Oebisfelde l Unliebsame Zeitgenossen gehören zum täglichen Leben, sind keine Phänomene, vielmehr Erscheinungsformen der Gesellschaft. Der Kampfsportler Frank Lamprecht hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, außerhalb seines Trainingsbetriebs in seiner Oebisfelder Einrichtung für Kampfkunstarten, junge wie ältere Mitmenschen auf für sie möglicherweise gefahrvolle Begegnungen mit aufdringlichen oder gar gewaltbereiten Personen vorzubereiten.

Zu einem ersten Basislehrgang für Anfänger am vergangenen Sonnabend im Trainingszentrum an der Schillerstraße fanden sich 21 Frauen und Männer im jungen Erwachsenenalter bis hin zu Teilnehmern im Rentenalter ein. Die Erwartungshaltungen der Kursteilnehmer waren hoch, weil weitestgehend unbekannt, resümierte Lamprecht. „Es war auch für mich nicht leicht, die Bereitschaft der Gruppe zu wecken, sich gegenseitig anzufassen, Griffe und Hebel bei einem fremden Menschen anzuwenden, überhaupt die Ernsthaftigkeit des Trainings theoretisch wie praktisch näherzubringen“, erläuterte der einstige Leistungssportler den Auftakt des Basiskurses.

Dass die Teilnehmer schnell die Grundbegriffe der Selbstverteidigung nachvollziehen konnten, lag insbesondere an der schlicht aufgebauten Philosophie von Krav Maga, einer Form der Selbstverteidigung, die auf einem israelischen Ursprung basiert.

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Die Vielfalt, sich aus einer Bedrängnis oder bedrohlichen Situation zu lösen, im Notfall sogar mit gezielten körperlichen Aktionen Herr der Situation zu werden, ist bei Krav Maga ausgeprägt und leicht zu erlernen, urteilt Lamprecht. „Alle Aktionen zur Abwehr beginnen mit dem Einsatz der eigenen Stimme. Klar, deutlich und bestimmt im Ton signalisiert dem Gegenüber, dass er mit einer Person in Kontakt getreten ist, die auf Augenhöhe kommuniziert. Dazu eine gespannt aufrechte Körperhaltung und der direkte Blick in die Augen des Widersachers erzeugen bei ihm zumindest für eine kurze aber wichtige Zeitspanne Respekt, nicht selten sogar Verunsicherung“, weiß Lamprecht. In dieser Zeit entscheidet sich, ob der Bedrohte einer Attacke entkommen kann, oder ob gehandelt werden muss.

„Nichts unternehmen, heißt sich dem Schicksal ergeben. Aber ein körperlicher Übergriff ist immer real und kann gezielt abgewehrt werden“, heißt es unmissverständlich von dem seit Jahrzehnten aktiven Kampfsportler. So demonstrierte Lamprecht im Kursverlauf Verteidigungstechniken gegen Schläge, Festhalten, Wür- gen und auch die Abwehr von Angriffen mit einem Stock, Messer und einer Pistole – die selbstverständlich in Form von Attrappen. Und diese Vorgehensweise der Verteidigungsformen ließ er mit aller notwendigen Ernsthaftigkeit üben.

Einladung an Lamprecht

Anderer Ort, andere Teilnehmer, jedoch ähnliche Muster von Gewaltbereitschaft: Die Mitarbeiterinnen der Weddendorfer DRK-Kindertagesstätte hatten Lamprecht eingeladen, mit den älteren Kita-Kinder einen Selbstverteidigungskurs zu veranstalten. Vorausgegangen war ein Elternabend, in dessen Verlauf Lamprecht die Inhalte und Ziele solch eines Kurses erläuterte. Wie die Erzieherinnen Silka Preetz und Jana Streck erklärten, gab es eine einhellige Meinung für das Veranstalten des Kurses.

Am Dienstag war es dann für die Mädchen und Jungen der Frosch- und Hasengruppe soweit. Voller Erwartung betraten sie den großen Übungsraum und hatten sicherlich die haarsträubensten Erwartungen mitgebracht. Doch Frank Lamprecht lud erst einmal zum Springen, Laufen und zu Turnübungen ein. „Über dieses Lustmachen auf Bewegung bauen die Kinder ihre Anspannung ab, öffnen sich und sind aufnahmebereiter“, weiß Lamprecht. Er kommt dann nur nach und nach auf das eigentliche Thema zu sprechen, lässt die Kinder von ihren Erfahrungen mit Streit und „blöden Kindern“ berichten, fragt nach, wie sie sich dabei verhalten haben.

Gewalt bei und an Kindern beginnt bereits mit ablehnendem Verhalten zu anderen. Schnell kann daraus Mobbing entstehen, oder wenn das Nervenfass bei Kindern überläuft, auch mit Kneifen und in den Haaren ziehen aus den Fugen geraten. Lamprecht erklärt den Kita-Kindern, wie sie solche Situationen selbst ausweichen können. Er mahnt, immer einen bekannten Erwachsenen um Hilfe und Schutz zu bitten, über die Situation und die Befürchtungen zu berichten.

Wenn sich Kinder außerhalb ihrer geschützten Umgebung zu Hause, in der Schule oder Kita befinden und sich belästigt oder bedroht fühlen, müssen sie als sofort einen möglichst großen Abstand zu der Person schaffen, von der die Bedrohung ausgeht – ob es real, oder nur eine Vermutung ist. Lamprecht: „Und auch da ist es wichtig, dass diese Kinder mit ihrem Hilferufen von Erwachsenen ernst genommen werden.“