Breitenrode l Die gebürtige Oebisfelderin ist heute 65 Jahre alt, aber umtriebig, erfolgsorientiert und, was die musikalische Seite von Bärbel Folgner betrifft, noch immer jung und voller Elan geblieben. Doch sie hat im Rentenalter noch dazulernen müssen, nämlich auch loszulassen – die eigene Gesundheit war der Lehrmeister.

Was Bärbel Folgner auch anpackt, es muss Hand und Fuß besitzen. Die gelernte Maschinenbauzeichnerin und Buchhalterin wuchs in Oebisfelde auf. Kam, weil der Kirche verbunden, somit in der DDR nicht „linientreu“, nur über die Berufsausbildung zum Abitur – was sie im Umgang mit Menschen schulte.

Keine Scheu vor dem Bürgermeisteramt

Auch familiär lief bei Bärbel Folgner nicht immer alles, wie sie sich es vorgestellt hatte. So wurde sie quasi über Nacht zur berufstätigen Hausfrau, die zwei Töchter und einen Sohn allein versorgen und erziehen musste. Der Lebensweg bescherte ihr dann sieben Jahre das Zuhause in Wassensdorf sowie nochmals einen Umzug 1982 nach Breitenrode. Dort rutschte die selbstbewusste und taffe Frau dann in die Kommunalpolitik. Von Mai 1990 bis zur Gemeindereform im September 1994 lenkte Bärbel Folgner die Geschicke von Breitenrode als Bürgermeisterin. „Ich konnte damals eben nicht Nein sagen. Chormitglieder machten mir den notwendigen Geschmack auf das Amt. Und plötzlich war es geschehen“, erinnert sich Folgner. Für sie war es eine aufregende Zeit, in der, so ihre heutige Feststellung, das Dorf nach vorn gebracht wurde und sie dafür auch „viel Gutes von den Menschen erhalten hat“.

Stehvermögen hat sie auch in ihrem musikalischen Vermögen nach vorn gebracht. Dass sie ihre Stimmlage beharrlich halten konnte, das entdeckte ihre damalige Musiklehrerin Lutgardis Zienau. Auch ihr Talent für das Trompetespielen wurde früh entdeckt. Beide Musen hat sich Bärbel Folgner bis heute bewahrt. Auf das Klavierspielen musste sie verzichten, weil das Geld dafür bei den Eltern nur für die Schwester reichte.

Seit 1978 Mitglied im Chor

Der Gesang während der Proben des Wassensdorfer Frauenchors in der damaligen Schule zog Bärbel Folgner selbst dann noch an, als sie mit ihrem dritten Kind hochschwanger war. Es war im Jahr 1978, als sie sich der damaligen Chorleiterin Ilse Heinecke vorstellte und schon bald festes Mitglied der Chorgemeinschaft wurde. Rüstzeug, um selbst einen Chor zu leiten, erhielt Folgner dann vom geschätzten und sehr früh verstorbenen Klaus Stransky. „Es waren erfüllende Jahre, die den Chor und mich als Klangkörper vorangebracht haben“, blickt Folgner zurück.

Selbst würde sie liebend gern als sogenannte zweite Stimme nur im Chor singen, doch da hätte Bärbel Folgner schon einmal mehr Nein sagen müssen. Die Frauenriege wollte sie als Vorsitzende und Chorleiterin an der Chorspitze sehen. Bis die Gesundheit den Tribut dafür von der taffen Breitenroderin forderte. Doch als Dirigentin steht sie weiterhin vor dem Chor und für den guten Klang ein.