Buchhorst/Oebisfelde l Die Mütter fühlen sich alleingelassen – nicht nur die. Ein Gefühl der Ohnmacht gegen diese Spinnerbrut bereitet sich unter den Einwohnern in Buchhorst aus, weil Politik, Behörden und Verwaltungen – von der Basis bis zur Landesspitze – dem Kahlfraß und damit der Verbreitung der Raupen des Eichenprozessionsspinners offenbar ohne wirksame Maßnahmen etwas entgegenzusetzen haben, heißt es von Heidrun Grabow. Sie, das Ehepaar Patrick und Stefanie Konkiel, Hella Schulz sowie die Mutter der zwölf Monate alten Charlotte und der vier Jahre alten Marlene Lemm wandten sich an die Volksstimme, wollen öffentlich machen, was in Buchhorst die Spatzen von den Dächern pfeifen: Hilfslosigkeit gegen den EPS-Befall.

„Ich habe nicht nur einmal mit Bürgermeister Kraul in der Sache gesprochen. Es ist nicht so, dass die Stadt nicht auf Beschwerden mit der Bekämpfung der Raupen reagiert hat. Doch das ist der Tropfen auf dem heißen Stein. Die Biester sind schon bald wieder in den Eichen“, heißt es von Heidrun Grabow. „Was ebenso eine Tatsache ist. Nicht jeder kann sich das Absaugen oder Absammeln durch eine Spezialfirma leisten. Im Falle unserer mächtigen Eiche auf dem Grundstück, ist mit knapp 1000 Euro zu rechnen. Ohne Garantieerfolg“, klingt ihre Erläuterung schon fast wie Galgenhumor.

Die Mutter von Charlotte und Marlene Lemm war mit den Kindern bereits mehrmals beim Arzt, kann entsprechende ärztliche Diagnosen vorweisen. „Einfach schlimm. Die Härchen der Raupen fliegen überall durch die Luft. Nicht nur der Wind wirbelt die mit Nesseln besetzten Haare umher. Die Eichen der Röwitzer Straße sind kahl. Wir bleiben, wenn möglich, im Haus oder fahren weg. Doch die Kinder hat es am schlimmsten erwischt“, beklagt Kathi Lemm.

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Wegfahren, das ist auch das einzige wirksame Mittel von Patrick und Stefanie Konkiel. „Wir können keinen Besuch empfangen, halten Türen und Fenster geschlossen. Wäsche aufhängen verbietet sich von selbst. Es ist eine Katastrophe und wir mitten drin“, drückt Stefanie Konkiel ihren Frust über das EPS-Desaster aus.

Alle Jahre wieder

Was den Buchhorstern zusätzlich die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist die Tatsache, dass diese Zustände alle Jahre wieder über die Einwohner hereinbrechen. „Nur nicht im Altmarkkreis Salzwedel. Dort wurde die Plage erkannt und es wurde reagiert. Da frage ich mich, weshalb das nicht auch im Drömling passieren kann. Der Befall hört doch nicht an der Kreisgrenze auf“, meint Hella Schulz eine Vogel-Strauß-Mentalität beim Landkreis und Land zu erkennen. Und auch die eigene Kommune hätte im Rahmen der öffentlichen Gefahrenabwehr bereits lange Alarm schlagen müssen. Wenn die eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen, sieht Schulz ebenso die Stadtverwaltung in der Pflicht.

Die Buchhorsterin sieht aber noch eine andere Gefahr, die bislang wohl noch nicht untersucht worden ist. Nämlich die mögliche Langzeitwirkung der Raupenhärchen, nachdem die eingeatmet wurden. „Keiner konnte mir bisher darauf eine Antwort geben. Asbest galt einst auch als unbedenklich“, so ihre Befürchtung.

Die Buchhorster wollen nun mit Bürgermeister Kraul ins Gespräch kommen. Es soll gemeinsam sondiert werden, wie der Spinnerbrut bereits schon im kommenden Jahr beizukommen ist. Der Verweis darauf, das Machbare erledigt zu haben oder auf Zuständigkeiten hinzuweisen, darf nicht auf Kosten der Gesundheit von Einwohnern im Drömling gehen. Eine Lösung muss her, heißt es unisono aus der Gesprächsrunde.