner dritten Lok, einer V22 aus dem Jahr 1964. Produziert wurde sie im VEB Lokomotivbau Karl Marx in Babelsberg.
Foto: Jens Pickert