Oebisfelde l Es könnte ein Rekordjahr für den Storchennachwuchs seit der Aufzeichnung von Brutstätten von Störchen im Drömling werden. Diese Annahme trifft Storchenvater Wolfgang Sender, der schon von Berufs wegen eng mit der Flora und Fauna im Drömling verbunden ist. Er ist nämlich Mitarbeiter der Naturparkverwaltung Drömling mit Sitz in Oebisfelde. Die Beobachtung der Storchenpopulation ist eines seiner persönlichen Steckenpferde. Seit 1985 führt Wolfgang Sender genauestens Buch über die Populationen der Störche. Nach seinen Aufzeichnungen wurde im Jahr 2004 mit 117 Jungvögeln die höchste Anzahl beim Nachwuchs im Drömling groß gezogen.

Wie Sender am Donnerstag auf Anfrage berichtete, besteht großer Optimismus bei ihm, dass aufgrund der nun doch steigenden Temperaturen der Nachwuchs gedeihen kann. Auch das Nahrungsangebot nimmt stetig weiter zu. Insbesondere, weil die Grasmahd eingesetzt hat und so „der Teller für die Störche reichlich gefüllt ist“.

Zudem gilt der Storch als ein Allesverwerter, was bei nicht ausreichendem Wachstum der Jungtiere auch Kannibalismus durch die Alttiere einschließt, erläutert Sender, der solch Verhalten nicht nur einmal registrieren musste.

Die Brutpaare hatten im vergangenen Jahr insgesamt 101 Jungtiere ausgebrütet. Aufgrund der heißen Temperaturen und langer Trockenheit konnten nicht alle Jungtiere ausreichend von den Alttieren mit Futter versorgt werden, obwohl ein Storch ja als Allesfresser gilt, bedauert Sender.

50 Horste

Für den Bereich des Drömlings konnte Sender in diesem Jahr insgesamt 50 von Störchen besetzte Horste notieren. Das war die Anzahl wie im Vorjahr, so der Storchenvater nach seiner ersten kompletten Tour 2019 zu allen Storchenhorsten im Naturpark Drömling. Diesen starken Besatz in zwei aufeinanderfolgenden Jahren stuft Sender als „außerhalb der Normalität“ ein. Für ihn war es dann auch eine kleine, aber äußerst erfreuliche Überraschung. Eigentlich erfolgt stets im Folgejahr eine Reduzierung an Brutpaaren.

Die meisten Storchenpaare haben sich, wie auch schon 2018, in diesem Jahr in Buchhorst niedergelassen. In und um das Dorf sind in diesem Jahr insgesamt neun Horste statt wie im Vorjahr zehn besetzt. Die Altvögel scheinen alle ausreichend Nahrung zu finden. Eines der scheinbar beliebtesten Gebiete, um auf Nahrungssuche zu gehen, liegt in unmittelbarer Nähe zu ihren Horsten: eine Feuchtwiese beim alten Schöpfwerk.

Immer wieder eine Bestätigung für die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit ist der Umstand, wenn ein neu eingerichteter Horst von den Störchen auch angenommen wird. So ebenfalls in Buchhorst geschehen, nachdem dort in der Dorfmitte ein Horst in 2018 errichtet worden war.

Erstmals belegt ist hingegen ein Horst an den Holzschleusen am Ortsausgang Buchhorst in Richtung Dannefeld. Nach 15 Jahren hat sich dort nun erstmals ein Storch niedergelassen. Weil der Großvogel einst mit einem Chip versehen worden war, so Sender, konnte das Bewegungsprofil dieses Storches in den vergangenen Monaten rekonstruiert werden. Bemerkenswert findet Sender in diesem Jahr auch den frühen Zeitraum der Rückkehr in die angestammten Brutregionen. Laut seinen Beobachtungen setzten die ersten Großvögel bereits im Februar in Mieste und Kunrau zur Landung auf die Horste an.